10.05.2015
Europatag - Bericht und Kommentar

Europatag und Trauermarsch

Barbara Gladysch beim Trauermarsch und Stefan Engstfeld MdL beim Europatag / Fotos Jo Geschke, NDOZ.de

Während die einen im Rathaus beim Europatag informierten und feierten, zogen die anderen beim Trauermarsch für die ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer mit symbolischen Särgen durch die Stadt. Ein Europatag am Samstag, der zumindest nachdenklich macht.

Es sollte ein Europatag sein, der unter dem Motto „Zu Hause in Düsseldorf, Europa“  die Verbindung zum Alltag und zum Leben in Düsseldorf innerhalb Europas aufzeigt. Ein schwieriges Unterfangen, zugegeben. Europa – das ist mehr als die vielzitierten krummen Gurken. Aber es ist eben auch die EU-Kommission und das EU-Parlament, und dank der nicht immer klaren Darstellung der Zusammenhänge in den deutschen Medien sind manche Entscheidungen für viele Menschen leider schwerlich nachzuvollziehen.

Es gab einige kritische Darstellungen zur Politik der EU-Komission.  Bei den Grünen wurde an das unsägliche TTIP gemahnt.  Fairerweise dazu gesagt: Petra Kammerewert, Europaabgeordnete der SPD, hat sich gegen TTIP ausgesprochen. Auch gegen die Frontex-Flüchtlingspolitik der EU, musste aber in Brüssel Termine wahrnehmen und war daher nicht im Rathaus.  Draußen vor den Rathaus protestierten Die Linke und „attac“ gegen die Finanz- und Flüchtlingspolitik der EU – wobei auch bei den Plakaten wieder unklar blieb, welche Verantwortung EU-kommission  und welche Verantwortung und Möglichkeiten das Europäische Parlament bei diesen Fragen haben. „Wir wollten nicht ins Rathaus, wir wollten hier eine kritische Stimme zur europäischen darstellen“, sagte Ben Klar, Geschäftsführer der Linken im Rat.

Interessant der Stand der „Europa-Union“ – bei ihr kann ehrenamtlich jeder, unabhängig von Parteien, mitmachen und sich für ein starkes europäisches Parlament und den Dialog mit den EU-Abgeordneten einsetzen, erläuterte Landtagsabgeordneter Stefan Engstfeld (Grüne), Vorsitzender der Europa-Union Düsseldorf.

Das Thema Griechenland und Schulden – Schulden bei Banken, Hedgefonds und Versicherungen – könnte allein einen Info-Tag füllen, allerdings müsste man dazu Bücher von Varoufakis heranziehen und britische sowie französische Medien – denn in den deutschen Medien wird Wirtschaftsprofessor Varoufakis aus Unkenntnis und/ oder Ideologie diffamiert und falsch dargestellt.

Im Rathaus informierten Touristik-Stände verschiedener Länder und die etablierten Parteien über Europathemen. Mit OB Thomas Geisel und Dr. Angelica Schwall-Düren, NRW-Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, überreichten zudem mit Jurymitglied Jacques Tilly die Preise für den Wettbewerb "Zuhause in Düsseldorf, Europa". Rund 100 Beiträge in Form von Texten, Fotos, Comics, Selfies, Collagen oder Zeichnungen wurden eingereicht und als ein großes Kunstwerk im Collagen-Stil im Foyer des Rathauses ausgestellt. 1.Platz: Christiane Wirtz und Jörn Rymkus gewannen ein Wochenende in Wien für zwei Personen inklusive Flug und Unterkunft, gesponsert von alltours.2. Platz: Sophie Rempen erhielt für ihren Beitrag zwei VIP-Tickets für das Helene Fischer Konzert ihrer "Europa" Tour im ISS Dome. Julia Arning gewann als Drittplatzierte fünf Bahntickets "Europa Spezial" der Deutschen Bahn.

Interessant der Stand der „Europa-Union“ – bei ihr kann ehrenamtlich jeder, unabhängig von Parteien, mitmachen und sich für ein starkes europäisches Parlament und den Dialog mit den EU-Abgeordneten einsetzen, erläuterte Landtagsabgeordneter Stefan Engstfeld (Grüne), Vorsitzender der Europa-Union Düsseldorf.

Der Versuch, besser als bisher über Europa zu informieren, ist dem Rathaus-Team zum Teil gelungen. Aber auch wenn heutzutage mehr Informationen über Europa dringend nötig sind, kann man die strittigen Fragen wie die Finanzpolitik und das Flüchtlingsdrama nicht mehr aus einer Darstellung an Ständen und mit Tafeln ausklammern. Eine Podiumsdiskussion reicht da nicht. Vielleicht beim nächsten Mal doch besser auf dem Schadowplatz im Freien, mit kulinarischem Angebot  aus mehreren Nationen, um mehr Menschen zu erreichen?

Trauermarsch für die „Toten an den EU Außengrenzen“

Zeitgleich zum Europatag im Rathaus lagen schwarzen Leichensäcke, drapiert mit kleinen Blumensträußen, am Martin-Luther-Platz. Dort versammelten sich etwa 150 Menschen in Trauerkleidung, um mit einem Trauerzug jener Flüchtlinge zu gedenken, die vor allem am Mittelmeer ertrunken und auf dem Landweg umgekommen sind. „Stoppt das Töten vor den Toren Europas“ stand auf den Transparenten, und „Lampedusa ist hier, Front gegen Frontex“. Es war ein kleiner Zug, der durch die Stadt bis zur Berger Kirche zog und dort für ein Gedenken Halt machte, um dann zum Rhein zu ziehen.  

Auch das ist EU-Kommissionspolitik: Nachdem die Italiener ihr Rettungsprogramm „Mare Nostrum“ (Unser Meer), das bis zur Lybischen Küste reichte, aus Finanznot  einstellen mussten, besteht jetzt nur noch ein Programm „Frontex“, das nur noch 56 Kilometer (30 Seemeilen) vor der Italienischen Südküste Flüchtlingsboote in Seenot retten will und kann.  In den Vergangenen Wochen sind Zigtausende Flüchtlinge auf unzureichenden Booten ertrunken. Eine Diskussion um diese menschenunwürdige Politik  wird vor allem vom CDU-Innenminister unter dem Aspekt „Schlepper“ geführt. Aber die würden nicht tätig, wenn es keine Flüchtlinge gäbe, die vor Krieg, Verfolgung und Not fliehen wollen  ...

Veranstalter waren Amnesty International, „Flüchtlinge sind in Düsseldorf willkommen“, Occupy, Psychozoziales Zentrum Düsseldorf PSZ, Occupy Düsseldorf  und andere.  Mit dabei die unermüdliche Barbara Gladysch, Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke (SPD) und Karl-Heinz Krems (SPD) mit Hildegard Düsing-Krems, Paula Elsholz und Dietmar Wolf (Grüne) sowie Mitglieder der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe von "Flüchtlinge sind in Düsseldorf willkommen".

Update:

Künstlerin Anabel Jujol war Anmelderin und hat zudem Flyer und Material für die Installation der schwarzen Leichensäcke und die  Flyer beim Trauermarsch finanziert.