06.03.2016
AfD : Protest vor dem Geschwister Scholl Gymnasium

Bis zu 1000 Proteste mit weißen Rosen gegen AfD Rechtsaußen

Politiker, Schüler und Ehemalige vor dem Scholl-Gymnasium / Foto Jo Achim Geschke, NDOZ.de

Gegen die AfD ausgerechnet im Geschwister Scholl-Gymnasium protestierten am Sonntagmittag 800 bis 1000 Düsseldorfer, Schüler sowie Politiker friedlich bei einer Kundgebung vor dem Gymnasium. Die Polizei hatte die ursprünglich vorgesehene Absperrung an der Kreuzung Redinghoven-/ Moritz Sommer Straße näher an die Schule verlegt, so dass die Mitglieder der AfD zumindest Sichtkontakt zu der Kundgebung hatten, als sie die Schule betraten. Eine Abordnung von Bundes- und Landespolitikern sowie SchülervertreterInnen und GewerkschafterInnen legte vor dem Eingang der Schule eine rund zehn Meter lange Strecke aus weißen Rosen nieder und begrüßte die etwa 40 AfD Mitglieder so mit dem Symbol der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“, bei der auch Sophie und Hans Scholl bis zu ihrer Hinrichtung durch die Nazis mitwirkten.

Vorweg gesagt: Ein Zutritt zu der Parteiversammlung der AfD in der Schule wurde den Pressevertretern nicht gestattet. (Fotos von der Demonstration siehe Link unten)

Mit einem Spruchband „Wir schweigen nicht! Scholler für Respekt und Toleranz“  wurden die Mitglieder der AfD NRW beim Betreten der Schule ebenso begrüßt wie von einem Band aus hunderten weißen Rosen, die den Titel der Demonstration „Weiße Rosen für Düsseldorf“ ebenso symbolisierten wie das Gedenken an die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Das Band wurde von Ehemalgen der Schule, Schülern und prominenten Politikern der Stadt gehalten, wie MdB Andreas Rimkus SPD, Stefan Engstfeld MdL Grüne, Mona Neubaur Sprecherin NRW-Grüne, Klaudia Zepuntke Bürgermeisterin SPD, Paula Elsholz Ratsfrau Grüne (siehe Foto).

Zuvor hatten als RednerInnen den Gedanken des Scholl-Appells, das Eintreten für Toleranz, Menschlichkeit, gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt betont – Grundwerte, die auch von Sophie und Hans Scholl ebenso vertreten wurden wie die freie Meinungsäußerung : „Wir verschwiegen nichts!“. Nach dem Anmelder Maximilian T. Schmitz (Jurastudent) sprachen Henrike Tetz, evangelische Stadtsuperintendentin, Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke (SPD), sowie die Sprecherin des Jugendrats der Stadt, Yousra El Makrini.

Auch OB Thomas Geisel (SPD) zeigte Haltung und sprach auf der Kundgebung. Er lasse die Diskussion über die Genehmigung der AfD-Veranstaltung durch das Schulamt (und später den Ältestenrat) beiseite, darüber habe er sich ja zuvor geäußert, so OB Geisel. Er betonte wie die anderen Redner auch, dass Düsseldorf  als offene Stadt keine Rassisten dulde und keine Fremdenfeindlichkeit zulasse.

Die Anmelder Maximilian T. Schmitz und Philipp-Manuel Niemann, ehemalige Schüler des Scholl-Gymnasium, bedankten sich nach der Kundgebung und zogen Bilanz: „Wir hatten die Chance mit AfD-Mitgliedern in einen „Dialog“ zu treten, als wir Ihnen unseren Scholl-Appell überreicht haben. Leider mussten wir dies aber schon nach kurzer Zeit aufgeben, da wir feststellen mussten, dass die Personen, die mit uns gesprochen haben, sich hinter den üblichen rechtspopulistischen Phrasen und Argumenten versteckt haben. Als die Aussagen menschenverachtend und fremdenfeindlich wurden, brachen wir die Gespräche ab.“

An der Zufahrt zur Schule Ecke Redinghovenstraße / Lastring hatte eine „Privatperson“, so die Polizei, eine Spontandemonstration angemeldet. Dort blockierten etwa 100 Menschen die Zufahrt ab 11 Uhr für rund ene Stunde, als der AfD-Parteitag schon begonnen hatte.

