02.05.2016
1. Mai Düsseldorf 2016

1. Mai am Rhein - ein politisch solidarisches Familienfest (mit Fotostrecke)

Blick von der Bühne bei den Reden zum 1 Mai / Foto Jo Achim Geschke

Wenn einige Tausend Menschen am Rheinufer zum 1. Mai zusammenkommen, ist es meist für Gewerkschafter und politisch interessierte ein Familienfest, bei dem man sich trifft und sich wieder mal unterhalten kann. In diesem Jahr allerdings war der 1. Mai ein eindeutig politisches Statement – was auch an am Motto des Maitages lag: „Mehr Zeit für Solidarität“.

Reden sind für manche ja manchmal langweilig – aber wenn die Vorsitzende des DGB Düsseldorf, Sigrid Wolf, und der OB der Landeshauptstadt Thomas Geisel, auf der Bühne am Johannes-Rau-Platz  auftreten, stehen Äußerungen zur Modernisierung der städtischen Verwaltung an. Sigrid Wolf (DGB Düsseldorf) richtete an den OB auch die Forderung, bei dem Projekt „Verwaltung 2020“ dürfe es keine 20 Prozent Stellenabbau geben angesichts der steigenden Herausforderungen an die Verwaltung , etwa durch dringend nötigen Wohnungsbau und Unterbringung von Geflüchteten . „Wir brauchen mehr statt weniger Personal. 1000 Stellen sind nicht besetzt“, sagte Wolf.

OB Geisel drückte sich bei seinem Grußwort nicht vor dem heiklen Thema und konterte: „Wir planen keinen Stellenabbau von 20 Prozent! Aber es gibt in der Verwaltung viel Frust der Mitarbeiterinnen, und eine Menge ineffizienter Aufgaben. Es muss nicht sein, dass sich Verwaltung an Verwaltung abarbeitet.“ Deshalb soll eine Aufgabenkritik feststellen, wo sich Verwaltungsarbeit effizienter gestalten lasse. Zudem sei die Gruppe der 40 bis 55-Jährigen doppelt so stark wie die Gruppe der ab 20-Jährigen, wegen der anstehenden Pensionierungen ab 2020 müssten jetzt auch mehr Auszubildende eingestellt werden.

So weit auseinander waren Gewerkschaft und Oberbürgermeister gar nicht: DGB Vorsitzende Wolf beklagte – ebenso wie oftmals OB Geisel – den Investitionsstau in der Stadt bei Schulsanierungen, Schwimmbädern und Wohnungsbau. Und Wolf lobte OB Geisel, weil er das Amt der Flüchtlingsbeauftragten eingeführt habe, und dankte den „vielen ehrenamtlichen und hauptberuflichen Helfern“ und „Miriam Koch! Sie  geht seit 15 Monaten durch die Stadt und bemüht sich unermüdlich, den Menschen zu helfen.“

OB Geisel verdeutliche ebenso wie die Gewerkschaften das Motto „Soldarität“:  Sie sei gefordert „bei den großen Herausforderungen, etwa für die Menschen, die hier Zuflucht suchen.“  Reiche dürften sich eben nicht „nach Panama verdrücken“, so Geisel. Es müsse aber der Grundsatz gelten, „das starke Schultern mehr ragen können als Schwache“.

„Alone you go faster – but together we go further.“

Geisels Gast, der Oberbürgermeister der kanadischen Metropole Montreal, Denis Coderre, brachte eine kurze prägnante  Formel für Solidarität: „Alone you go faster – but together we go further.“ (Allein gehst du schneller, aber zusammen kommen wir weiter.)

Fotostreccke unter http://ndozjoa.de/portfolio-1/

Coderre habe in Montreal ein Projekt gestartet, lobte Geisel, unter dem Namen „Living together“ – „in Vielfalt etwas Gemeinsames machen, eine Einheit in Vielfalt“, formulierte Geisel, der Montreal gerne zur „ersten transatlantischen Partnerstadt“ Düsseldorfs machen möchte.

Reden zum 1. Mai mit Sigrid Wolf DGB, links Denis Coderre Montreal und OB Geisel / Foto Jo Achim Geschke

Erkenntnis am Rande: Beim Rundgang von OB Geisel und Montreals OB Coderre an etlichen Ständen vorbei  wurde auch ein Unterschied zu früheren Stadtspitzen deutlich: Geisel konnte seinem Gast die Stände auf Englisch und Französisch erläutern.

Gastredner Jörg Hofmann, Vorsitzender der IG Metall, verwies in seiner Rede nicht nur auf die Tarifauseinandersetzungen in der Metallbranche hin: Er grenzte sich wie Wolf ebenso von der AfD ab, „die ist sozial kälter, als es die FDP jemals war“, so Hofmann. Und zum Thema „Solidarität“ : „Die sozialen Unterschiede wachsen wieder, Reichtum ist äußerst ungleich verteilt. Es sind die hohen Einkommen, die am stärksten wachsen“, so der IG-Metaller. „Wenn die Zukunftschancen der Kinder vom klammen Geldbeutel der Eltern abhängen, stimmt was nicht“, mahnte er. Steuersünder hätten, siehe Panama-Papers,  rund 100 Milliarden Euro dem Staat vorenthalten, davon könnten viele Schulen, Schwimmbäder und Wohnungen gebaut werden.  Diese Flucht in Steuerparadiese zerstöre auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates.

Die Feiermeile zum Tag der Arbeit mit ihren 90 Ständen zwischen Apollo-Varietee und Mannesmann-Hochhaus war in diesem Jahr dankenswerter Weise länger geöffnet, auch nach 16 Uhr war die Feier für Tausende bei schönstem Sonnenschein noch längst nicht beendet.

(Auto Jo Achim Geschke)