06.10.2015
Kulturentwicklungsplan soll Ende 2016 stehen

Kulturentwicklungsplan soll auch freie Szene stärken

Laokoon-Gruppe Vatikanmuseum Ausschnitt / Foto Jo Geschke NDOZ.de

Die Reform der Kultureinrichtungen, insbesondere der kleinen städtischen Spezialmuseen, steht ebenso auf der Agenda wie die Stärkung der freien Szene durch Aktivierung von kreativen Allianzen mit den öffentlichen Kultureinrichtungen und durch neue Förderformate für einen Kulturentwicklungsplan der Stadt, der jetzt entwickelt wird. Die Ampelparteien hatten einen solchen Plan schon im Dezember 2014 auf den Weg gebracht und im Rat beschlossen.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf will bis Ende 2016 einen Kulturentwicklungsplan (KEP) mit Hilfe einer externen Agentur erstellen. Laut Ratsbeschluss vom 4. Dezember 2014 sollen unter einer breit angelegten öffentlichen Beteiligung und auf der Grundlage von Bestands- und Potenzialbeschreibungen der Förderfelder und Sparten kulturpolitische Ziele und Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der Kulturstadt Düsseldorf erstellt werden.

"Ziel ist, die Kultur der Stadt Düsseldorf mit einem Kulturentwicklungsplan in die Diskussion zu bringen und sie gemeinsam mit den Kulturschaffenden sowie den Bürgerinnen und Bürgern qualitativ weiter zu entwickeln und zukunftsfest zu machen", erklärt Kulturdezernent Hans-Georg Lohe.

In diesem Prozess sollen konkrete Ziele definiert und deren Umsetzung langfristig geplant werden. "Dabei geht es darum, verborgene Schätze zu heben und neue Möglichkeiten für städtische Kulturprojekte auszuloten", sagt Lohe. Der Kulturausschuss beauftragte am Mittwoch, 30. September, die Kulturpolitische Gesellschaft e.V., diesen Kulturentwicklungsplan zu erarbeiten.

Zunächst sollen bestehende Potenziale sichtbar gemacht und gewürdigt werden, um sie als Fundament für zukünftige Entwicklungen zu nutzen und zu stärken. In einem Partizipationsprozess soll die Kulturlandschaft der Landeshauptstadt Düsseldorf dann gemeinsam mit Kulturpolitikerinnen und -politikern, Kulturakteuren und den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert und gemeinsam Zukunftsperspektiven entwickelt werden.

"Die mit Kulturinteressierten dialogisch ermittelten Zukunftsperspektiven helfen der Kulturpolitik und den Kulturakteuren, einen detaillierten Einblick in die Erwartungen und Vorstellungen einer heterogenen Stadtgesellschaft zu erlangen und darauf analyse- sowie konzeptgestützt zu reagieren" erläutert der Projektleiter für den Kulturentwicklungsplan, Dr. Patrick Föhl.

Dabei werden zwei zentrale Ziele verfolgt: Prozessziele: Inhaltliche Widersprüche aufzeigen, Konflikte entschärfen, transparentes und kooperatives Klima schaffen und gegenseitiges Vertrauen aufbauen, das auch Transformationsprozesse ermöglicht. Produktziele: Bestandsaufnahme, Analysen und konkrete Entwicklungsszenarien sowie Themenschwerpunkte für die Kulturpolitik erarbeiten.

Themenschwerpunkte der KEP Düsseldorf

Wenngleich die konkreten Themen im Rahmen des KEP-Prozesses erarbeitet werden, zeichnen sich bereits im Vorfeld inhaltliche Schwerpunkte ab, die es im Laufe des Planungsverfahrens zu untersuchen gilt:

Kulturpolitische Grundsatzfragen: Was könnte ein kulturpolitisches Leitbild für die Kulturentwicklung in Düsseldorf sein? Welche sind die zentralen Bedingungen der Kulturpolitik? Was hat sich an diesen Bedingungen und Parametern verändert?

Leitthemen: Welche kulturellen Leitthemen sollte die Landeshauptstadt Düsseldorf zukünftig in den Mittelpunkt rücken?

Querschnittsthemen: Querschnittsthemen und -entwicklungsfelder, allen voran die Kulturelle Bildung und der Kulturtourismus, inklusive eines zeitgemäßen städtischen, regionalen und überregionalen Kulturmarketings, haben sich bereits in den Vorgesprächen und -analysen als wichtig gezeigt.

