22.12.2016
Mahn- und Gedenkstätte stellte Besonderheiten aus dem Archiv vor

Mahn- und Gedenkstätte sucht Fotos und Dokumente aus den 30er und 40er Jahren

Kaiser-Wilhelm-Straße, Ecke Charlottenstraße, 1942 Foto (c)Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Das Archiv der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf verfügt über einzigartige Bestände zur Stadtgeschichte der Jahre 1933 bis 1945: Zehntausende Fotos und Bilddokumente, Briefe, Erinnerungen und Tagebücher, ganze Düsseldorfer Familiennachlässe und -sammlungen sowie mehr als 400 biografische Interviews, die mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, Holocaust-Überlebenden aus Düsseldorf, ehemaligen Zwangsarbeitern und anderen Verfolgten geführt wurden. Die Mahn- und Gedenkstätte ruft die Düsseldorfer Bevölkerung dazu auf, alte Fotoalben, Dokumente, Briefkonvolute oder Tagebücher nicht wegzuwerfen, sondern in der Mühlenstraße abzugeben.

Alleine aus den deutsch-jüdischen Familien Düsseldorfs werden tausende Fotos verwahrt, digitalisiert und aufbereitet. Dahinter stecken stets menschliche Einzelschicksale und ganze Familiengeschichten. Hinzu kommt eine Vielzahl von Dokumenten, die Aufschluss geben über Alltagsleben, Schule und Jugend im "Dritten Reich", über Sport und Hobbies, Kunst und Kultur, das Düsseldorfer Stadtbild, Wirtschaft und Arbeitswelten der NS-Zeit, aber auch über nationalsozialistische Täter aus Partei und Verwaltung, Polizei und Justiz.

In jedem Jahr wächst diese einmalige Sammlung an: durch Schenkungen oder Leihgaben, durch Kooperationen mit anderen Häusern oder durch gezielte Recherchen. Die Düsseldorfer Besonderheiten der Sammlung präsentieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mahn- und Gedenkstätte bei einem Pressetermin.

 Immo Schatzschneider, Hildegard Jakobs und Dr. Peter Henkel von der Mahn- und Gedenkstätte,(c)Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert

 

Das Fahrtenbuch des Düsseldorfers Max Schürmann


Eines dieser Schätze ist das Fahrtenbuch von Max Schürmann: Der 1922 in Düsseldorf geborene Max Schürmann gehörte zu der sogenannten Bündischen Jugend. In seinen Fahrtenbüchern, die er der Sammlung der Gedenkstätte 2015 übergab, hielt er Fotos und schriftliche Erinnerungen an seine Fahrten fest. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten waren diese eigenmächtigen Fahrten von Jugendlichen verboten. Max und seine Freunde ließen sich aber davon nicht abhalten und reisten durch Deutschland und Europa: die Ostpreußenfahrt (1934), Besuch von Dänemark und Norwegen (1935), Rivera (1936) sowie nach Lappland (1937). Die letzte Fahrt machte Max mit seinen Freunden im August 1939 nach Paris. Als sie wieder in Düsseldorf waren, begann der Zweite Weltkrieg. Eines der beiden Fahrtenbücher von Max Schürmann wurde als Original in die neue Dauerausstellung eingefügt. In digitaler Form wurde es als Blätteralbum zusätzlich im "OFFENEN ARCHIV" der Gedenkstätte den Besuchergruppen zugänglich gemacht.

Weitere Fotoschätze gesucht


Die Mahn- und Gedenkstätte bittet die Düsseldorfer Bevölkerung, alte Fotoalben, Dokumente, Briefkonvolute oder Tagebücher nicht wegzuwerfen. Nachlässe oder Sammlungen, insbesondere von Fotografien aus Düsseldorf, können bei der Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, gerne abgegeben werden.

Sie werden dort aufgenommen und gescannt und können dann entweder dort bewahrt werden oder sie gehen sofort nach dem Scannen an die Eigentümer zurück. Oftmals wenden sich Familien an das Institut, um Bilder, Alben oder Fotoschätze von verstorbenen Eltern oder Großeltern abzugeben. Dazu wird weiterhin aufgerufen.