28.04.2018
Schauspielhaus Molières Tartuffe

„Tartuffe oder der Betrüger“ – Molières Komödie in Pop-Art mit aktuellen Bezügen

Tartuffe – Ensemble /Foto Sandra Then/ D Haus

Drei riesige, knallig blau, grün, gelb, und ein langer roter Ballon, sagen wir mal: Zucchini-ähnlich: Die Bühne. Dieser Tartuffe des Molière kommt als klare Anspielung vors Publikum – die Schauspieler_innen treten auf in knallig bunten Kostümen – aus Plastik. Bühnenbild und Kostüme erinnern an amerikanische Pop-Art und Comic-Figuren. Die Parallelen von „Tartuffe oder der Betrüger“ von 1664 sind zum Greifen da, „Fake-News“ und „alternative Fakten“ fallen einem sofort ein, und auch die religiöse Bigotterie und Doppelmoral mancher AfD-Politiker.

Auf der Bühne des Central kommen die Schauspieler in ihren orangen, blauen, grünen, gelben Plastik-Anzügen und Kleidern mit einem Robot-Dance zu Stakkato-Techno-Musik auf die Bühne, auch die Oma Madame Pernelle (Karin Pfammater). Selbst die Haare bestehen Comic-mäßig aus Kunststoff.

Nur Tartuffe erscheint noch nicht.

Tartuffe, der fundamentalistische Religion heuchelt, wickelt den Hausherrn Orgon mit gespielter Frömmigkeit ein. Orgon hat ihn bei sich wohnen lassen. Cléante, Orgons Schwager (Jan Maak), macht schon deutlich, wer Tartuffe ist: „Scharlatane… tragen ihren Glauben vor sich her wie eine Fahne, und wer sie angreift, greift gleich den Himmel an.“ Doch Orgon (Torben Kessler) will solch rationale Kritik nicht hören.

Auftritt schließlich Tartuffe Christian Erdmann), ganz in unschuldigen Weiß, mit roten Schuhen. Hausherr Orgon will ihm nicht nur seine Tochter Mariane (bei der Premiere Viola Pobitschka, später Cennet Rüya Voss) vermählen. Mariane will allerdings ihren Valère. Tartuffe, ganz der manipulative Heuchler, wird da schon Sinnbild derer, die Religion vorgaukeln, um Vorteile und Macht für sich zu gewinnen.

Zofe Dorine (hinreißend Claudia Hübbecker), Tochter Mariane und Valére wollen nun die Vermählung mit einer entlarvenden Szene verhindern. Denn Tartuffe hat schon einmal mit Hausherrin Elmire (temperamentvoll: Minna Wündrich) geflirtet.

Tartuffe, der seine Religion nur spielt, fliegt schließlich auf. Während er der Ehefrau Orgons, Elmire, eindeutige Anträge macht. Doch Elmire hat dabei absichtlich den Ehemann zusehen lassen, um den vom Betrüger Tartuffe zu überzeugen. Hausherr Orgon ist entsetzt, aber die Einsicht kommt zu spät: Tartuffe ist bereits Besitzer des Hauses und will Oregon verhaften lassen. Doch der König greift mit einem Beamten ein und lässt Blender Tartuffe verhaften, der sowieso bereits gesucht wird. Ein Schluss, den Moliere später einfügte. 1664 zuerst aufgeführt, war es ein Skandal. Und musste dann zunächst entschärft werden.

Regisseur Robert Gerloff, Dramaturg Robert Koall und das Team haben dem Schluss Molières allerdings noch einen anderen Schluss angehängt. „Das glaubt doch keiner, dass zum Schluss ein weiser König ...“ Und also wird klar, dass heutzutage das Internet den König macht und „alternative Fakten“ präsentiert. Ein Schelm, wer da nicht an Trump denkt …

Neben der poppig-bunten Bühne (Maximilian Lindner) macht die Komödie mit den nicht minder poppig-bunten Kunststoff-Kostümen von Johanna Hlawica Furore. Für die bestens aufgelegten Schauspieler allerdings auch eine athletische Übung: Sie schwitzen extrem unter den Folien.

Langer begeisterter Applaus mit Bravo Rufen belohnt ein hinreißend komödiantisches Ensemble – das danach wohl erst Mal Wasser von innen - und von außen - brauchte.

(Autor Jo Achim Geschke)

Weitere Aufführungen sowie Kartenbestellungen unter www.dhaus.de