07.06.2018
Debatte um ein Großstadtkonzert – Kommentar mit Update

Ein Konzert, Provinz, und wie man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht – ein Kommentar

Ausriss Unterlagen Stadt für den 13.6. und Gartenzwerg von Ottmar Hörl/ Foto Jo Geschke

Ed Sheeran-Konzert allüberall. Und fast täglich. Da zwitschert es täglich aus der Baumschutzgruppe gegen OB Thomas Geisel, sogar eine Petition ist aufgelegt. Nun bin ich sehr für den Schutz von Bäumen, in unserem Garten gehe ich fast täglich pfleglich mit Flora und Fauna um. Aber alles hat seine Grenzen, etwa da, wo von den Gegnern Düsseldorf als Provinzstadt vorgeführt wird, nach dem Motto: Stadtwerbung ja, aber nicht in meinem Vorgarten. Und jene, die jetzt lauthals protestieren, dass für das Konzert am 22. Juli 104 Bäume auf einem Parkplatz an der Messe gefällt werden sollen, sollten sich mal klar machen, ob sie OB Geisel als Verwaltungschef eins auswischen und der CDU helfen wollen, oder ob sie den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Eine Großstadt (über 600.000 Einwohner) braucht attraktive Veranstaltungen, für die Eigenwerbung, für die jungen Einwohner in der Region, für die Gastronomie, die Hotels etc. Ob in einer so grünen Stadt wie Düsseldorf Bäume auf einem Messeparkplatz wirklich so wichtig sind, oder ob hier provinziell und mit Tunnelblick Eigeninteressen verfolgt werden ? Update mit Meldung vonOB Geisel zum Golzheim-Fest, über das falsch berichtet wurde.

Vorab mal zur Erinnerung: Rund 44 Prozent der Stadtfläche sind Forst-, Landwirtschaftliche und Grünflächen ( es IST eine grüne Stadt). Der Parkplatz liegt an der Messe, wird als Parkplatz genutzt, gehört also kaum zu den Erholungsgebieten der Stadt. Und Ersatzpflanzungen für die Bäume sind Pflicht. Ein Stopp der Beseitigung der Bäume wäre das Aus für die jetzt geplante und auch künftige Freiluft-Veranstaltungen.

Das Konzert am 22. Juli soll am Mittwoch, 13. Juni, im Rathaus von Ausschüssen und am Donnerstag, 14. Juni, vom Rat genehmigt werden – oder eben nicht (Link weiter unten). Die Grünen fürchten den Zorn ihrer umweltaffinen und bemühten Wähler. Auch wenn diese leider oft sehr provinziell argumentieren und stark partikuläre Interessen nach vorn stellen. Das Gemeinwohl einer Stadt gerät dabei schnell aus dem Blickfeld. Die Linke hofft auf Wähler von den Grünen und will nicht zustimmen.

Alexander Fils repräsentiert wohl nicht die CDU (hoffentlich), äußerte in der „WDR Lokalzeit“ am Mittwoch aber, es müsse mehr vorliegen, um der Genehmigung zuzustimmen. Allerdings sind die Vorlagen, die jetzt öffentlich und den Gremienmitgliedern vorliegen, schon ziemlich sehr umfangreich. Und weitere Auskünfte aus den meterlangen Ordnerregalen der Unterlagen sind von Politikern leicht einzuholen – wenn man will. Aber mit einer Absage könnte die CDU dem SPD-Verwaltungschef Geisel schon am Image kratzen.

Von den Gegnern eines Open-Air Großkonzerts wird zum Teil mit eigenartigen Thesen gearbeitet: Beim Konzert flögen „im Minutentakt“ Jets über die Fläche, wieso da ein Konzert veranstaltet werden könnte… Nun ja: Der Veranstalter ist einer der größten in Deutschland mit einem Marktanteil von etwa 40 (Vierzig) Prozent – so eine Firma plant wohl kaum Konzerte bei Fluglärm. Das Konzert beginnt übrigens mit Vorgruppen, ab 21Uhr tritt der „Star“ auf, da ist nicht mehr so viel mit Starts (bei westlichemWind) oder Landungen (bei östlichen Windrichtungen).

Die Veranstalter würden auch weitere große Konzerte nach Düsseldorf bringen. Mit Vorteilen für die gesamte Stadt, wie gesagt. Nach einer Absage, soviel ist wohl klar, würden Großveranstalter die Stadt eher meiden – was erhebliche finanzielle Risiken für die Stadt birgt. Und schließlich muss einem Großstadtbürger klar sein, dass in einer Stadt, die für sich werben muss, Großveranstaltungen sein müssen. Die Kirmes zieht ja auch rund eine Million Leute an den Rhein. Wer dann darauf pocht, dass er / sie mit ihrem SUV nicht zügig durch die Stadt kommt, denkt eben eben über den Umkreis eines SUV nicht hinaus.