Der Polizeieinsatz

Entgegen den ersten Auflagen hatte die Polizei in einem „Kompromiss“, so Polizeidirektor Thomas Decken, die Demonstration der weißen Rosen am Mittag doch noch näher am Schuleingang genehmigt. Ursprünglich war eine Entfernung von 100 Metern festgelegt worden, NDOZ.de berichtete. Etwa 20 Gegendemonstranten hatten zu Beginn der Demonstration direkt den Eingang blockiert, sie wurden zu der restlichen Demo zurück begleitet. Gegen sechs Demonstranten, die  bis zur Tür des Schulgebäudes vorgedrungen waren um es zu blockieren, wurden Anzeigen wegen Nötigung gestellt.

Einige Polizisten waren dennoch offenbar nervös, aus welchem Grund auch immer: Am Durchlass der Absperrung bezweifelte ein Polizei-Hauptkommissar vom „1. Zug“ aus Duisburg den gültigen Bundespresseausweis (Verdi)  des NDOZ.de Journalisten, weil er keine „Kamera“ dabei hatte, und es ja viele Presseausweise gebe. Der Hauptkommissar (Name der Redaktion bekannt) ließ Namen und Adresse des Journalisten aufschreiben, bevor der Journalist zu seinen Kollegen vor der Schule durchgelassen wurde.

Die Polizei ermittelte zudem wegen einer Straftat im Gymnasium, weil dort in der Nacht zu Sonntag 32 Schlösser verklebt oder beschädigt wurden, so ein Polizeisprecher. Die Höhe des Sachschadens am Schulgebäude wird auf 10.000 Euro geschätzt. Die Zugangsmöglichkeit konnte durch den Hausmeister der Schule wieder hergestellt werden, so dass der Kreisparteitag in der Aula des Gymnasiums stattfinden konnte. Die Veranstalter lehnten diesen „stupiden Vandalismus“ auf schärfste ab, er schade lediglich der Schule und stehe “im Widerspruch dazu, wofür Schüler, Lehrer, ehemalige Schüler und Lehrer, Eltern, die Initiativen Düsseldorf stellt sich quer, Flüchtlinge sind in Düsseldorf Willkommen, der Deutsche Gewerkschaftsbund , Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, der Jüdischen Gemeinde, sowie Vertreter der Diakonie, des Jugendrings, der Stadt und die anwesenden Parteien der Ratsfraktionen zusammen einstehen.“

Fremdenfeindliche Straftaten am Samstag

Ermittelt wird auch gegen zwei Heranwachsende wegen des Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole, Fahrens unter Alkoholeinfluss, Verkehrsgefährdung, Verkehrsunfallflucht, Verstoßes gegen das Waffengesetz und weiterer möglicher Straftaten. Nach den bisherigen Ermittlungen fuhr am Samstagmorgen ein Geländewagen, besetzt mit vier bis fünf Personen, mehrfach an einer Flüchtlingsunterkunft an der Theodor-Litt-Straße vorbei. Hierbei wurde von mindestens zwei Insassen bei geöffnetem Fenster der sogenannte "Hitlergruß" gezeigt, so die Polizei. Als der Wagen später von einer Streife angehalten wurde, fuhr dieser auf die Polizeibeamten zu, gefährdete sie und demolierte den Streifenwagen. Später konnte die Polizei die Verdächtigen und den Wagen aufspüren.  Im Kofferraum fanden die Beamten eine Jagdarmbrust und einen Jagdbogen. Die Ermittlungen dauern an.

(Text Jo Achim Geschke)

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