12.04.2016
Hafen Reisholz – Analyse und Kommentar NRW Hafenkonzept

Hafen Reisholz : NRW Ministerium legt Hafen-Konzept vor – Binnenschifffahrt vor LKW

Hafengebiet Reisholz / Grafik MBWSV Hafenkonzept

Der Ausbau des Hafens Reisholz zu einem Container- und Trimodalen Umschlagplatz gehört zu den favorisierten Standorten in einem Hafenkonzept des NRW-Verkehrsministeriums. NRW Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) stellte das Konzept jetzt in den Rheinterrassen vor. Da nach wie vor von einer starken Steigerung des Güterverkehrs auszugehen ist, müssen Umschlagplätze für Container und Massengüter vor allem in der Binnenschifffahrt gestärkt werden.. Denn sonst müssen die Güter aus den Seehäfen – auch für Düsseldorf – auf der Straße mit LKW transportiert werden.

Das Konzept umfasst etliche Binnenhäfen an den Wasserstraßen in NRW, also an Kanälen und am Rhein. Zudem sollen unter anderem die schädlichen Abgase der Binnenschiffe aus den Dieselmotoren reduziert werden. Das Konzept ist zudem ein gesamtes Logistik-Konzept.

Düsseldorf-Reisholz ist neben Köln (das zu den Neuss-Düsseldorfer Häfen NDH gehört), Duisburg oder auch Dortmund   einer der Standorte, der nach den Untersuchungen und dem jetzigen Konzept ausgebaut werden sollen. Denn in NRW werden über 720 km schiffbare Wasserstraßen auf Rhein und Kanälen und in 118 Häfen mehr als 120 Millionen Tonnen Güter und über eine Million Standardcontainer transportiert und umgeschlagen, so das Verkehrsministerium.

Mehr als 1.610.000.000 (1,6 Milliarden) Tonnen Güter bis 2030 erwartet

Bis 2030 wird das gesamte Transportaufkommen in ganz Nordrhein-Westfalen auf 1,61 Milliarden Tonnen zunehmen. Knackpunkt ist: Die Häfen etwa in Düsseldorf und Neuss (und in anderen Städten) haben kaum noch Flächen zur Erweiterung. Doch die Menge der Güter, die von den Seehäfen wie Rotterdam, Zeebrügge oder Amsterdam nach NRW transportiert werden – der „Seehafenhinterlandverkehr“ - , nimmt rasant zu. Ursache ist der steigende Güterverkehr aus Übersee. Laut Gutachten  und dem Konzept wird der Schienengüterverkehr nur noch um 5 % wachsen können. „Die höchste Wachstumsrate verspricht mit 22 Prozent die Wasserstraße“, so die Untersuchungen.  Der Anteil des Binnenschiffsverkehrs ist aber noch viel zu niedrig (die Niederländer haben da mit Subventionen weit mehr gestärkt).  

Bis 2030 wird der Transport aus den Seehäfen auf 138 Millionen Tonnen prognostiziert. Der Anteil der Binnenschiffe wird dabei sinken, der des LKW (Container-)Verkehrs aber stark steigen.  Was nicht auf dem Binnenschiff transportiert wird, muss auf die Schiene – die nur wenig leistet – und : auf LKW, also besonders der Containerverkehr.

Um mehr Güter- (und Container-) Verkehr auf Schiff und Bahn verlagern zu können, wollen der Industriekreis Düsseldorf, die IHK Düsseldorf und die Landeshauptstadt Düsseldorf an den Rheinkilometern 722/ 723 – dem sogenannten Reisholzer Hafen - einen Umschlagplatz für Schwergüter und für Container ausbauen. Damit könnte auch die Anbindung der Industrie im Düsseldorfer Süden verbessert werden. Henkel, BASF, oder Komatsu nutzten den Hafen bereits, im Hafengebiet liegen aber Flächen brach.

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Lesen Sie dazu auch:

http://www.neue-duesseldorfer-online-zeitung.de/politik/reisholzer-hafen-kommentar/

 Kommentar: Fehlalarm nach St. Florians-Prinzip

Die Gruppe „Hafenalarm“ macht wieder Alarmstimmung, weil die Wohnungen der wenigen Häuser in der Gegend dann vom LKW-Verkehr und Lärm beeinträchtigt wären. Leider sind das wieder St-Florians-Argumenten: Lass doch die LKW bei den anderen vorbeidonnern und verschon mein Haus... .  Es ist nur so: Die anderen, das sind die Einwohner Düsseldorfs und NRWs.... Dass der Verkehr aus den Seehäfen, vor allem der Containerverkehr zunehmen wird, ist gar keine Frage. Und schon jetzt gibt es im Reisholzer Hafen Wirtschaftsverkehr und Schwertransporte. Die führen aber durch die - auch später zu nutzende - Reisholzer Werftstraße und nicht direkt an den Wohnungen vorbei.

NDOZ.de hat bereits im Dezember 2015 darauf hingewiesen : Es geht im Kern um die Wahl zwischen 200 Lastwagen oder ein Binnenschiff.

Dass die Linke sich für den Hafenalarm einsetzt, ist etwas zuviel des Versuchs, sich populär zu machen. Die Linke kann ja wohl nicht ernsthaft wollen, dass Containerverkehr mit dicken Lastern auf den Straßen die Allgemeinheit belasten, um ein Dutzend Häuschen in Reisholz zu verschonen.

Die Grünen sollten die Fakten mal ganz locker prüfen. Denn wenn die Alternative ist, dass mehr LKW auf den Straßen rumdonnern, die Luft verpesten, Straßen verstopfen (auch für Elektroautos) und ruinieren, wird der Wähler dies den Grünen in wenigen Jahren mit Recht vorwerfen. Vordringlich wäre wohl im Sinne von Umweltschutz die Reduzierung der Emissionen der Binnenschiffe, sprich bessere Abgaswerte. (Aber dazu, das nur am Rande,  sollten im Bund auch die Kreuzfahrtschiffe ihren Dreck-Ausstoß reduzieren – das sind mit die schlimmsten Dreckschleudern auf See.)

LINK zum NRW-Hafenkonzept:
http://www.mbwsv.nrw.de/verkehr/schifffahrt/Hafenkonzept/index.php