Sparten- und sektorenspezifische Themen: Die Reform der Kultureinrichtungen, insbesondere der kleinen städtischen Spezialmuseen, steht ebenso an wie die Stärkung der freien Szene durch Aktivierung von kreativen Allianzen mit den öffentlichen Kultureinrichtungen und durch neue Förderformate und -konzepte.

Des Weiteren sind die Beförderung der Bildenden Kunst als Aushängeschild der Landeshauptstadt Düsseldorf durch die stärkere Beteiligung von Künstlerinnen und Künstlern am kulturpolitischen Diskurs, die Entwicklung eines Atelier- und Raumkonzeptes und einer klaren Strategie für die Kunst im öffentlichen Raum bereits als Themen gesetzt.

Methodische Vorgehensweise KEP Düsseldorf

Die Bezeichnung "geschützter Denkraum" umschreibt am besten, was mit dem KEP-Prozess intendiert wird. Prägend ist die Ausrichtung auf dauerhafte als auch punktuelle Dialoge. Der Prozess wird von einem KEP-Beirat begleitet und gesteuert, dem unter anderem Kulturpolitikerinnen und -politiker, Kulturverwalterinnen und -verwalter, Kulturschaffende, Kulturvermittlerinnen und -vermittler sowie Akteure aus für die Kultur bedeutenden Querschnittsbereichen angehören werden.

Die Durchführung der Kulturentwicklungsplanung ist grob in vier verschiedene Abschnitte unterteilt. Zu Beginn des Prozesses wird die Bestandsaufnahme der Projekte und kulturellen Infrastruktur sowie der Stärken und Schwächen im Mittelpunkt stehen. Mittels Experteninterviews und unterschiedlichen Analysen – wie beispielsweise einer Netzwerkanalyse, einer Politik- und Kulturfeldanalyse und einer Kulturfinanzanalyse – verschaffen sich alle Beteiligten ein Bild über die Ausgangssituation sowie die Potenziale der Düsseldorfer Kulturlandschaft. Daran wird sich ein partizipativer Beteiligungsprozess mit Kulturakteuren und Bürgerinnen und Bürgern anschließen.

Bürgerforum und Workshops

Unter anderem werden in drei aufeinander aufbauenden, groß angelegten Workshops und in einem Bürgerforum Wünsche, Ziele, Schwerpunkte und Maßnahmen für die Kulturentwicklung der Landeshauptstadt Düsseldorf erarbeitet. Des Weiteren werden zahlreiche Einzelgespräche und Diskussionen, zum Beispiel in den bestehenden Kulturbeiräten in Düsseldorf, erfolgen.

"Der Dialog und die Anbahnung von Kooperationen werden im Mittelpunkt des Prozesses stehen. Diese stellen bereits einen großen Wert für sich dar. Schließlich werden alle Ergebnisse in einem Abschlussbericht, dem Kulturentwicklungsplan, zusammengefasst und die Ziele und Handlungsempfehlungen komprimiert aufbereitet" sagt Marc Grandmontagne, der Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft.

Die Kulturpolitische Gesellschaft e.V.

Die Kulturpolitische Gesellschaft ist ein bundesweiter Zusammenschluss von rund 1.500 kulturpolitisch interessierten und engagierten Menschen aus Kulturarbeit, Kunst, Politik, Wissenschaft, Publizistik und Kulturverwaltung. Sie bildet keinen berufsständigen Interessenverband und ist an keine Partei, Kirche oder Gewerkschaft gebunden. Ihre Aufgabe ist es, neue Leitbilder und Zielsetzungen für Kulturpolitik zu entwickeln. Dabei vertritt sie ein weites Verständnis von Kulturpolitik im Sinne von Gesellschaftspolitik. Die Mitglieder der Kulturpolitischen Gesellschaft verstehen sich als kulturpolitische Arbeitsgemeinschaft, die sich für eine zeitgemäße und demokratische Kulturpolitik engagiert, damit Kunst und Kultur eine angemessene Förderung in der Gesellschaft erhalten. Sie setzt sich ein für die Entwicklung kultureller Chancengleichheit sowie für neue Formen und Orte der kulturellen (Selbst-)Darstellung und Begegnung, damit eine möglichst plurale Trägerstruktur kunstschaffender und -vermittelnder Einrichtungen entstehen und gesichert werden kann. Die Kulturpolitische Gesellschaft ist insofern auch eine Innovationsagentur für neue kulturpolitische Programme und Konzepte, Trägerschaftsstrukturen und Finanzierungsmodelle.