20.10.2016
Debatte ums Schauspielhaus – Kommentar und Analyse

Schauspielhaus: Falsche Diskussion mit der Abrissbirne

Schauspielhaus und Baustelle Gründgens-Platz / Foto Jo Achim Geschke für NDOZ.de

OB Thomas Geisel (SPD) will eine Diskussion um das Schauspielhaus am Gründgens-Platz – er hat nicht den Abriss vorgeschlagen. Auch wenn der Eindruck in manchen Kommentaren und Artikeln vorherrscht, er wolle den Bau abreißen lassen. Hintergrund der Debatte sind die eventuell immens hohen Kosten, die bei einer Sanierung entstehen werden. Um eines vorweg klarzustellen: Die nonchalant vorgetragene Idee OB Geisels, dort ein Congress-Zentrum einzurichten, kann nur als verunglückte Provokation zum Anheizen der Debatte gewertet werden. (Wäre übrigens logistisch nicht möglich, da reichen zum Beispiel die Parkplätze nicht.)

Das Schauspielhaus wurde vom bekannten Architekten Bernhard Pfau entworfen und 1970 eröffnet. Heißt: 2020 wäre eine 50-Jahres-Feier möglich. Allerdings muss das Haus aufwendig saniert werden: Die Haus- und Bühnentechnik ist zu alt und wird zurzeit erneuert. Die Kosten steigen, wie fast auf jeder großen Baustelle, zurzeit ist von 20 Millionen Euro die Rede.

Eigentlich sollte das Haus bis 2017 bereit für neue Aufführungen sein. Der Intendant Wilfried Schulz muss allerdings nun bis 2018 warten, bis sein Ensemble im Pfau-Bau arbeiten kann. Ursachen sind die Bauarbeiten am Gründgens-Platz und für den Kö-Bogen II, den Ingenhoven-Bau.

Nun hat sich herausgestellt, dass auch die metallene, weiße Fassade des Schauspielhauses wohl erneuert werden muss. Warum das nicht bereits vorher klar wurde, und warum in früheren Jahren nicht mehr in die Sanierung des Theaters investiert wurde, bleibt zunächst mal unklar.

Die Kostenfalle für den Kulturbereich

Die Gebäudetechnik wird für rund 20 Millionen Euro saniert. Die Erneuerung der Fassade soll, so heißt es, nach bisherigen Berechnungen rund 15 Millionen Euro kosten – dabei ist das Land als Mitgesellschafter nicht beteiligt, die Stadtkasse müsste das also alleine tragen. Weitere 10 Millionen Euro könnten nach Informationen von NDOZ.de weitere Sanierungsmaßnahmen kosten, über die aber noch nichts entschieden ist. Macht insgesamt womöglich 45 Millionen Euro.

Geht man davon aus, dass diese Kosten wie üblich steigen werden - bei solchen Sanierungen entstehen immer neue Macken und damit Aufgaben – kostet das Ganze irgendwann dann doppelt so viel. Wenn alle Sanierungen schließlich bei 60 bis 70 Millionen Euro landen, ist das eine Größe von immerhin rund der Hälfte des Kulturetats. Das Geld für die Sanierung würde dann im Etat, auch im Kulturetat, fehlen. Also müsste diskutiert werden, wo gekürzt werden soll. Und das wohl auch im Kulturbereich.

Eine schwierige Aufgabe nicht nur für die Kulturpolitiker. Nun ist OB Geisel sicherlich kein Kulturbanause – so wird CDU-Ratsherr Friedrich Conzen in Zeitungen zitiert. Abgesehen von seiner Liebe zu Musik ( er spielt Bach auf der Querflöte, in seinem Wohnzimmer steht übrigens ein sehr schöner Flügel …) hat OB Geisel aber auch – wohl als erster OB – die Off-Kulturszene besucht, und die offene Graffiti-Meile in Eller ist schließlich auch erst in seiner Amtszeit entstanden. Das macht aber deutlich – und das wollen konservative Kulturpolitiker nicht gerne hören und sehen – das nicht nur die sogenannte „Hochkultur“ zur kulturellen Szene der Stadt gehört.

Fazit: Was machen wir - was wird das kosten- wo muss gespart werden ?

Klar ist also: OB Geisel will eine breite Diskussion um die Kosten für eine Sanierung des Schauspielhauses. Das hat sogar etwas mit der oft angeführten Transparenz zu tun. Dass politische Kontrahenten – vor allem in der bereits begonnenen Wahlkampf-Phase – Geisels nicht immer glückliches Vorpreschen zur Kritik nutzen, ist klar. Kritik sollte aber auch auf Fakten gründen und nicht mit einer verbalen Abrissbirne rumklotzen.

Nun hat der neue Intendant Wilfried Schulz mit seinem Konzept auch das Theater in die Stadt gebracht (wir berichteten mehrfach), und hat viele Theaterbesucher mit seinen Premieren begeistert. Das bleibt ja nicht nur beim Theaterzelt am Corneliusplatz, sondern geht in Bürgerhäuser und andere Zentren. Was zeigt, dass die angeblich „hohe“Kultur jetzt nicht nur für die ehemals so angestrengt kulturell wirkenden Theater- und Oper-Besucher ein Anziehungspunkt werden wird.

Eine Theater, ein Schauspielhaus mitten in der Stadt wäre also wünschenswert, zumal die Innenstadt immer mehr zu einem Konsum-Viertel für Menschen mit Shopping-Gelüsten zu werden droht. Aber klar ist auch, dass jetzt eine Diskussion darüber beginnen muss: Was kostet ein Schauspielhaus (mit Sanierung) und was soll dabei eingespart werden? SPD-Ratsherr und Kulturpolitiker Philipp Tacer hat bereits deutlich gefordert, das zunächst mal etwas genauere Zahlen zur Fassaden-Sanierung auf den Tisch müssen. Dann kann vernünftig diskutiert werden – siehe oben.

Am morgigen Freitag Nachmittag werden wir über die Sicht OB Geisels in dieser Debatte berichten.

(Text: Jo Achim Geschke)

Der Artikel wurde im Absatz nach „Die Kostenfalle für den Kulturbereich“ um Zahlen zur Sanierung ergänzt und korrigiert in der Nacht zum 21. Oktober.