Warum der Haushalt 2026 für Düsseldorf so brisant ist
Der Haushalt ist beschlossen. Entspannt ist die Lage in Düsseldorf damit nicht. Im Gegenteil: Die Stadt geht mit einem Defizit von 390,4 Millionen Euro ins Jahr 2026, investiert weiter auf hohem Niveau und zehrt ihren finanziellen Puffer fast vollständig auf. Der Rat hat den Haushalt am 19. März verabschiedet, das Gesamtvolumen liegt bei rund 4,4 Milliarden Euro.
Offiziell sieht der beschlossene Etat 3.928,1 Millionen Euro Erträge und 4.398,5 Millionen Euro Aufwendungen vor. Für Investitionen sind 729,5 Millionen Euro eingeplant. Gleichzeitig wird die Ausgleichsrücklage bis Ende 2026 nahezu vollständig aufgebraucht. In der städtischen Präsentation bleibt nur noch ein Rest von 26,2 Millionen Euro.
Gerade dieser Punkt ist für Leserinnen und Leser entscheidend. Denn hinter dem abstrakten Begriff Rücklage steckt nichts anderes als der finanzielle Puffer der Stadt. Im Vorbericht zum Haushaltsentwurf hieß es noch, die Rücklage werde planerisch nicht mehr ausreichen, um den gesamten Fehlbedarf 2026 zu decken. Die spätere Präsentation der Stadt fällt leicht günstiger aus – eng bleibt die Lage trotzdem.
Hinzu kommt, dass die wichtigste Einnahmequelle schwächelt. Die Stadt nennt ausdrücklich rückläufige Gewerbesteuereinnahmen infolge der konjunkturellen Schwäche. Laut Eckwerten sind für 2026 1.397,3 Millionen Euro Gewerbesteuer eingeplant. Das ist weiterhin viel Geld, liegt aber unter den besonders starken Vorjahren. Genau daraus entsteht der Druck: sinkende Erträge, hohe laufende Ausgaben und gleichzeitig große Investitionen.
Worüber im Rat weiter gestritten wird
Ganz auf Zukunftsausgaben verzichten will die Stadt dabei nicht. Die größten Posten liegen 2026 beim Schulbau mit 307,5 Millionen Euro, beim ÖPNV mit 59,4 Millionen Euro, bei Bauen und Wohnen mit 40,2 Millionen Euro sowie beim Straßen- und Wegenetz mit 89,8 Millionen Euro. Für die Wohnbauoffensive sind davon 39,4 Millionen Euro vorgesehen. Laut städtischer Präsentation fließen rund 46 Prozent der Investitionen in Schulen und Kitas. Das ist die Kernbotschaft der Koalition: sparen ja, aber nicht überall.
Auch die laufenden Ausgaben zeigen, wie groß die kommunalen Aufgaben geblieben sind. In den Eckwerten stehen unter anderem 777,4 Millionen Euro für Soziale Leistungen, 816,1 Millionen Euro für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, 206,6 Millionen Euro für Kultur und Wissenschaft sowie 315,5 Millionen Euro für Schulträgeraufgaben. Gestritten wird also nicht darüber, ob Düsseldorf noch Geld ausgibt, sondern wo Prioritäten gesetzt werden.
Die schwarz-grüne Mehrheit verteidigt den Etat genau so: als Haushalt der Prioritäten. In seiner Haushaltsrede spricht Grünen-Fraktionssprecher Frank Schulz von weiterem Einsatz für Klimaschutz, bezahlbares Wohnen, soziale Einrichtungen und Bildung. Er verweist unter anderem auf 3,3 Millionen Euro für Suchthilfe und Streetwork, auf mehr als 1 Million Euro für weitere Projekte in Soziales, Gesundheit, Gleichstellung und Integration sowie auf knapp 1 Million Euro für Housing First und weitere Hilfsangebote im Jahr 2026. Gleichzeitig macht auch er deutlich, dass nicht alles ausgebaut werden kann.