Es gibt schließlich auch noch einige Fakten: Für die Anreisenden wird vom Veranstalter ein Shuttle-Service aus dem Ruhrgebiet (ja, aus dem Ruhrgebiet!) bereitgestellt. Für die Anreisenden gibt es eine Internet-Seite zum Buchen, bei der Stellplätze angewiesen werden – mehr als 10.000 im Umfeld des Konzertareals, dazu kommen mehr als 200 Busse und Shuttle-Service vom Fernbahnhof am Flughafen und und und ...

Die Sicherheit hat derselbe Expertenkreis beurteilt, der die Kirmes und alle anderen Großveranstaltungen genehmigt, einschließlich Polizei und Feuerwehr. Und das Konzept wird bis zum Konzert von diesen Experten begleitet.

Beteiligt sind neben der Polizei (und Feuerwehr und Bezirksregierung) unter anderem folgende Ämter und Dezernate : Umwelt (Grüne), Verkehr , Ordnung (CDU Mann) etc – diesen Dezernent_innen wird ja auch eine Absage erteilt, Grüne und CDU kicken bei einer Absage also auch ihren Dezernent_innen und Amtsleiter_innen ins Tor.

Erstaunlich auch: Die meisten, die jetzt lauthals, sogar mit Petition, protestieren, sind mit wenigen Ausnahmen sonst kaum auf Protesten zu finden, beispielsweise gegen Diskriminierung von Ausländern, gegen Neue Nazis etc. Ich wünschte mir, dass die Baumschützer – für die ich durchaus Sympathien habe – auch bei anderen politischen Themen so aktiv wären.

Am Mittwoch, 13. Juni, tagen ab 16.30 Uhr Ordnungs- und Verkehrsausschuss, Bezirksvertretung 5, Ausschuss für öffentliche Einrichtungen, Ausschuss für Umweltschutz, Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung im Plenarsaal des Rathauses, um die Genehmigung zu erteilen. Die Unterlagen sind im Ratsinformationssystem einsehbar, Link: ( Sitzungskalender unter Mittwoch, 13. 6.)

https://www.duesseldorf.de/rat/ratsinfo.html

Die Genehmigung, wenn sie denn kommt, soll am 29. Juni erteilt werden.

Ich weiß, es wird nach diesem Text viele böse Kommentare im Netz geben, es wird von unprofessionellem Journalismus die Rede sein etc (es ist ein Kommentar, also eine Meinungsäußerung! nur mal zur Erinnerung). Aber das politische und öffentliche drumherum erinnert mich stark an andere Einsprüche in der Stadt: Da wird in Gerresheim von Anwohnern ein Verbot von Musik in einer Kneipe erwirkt, da wird großstädtisches Leben im Viertel abgewürgt und Terrassen von Lokalen niedergemacht, weil der Bürger nebenan seine Ruhe haben will.

Manche Menschen wollen um 7 Uhr ihre frischen Brötchen, aber die Materiallieferung beim Bäcker um 5 Uhr verhindern. Alles nach dem Motto: Macht ihr mal eure Großstadt, die Vorteile gefallen mir ja, aber bitte nicht vor meinem Vorgarten.

Übrigens: Die Musik von Ed Sheeran interessiert mich nicht, nicht meine Musik …

(Autor Jo Achim Geschke)

Update mit Meldung vonOB Geisel zum Golzheim-Fest, über das falsch berichtet wurde:

Pressedienst der Stadt: "OB Geisel: Golzheim Festival findet auch in diesem Jahr statt!Oberbürgermeister Thomas Geisel bekräftigt Zusage für finanzielle Unterstützung und bestätigt Alternativtermin

Oberbürgermeister Thomas Geisel ist erstaunt über die Berichterstattung zur Verlegung des Golzheim-Festivals. Aus seiner Sicht ist es sehr bedauerlich, dass das Golzheim-Festival wegen der hohen Veranstaltungsdichte (Kirmes mit Feuerwerk, Open-Air-Kino, Ed Sheeran-Konzert) an dem beantragten Wochenende im Juli nicht genehmigt wurde, aber heute (7. Juni) konnte dann der von den Veranstaltern gewünschte Ausweichtermin bestätigt werden: Das Festival soll nun am ersten Wochenende im September stattfinden.

Oberbürgermeister Geisel legt auch Wert auf die Feststellung, dass er den Veranstaltern schon sehr frühzeitig finanzielle Hilfe zugesagt hatte, falls durch die Verlegung zusätzliche Kosten entstehen. Das wurde von den Veranstaltern in einem Telefonat heute auch bestätigt. Insofern sind Aussagen, die Veranstalter blieben auf ihren Kosten sitzen, nicht zutreffend.

"Ich selber bin ein begeisterter Besucher dieses schönen Festivals und finde es immer wieder toll, was dort mit viel ehrenamtlichem Engagement auf die Beine gestellt wird", sagt Thomas Geisel. "Natürlich lassen wir die Veranstalter nicht im Regen stehen. Das wurde ihnen auch so kommuniziert. Umso unverständlicher ist für mich die Berichterstattung in der Presse. Ich habe heute selbst noch einmal mit den Organisatoren telefoniert, meine Unterstützungszusage wiederholt und ihnen den Wunschtermin Anfang September bestätigt."