11.02.2015
Diskussion in den östlichen Stadtteilen

Willkommen ja – aber nicht hier ?

Aula in Gerresheim mit OB Geisel (1. Reihe rechts) , Foto NDOZ

„Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung – aber nicht auf eigene Fakten“. Dieser Spruch von Claus Kleber (ZDF) passt auch zur Diskussion in Gerresheim am Dienstagabend. Rund 500 Düsseldorfer aus den östlichen Stadtteilen füllten die Aula des Gymnasiums Gerresheim, um über die Unterbringung von Flüchtlingen in den östlichen Stadtteilen zu diskutieren. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) stellte sich dort mit seinen Dezernenten gut drei Stunden lang den Fragen der Bewohnern der Stadtteile zwischen Ludenberg und Hubbelrath. Vielen ging es aber offensichtlich nicht um Aufklärung, sondern eher darum, den OB vorzuführen, unbeeindruckt von Faktenlage und rationaler Überlegung.

Dass sich ein Oberbürgermeister den Fragen und Anwürfen von Düsseldorfern stellt, zeigt ohnehin schon den Wandel der Stadtpolitik. OB Geisel und Sozialdezernent Burkhard Hintzsche, die sichtlich um Sachlichkeit bemüht waren, versuchten die Fakten darzustellen. Dabei wurden allerdings schon erste Rufe wie „Lüge!“ aus dem Publikum laut.  

Knackpunt für etliche FragestellerInnen war der Plan der Stadt, containerähnlich Wohnmodule in der Nähe des Altenheims Gallberg an der Blanckertzstraße aufzustellen. Dort muss ein Stück des Parks geopfert werden. Die Alten würden dort spazieren gehen und Enten füttern, der Standort sei zu nah am Altenheim, so die Einwände. Zudem, so die Kritik, hätten die alten Menschen dort Angst vor den Flüchtlingen. Eine Frau, die seit Jahren Flüchtlinge betreut, erhielt viel Beifall für ihre Mahnung: „Lassen sie uns doch ein wenig menschlich bleiben. Es ist doch wohl schöner, mit Kindern zu spielen, als Enten zu füttern.“ OB Geisel machte klar, dass ein Drittel der Flüchtlinge dort Kinder seien, und stellte die entscheidende Frage: „Es wird an jedem Standort Einwände geben und die Frage: Warum hier? Aber warum sollen dort nicht Flüchtlingsfamilien und Kinder untergebracht werden?“ Polizeidirektor Kensbock-Rieso argumentierte gegen die Angst vor den Flüchtlingen: Es gebe gute Erfahrungen, auch im Umfeld der Lacombletstraße, wo 130 Flüchtlinge untergebracht sind, gebe es keine Probleme, „Ich glaube nicht, dass sie Sicherheitsbedenken haben müssen“. Worauf eine Frau sehr emotional antwortete: „50 Meter weiter ist eine Altenheimstation, und sie haben keine Bedenken? Die Leute dort haben Angst.“

Viele Anwohner aus Hubbelrath und Gerresheim betonten allerdings, dass sie die Flüchtlinge willkommen heißen. Pfarrerin Cornelia Oswald, die in Gerresheim seit langem Flüchtlinge betreut:  „Wir sind ein Einwanderungsland.  Flüchtlinge sind eine große Bereicherung für uns.“

Etliche FragestellerInnen zählten allerdings die Flüchtlinge, die im Stadtosten in Wohnmodulen untergebracht werden sollen, mit denen in der Erstaufnahme zusammen. Und kamen auf rund 1000 Flüchtlinge. Doch ist bei dieser Rechnung nicht bedacht, dass die Flüchtlinge nur für einige Tage in der Kaserne bleiben und nicht in die Stadtteile gehen.

Geisel und Hintzsche hatten zu Beginn die geplante Erstaufnahme in der Bergischen Kaserne dargestellt, die das Land NRW dort einrichten will (NDOZ berichtete). Die maximal 600 Flüchtlinge, die dort vom Land für etwa 6 Tage untergebracht werden,  werden von der Zahl der Flüchtlinge abgezogen, die Düsseldorf aufnehmen muss. Warum überhaupt eine Erstaufnahme hier?, fragte eine Frau. Weil in Düsseldorf eine Stelle des Bundesamts für Asyl und Flucht,  und die Flüchtlinge zur Aufnahme in der Bundesbehörde keine langen Wege haben, erläuterte Landtagsabgeordnete Monika Düker (Grüne).

Klar wurde auch, dass das Kasernengelände ab 2020 der Stadt für Wohnungsbau zur Verfügung steht, das sei mit dem Land so vereinbart, betonten OB Geisel und Dezernent Hintzsche.

Miriam Koch, neue Flüchtlingsbeaufragte, machte mit grippegeschädigter Stimme klar, dass jetzt weitere Informationen für Bürger geplant sind und ihr Büro ab Aschermittwoch auch für Fragen von Anwohnern bereits stehe.

Laut Baudezernent Gregor Bonin können frühestens ab Spätsommer – nach den Beratungen in den Bezirksvertretungen – die ersten Container aufgestellt werden.