SPD/Volt sieht das anders. Die Fraktion spricht von einem Haushalt „ohne Plan und ohne Mut“ und kritisiert vor allem die pauschalen Einsparungen beim Personal in Höhe von 42 Millionen Euro. Im Vorfeld hatte sie unter anderem eine Zweitwohnungssteuer von 10 Prozent der Nettokaltmiete, 4.071.064 Euro für ein „stadtverträgliches Hilfesystem“ im Bahnhofsumfeld sowie 10 Millionen Euro mehr pro Jahr für das Klimaschutzprogramm vorgeschlagen. Auch eine aktivere kommunale Wohnungspolitik mit Ankäufen und einer möglichen Stadtentwicklungsgesellschaft gehörte zu den Forderungen.
Die Linke setzte ihren Schwerpunkt noch klarer beim Wohnen. Sie beantragte 20 Millionen Euro für den Ankauf von Grundstücken und Wohnungen zugunsten der städtischen Wohnungsgesellschaft SWD – 15 Millionen Euro für Grundstücke und 5 Millionen Euro für Wohnungen im Bestand. Hinzu kam die Forderung nach einem solidarischen Mietkautionsfonds mit 200.000 Euro im Jahr 2026 und anschließend 400.000 Euro jährlich. Die Darlehen sollten zinslos sein und maximal 36 Monate laufen. In der Begründung verweist die Fraktion auf den angespannten Wohnungsmarkt und auf den Rückgang des geförderten Wohnungsbestands von 14.818 auf 14.518 Wohnungen innerhalb eines Jahres.
Was der Beschluss jetzt für Düsseldorf bedeutet
Für Düsseldorf heißt dieser Haushalt vor allem: Die Stadt investiert weiter, aber auf deutlich schmalerer Grundlage. Schulen, Mobilität, Wohnen und Infrastruktur bleiben wichtige Schwerpunkte. Gleichzeitig wächst der Druck, an anderer Stelle enger zu priorisieren – und das betrifft zwangsläufig Bereiche, die viele Menschen im Alltag direkt spüren: Verwaltung, soziale Angebote, Personal und bezahlbaren Wohnraum.
Auch aus der Wirtschaft kommt deshalb Druck – allerdings mit anderem Fokus. Die IHK Düsseldorf unterstützt den Konsolidierungskurs grundsätzlich, fordert aber mehr Digitalisierung, klarere Prioritäten und ein langfristiges Konzept beim Personal. Zugleich warnt sie vor der steigenden Kreditbelastung. In der städtischen Präsentation wird der voraussichtliche Schuldenstand für 2026 mit 2.126,4 Millionen Euro angegeben.
Der Etat ist damit beschlossen. Der eigentliche Streit beginnt aber erst jetzt: Reicht dieser Kurs, um Düsseldorf handlungsfähig zu halten, ohne die Stadt an anderer Stelle auszudünnen? Genau diese Frage wird die lokale Politik auch nach dem Ratsbeschluss weiter beschäftigen.
Kurz erklärt: Was vom Haushalt 2026 bleibt
- Der Düsseldorfer Rat hat den Haushalt 2026 beschlossen.
- Das Defizit liegt bei 390,4 Millionen Euro, gleichzeitig investiert die Stadt weiter kräftig – vor allem in Schulen, Mobilität und Wohnen.
- Der finanzielle Puffer schrumpft jedoch fast vollständig. Genau deshalb bleibt der Streit über Wohnen, Soziales, Personal und Prioritäten in Düsseldorf bestehen.
Offizielle Unterlagen: Die Stadt Düsseldorf hat Eckwerte und Präsentation zum beschlossenen Haushalt 2026 veröffentlicht. Außerdem hat NDOZ die veröffentlichten Haushaltsreden und Anträge aus der Düsseldorfer Kommunalpolitik ausgewertet.



