13.05.2015
3. Runder Tisch Asyl – Flüchtlingspolitik

Mehr Wohnanlagen für Flüchtlinge

Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch und Sozialdezernent Burkhard Hintzsche / Foto Archiv NDOZ.de

Die Stadt plant, insgesamt 14 Wohnmodule für Flüchtlinge bis zum kommenden Jahr aufzustellen, berichtete Birgit Lilienbecker gestern nach der Sitzung des 3. Runden Tisches Asyl im Rathaus. Bis zum kommenden Jahr sollen 2720 Plätze geschaffen sein, so Lilienbecker, im Gebäudermanagement seit kurzem zuständig für die Unterbringung der Flüchtlinge. Wie berichtet, sind vier Anlagen bereits genehmigt und sollen etwa Ende August bezogen sein, weitere fünf Wohnanlagen sind in der Ausschreibung. Im Finanzamt an der Roßstraße richtet das Land für drei Monate eine Erstaufnahmestation für 150 Flüchtlinge ein, die kommende Woche bezogen wird.

Die Erstaufnahmen in der Roßstraße ist eindeutig eine Zwischenlösung. Die Stadt wird die Einrichtung nach drei Monaten übernehmen, so Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch.  Wie es mit der bisher geplanten Erstaufnahme an der Bergischen Kaserne weitergeht, wird die Bezirksregierung als Mittelbehörde des Landes am heutigen Mittwochabend den VertreterInnen der Stadt mitteilen. Wie berichtet, soll die Einrichtung der Kaserne nach einem Gutachten des ausführenden Landesbaubetriebs BLB allerdings 30 Millionen Euro kosten – zuviel eigentlich für ein Projekt, das nur bis 2020 bestehen soll. Koch und Sozialdezernent Burkhard Hintzsche wollen, so Hintzsche, dem Land dabei die kostengünstigen Wohnanlagen vorstellen.

Zurzeit leben in Düsseldorf knapp 2600 Flüchtlinge, davon sind 896 Kinder (35 Prozent), 563 Frauen und 1101 Männer, bilanzierte Koch. „95 Prozent der Flüchtlingskinder sind zwischen 3 und 6 Jahre alt“, so Hintzsche, alle sind für eine Unterbringung in den Kitas im Kita-Navigator erfasst. Ziel der Stadt sei, allen Flüchtlingskindern ein Angebot in einer Einrichtung machen zu können, etwa in Spielgruppen. Auch für die  Jugendlichen soll es in Jugendfreizeiteinrichtungen Angebote geben. Der Anfang ist etwa durch den Sportaktionsbus gemacht, der beispielsweise die Lacombletstraße anfährt. Zudem soll der Zugang zu den 260 Sportvereinen forciert werden. Beispiele dafür gibt es bereits unter anderem in Gerresheim. Mit der Bädergesellschaft wurde ein Programm entwickelt, so Hintzsche, um nach den Sommerferien  „kultursensibel“ den Kindern Schwimmen und Schwimmunterricht zu ermöglichen.

Städtisches Flüchtlingskonzept

Zurzeit wird bei Stadt und den Wohlfahrtsverbänden  ein Gesamtstädtisches Flüchtlingskonzept beraten, so Miriam Koch. Es soll nach der Sommerpause beraten und verabschiedet werden.

Inzwischen sind allerdings, betonte Koch, auch Arbeitsgruppen für die Flüchtlingshilfe aktiv:  So etwa für Praktikavermittlung, für die medizinische Versorgung, für das Thema Frauen als  Flüchtlinge und die Einrichtung von W-Lan.

Bisher ist aus langjähriger Tradition mit einigen Flüchtlingen heraus vor allem die Diakonie  für die Betreuung der Flüchtlingsunterkünfte zuständig. Es gibt allerdings bei allem Verständnis für die Arbeit der Hauptamtlichen Kritik von ehrenamtlichen Helfern an deren Arbeit, zumal nicht genug Stellen für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung stehen. Auf Fragen von NDOZ.de sagte Hintzsche, es gebe „ein Einvernehmen mit allen Wohlfahrtsverbänden“, man werde allen die Möglichkeit bieten, sich zu engagieren. Auch Caritas, Awo, DRK und andere würden sich mit der wachsenden Zahl an der Betreuung beteiligen, „wir gehen davon aus, dass dadurch auch viele ehrenamtliche Helfer auch an den verschiedenen Standorten aktiviert werden“, so Hintzsche.

Modell Düsseldorf  und Kritik an Bund und EU-Vorhaben

Ungewöhnlich deutlich kritisierte Flüchtlingsbeauftragte Koch, ergänzt durch Sozialdezernent Hintzsche, den sogenannten Flüchtlingsgipfel in Berlin: Beide seien für die Flüchtlingspolitik „fatal“, so Koch, und haben für die Kommen nichts gebracht. Die EU will, unterstützt durch die deutsche Regierung, zum einen das eingeschränkte Programm Triton in nur 56 Kilometern vor der Italienischen Küste fortsetzen und damit weitere Ertrinkende riskieren, zum anderen sogar Flüchtlingsschiffe der Schlepper zerstören. Institutionen wie „Pro Asyl“ kritisieren das, zumal die Schlepper dann wegen des höheren Risikos noch mehr Geld von den Flüchtlingen fordern.

 Hintzsche bezeichnete die Ergebnisse des Berliner Gipfels als „Trauerspiel“, „wo der Bund sich beteiligen könnte, tut er es nicht, das bleibt ein ungelöstes Problem“, so Hintzsche zu der Forderung der Städte und Gemeinden, dass der Bund sich erheblich an den Kosten für die Unterbringung der Asylsuchenden beteiligen müsse. Der Runde Tisch Asyl zeige, was in Düsseldorf für die Flüchtlinge getan werde, stelle Koch das „Modell Düsseldorf“ als Beispiel dagegen.

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Informationen zur privaten, ehrenamtlichen Hilfe auch unter :

fluechtlinge-willkommen-in-duesseldorf.de