13.01.2015
Demo gegen Pegida-Ableger

5500 Stimmen für Toleranz und Vielfalt

Politiker und Bürger vor der Bühne am DGB-Haus / Fotos NDOZ Jo Geschke

Mehr als 5500 Menschen demonstrierten am Montag friedlich für Toleranz, Vielfalt und gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit, während lediglich 150 bis 200 eindeutig rechtsgerichtete Anhänger der Dügida vor dem Hauptbahnhof und an der Graf-Adolf-Straße ihre Fahnen schwenkten und gut drei Stunden lang den Verkehr blockierten. Unter den Teilnehmern der Demonstration für eine freiheitliche Gesellschaft viele Bürger mit Schildern „Je suis Charlie“, viel Prominenz aus Politik, Kultur, und Sport. Auch die umliegenden Straßen waren voller Menschen, die dem Aufruf vom Düsseldorfer Appell und von linken Gruppierungen gefolgt waren.

Vor der Bühne am DGB-Haus hielten sie die schwarzen Schilder hoch mit „Je suis Charlie“:   Landtagsabgeordnete wie Stefan Engstfeld(Grüne) oder Walburga Bennighaus (SPD) ebenso wie Bundestagsabgeordneter Andreas Rimkus (SPD) oder Bildungsministerin Sylvia Löhrmann, die NRW-Vorstände der Grünen Mona Neubauer und Sven Lehmann, SPD-Vorstand Karl-Heinz-Krems, sowie viele Ratsleute aller Parteien , darunter auch die BürgermeisterInnen Klaudia Zepuntke (SPD), Günther Karen Jungen(Grüne), und Friedrich Conzen (CDU) in Begleitung von CDU-Ratsherr Andreas  Hartnigk, ebenso wie Kulturschaffende wie Abdreas Dahmen (Düsseldorf Festival), oder Sebastian Fleermann von der Mahn- und Gedenkstätte.

Geführt von der intelligenten und erfreulich lockeren Moderation von Andreas Vollmert verdeutlichten Redner wie der Vorsitzende des "Kreis der Düsseldorfer Muslime",  Dr. Dalınç Dereköy, der Geschäftsführer der IG-Metall Nihat Ötztürk oder die Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) die Grundlagen einer freiheitlichen, toleranten und offenen Gesellschaft.

In einer bemerkenswerten Rede sagte Nihat Ötztürk (IG-Metall): Dass die Pegida und ihre rechten Ableger  ausgerechnet an einem Montag demonstrierten und sich damit auf die Montags-Demos der Leipziger 1989 unter dem Ruf „Wir sind das Volk“ beriefen, „ist die größte Beleidigung, die man sich vorstellen kann!“

OB Geisel, der sich freute, nach dem Bescheid des Oberlandesgerichts „auch ganz offiziell als OB zu reden“, sagt : "Wir sind ein ganz breites Bündnis...  Wir stehen für Humanität, wir stehen für Toleranz, wir stehen für gegenseitigen Respekt, und wir stehen gegen Intoleranz, gegen Ausgrenzung und gegen das Schüren fremdenfeindlicher Ressentiments. Wer dafür einsteht, sagt nicht einfach nur eine Meinung, er steht ein für die Grundwerte, für die dieses Gemeinwesen einsteht.“ Und, mit Bezug auf die jurstischen Auseinandersetzungen, „wir stehen  für die Werte einer wehrhaften Demokratie…“

Der "Kreis der Düsseldorfer Muslime" ist ein Arbeitskreis von 25 Gemeinden, darunter türkische, marrokanische, oder auch eine persische Gemeinde, erläuterte der Vorsitzende, Dr. Dalınç Dereköy. „Wir betonen, dass wir Düsseldorfer Muslime sind“. In einer lockeren Rede machte er die Integration und die ganz normale Alltäglichkeit der Muslime in der Stadt deutlich: Er habe bei seinem Arbeitgeber für dessen Kinder den Nikolaus gespielt. Und er machte, mit Blick auf die rechten Demonstranten der Dügida, klar, „wogegen wir sind: Gegen Extremismus, gegen Gewalt und Radikalismus, wir sind gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde, wir sind gegen eine Veränderung des Grundgesetzes. Das wollen wir nicht. Punkt“, sagte er unter starkem Beifall. „Wir müssen uns austauschen, miteinander reden, vorurteilsfrei miteinander umgehen“, mahnte er.

 

Landtagspräsidentin Carina Gödecke, OB Geisel, Nihat Ötztürk (IG Metall), Sigrid Wolf (DGB), Dirk Krall (Fortuna) / Foto NDOZ Jo Geschke

Wegen der zu kleinen Lautsprecheranlage waren die Reden leider nur 50 Meter entfernt an der Ecke Charlottenstraße kaum noch zu verstehen. Beim nächsten Mal sollte für die Tausenden, die sich für Toleranz und Vielfalt einsetzen, eine bessere Anlage stehen.

Erst gegen 23 Uhr konnte der Hauptbahnhof wieder für alle geöffnet werden, berichten Augenzeugen. Die Dügida-Anhänger mussten von der Polizei durch Neben-Eingänge geleitet werden, weil deren Gegner den Hauteingang blockiert hatten. Mehr als 1000 Polizisten waren am Montag im Einsatz, die die Straßen rund um den Hauptbahnhof bis nach Friedrichstadt abschirmten. Fußgänger, die zur Demo wollten, oder später von der Demo nach Hause wollten, mussten weite Umwege in Kauf nehmen. Straßenbahnen fuhren fast drei Stunden nicht, Autoverkehr wurde weiträumig umgeleitet.

Da darf die Frage erlaubt sein, ob dieser riesige – und für die Allgemeinheit teure - Aufwand angemessen ist. Auch wenn die Demonstrationsfreiheit unbedingt geschützt werden muss: Vielleicht sollte eine solch kleine Demo von solch kleinen Gruppen andere Auflagen bekommen, wie sie für andere Demontrationen auch üblich sind.