08.09.2016
Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge PSZ mit neuer Hilfe

PSZ hilft mit „Düssel-Netz“ besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen

Annette Windgassen PSZ, Ewgeni fink und Heba Khattab / Foto evdus Ulrich Erker-Sonnabend

Das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge (PSZ) in Düsseldorf hat eine neue Zweigstelle mit dem Namen „Düssel-Netz“ für schutzbedürftige Flüchtlinge. „Flüchtlinge, die als Opfer von Gewalt oder wegen psychischer Erkrankung besonders schutzbedürftig sind, sollen früher als bislang erkannt werden, damit eine optimale Unterstützung möglich ist“, erklärte die Leiterin des PSZ, Annette Windgasse, jetzt bei der Vorstellung der neuen Stelle in der Benrather Straße 10.

Während das seit 29 Jahren tätige PSZ für Flüchtlinge auch in anderen Regionen von NRW bei der sozialpädagogischen Betreuung und Therapie von Gewalt- und Trauma-Opfern hilft, kümmern sich die drei Mitarbeiter von „Düssel-Netz“ um die besonders schutzbedürftigen Flüchtlinge in Düsseldorf. Die drei arbeiten zunächst mit finanzieller Förderung der Landeshauptstadt für ein Jahr. Dabei kooperieren sie mit städtischen Unterkünften und betreuenden Wohlfahrtsverbänden, mit Flüchtlingsberatungsstellen und ehrenamtlich Engagierten. Gewaltopfer und psychisch Erkrankte unter den Flüchtlingen erhalten Beratung und werden an geeignete Stellen vermittelt. In Einzelfällen werden sie auch von den Projektmitarbeitern therapeutisch weiter begleitet.

Kooperation mit Beratungsstellen

Dabei kooperiert das „Düssel-Netz“ mit psychologischen Beratungsstellen, Kliniken, Psychotherapeuten und Ärzten. Zum neuen Team gehören der Psychologe Ewgeni Fink, die ägyptische Psychologin Heba Khattab und die aus Afghanistan stammende Sozialarbeiterin Atia Najibullah. Beide sind bereits seit vielen Jahren in Düsseldorf. Die drei sprechen mehrere Sprachen und Dialekte. Derzeit erhält Düsseldorf etwa 100 neue Flüchtlinge pro Woche zugewiesen. Jetzt könne man sich eher und besser um die besonders Schutzbedürftigen unter ihnen kümmern, so Najibullah. Im vergangenen Jahr war wegen der deutlich höheren Flüchtlingszahlen nur eine Notversorgung möglich, so Windgasse. 

Kultur- und Sprachmittler

Oft werden bei „Düssel-Netz“ auch Kultur- und Sprachmittler eingesetzt, die die jeweilige Sprache des betreffenden Flüchtlings sprechen und so für eine gute Beziehung auf „emphatischer Ebene“ sorgen, betont Fink, der seit dem Jahr 2000 in Düsseldorf lebt und aus Russland stammt. Die Flüchtlinge bekommen so die Chance, mit professionellen Helfern „über das zu sprechen, was sie in ihren Heimatländern erlebt haben“, erklärt Windgasse. 

Wie ist zu erfahren, ob Flüchtlinge besonders schutzbedürftig sind? Fink: „Viele von ihnen ziehen sich zurück, wollen ihre Probleme mit sich alleine ausmachen, sind verunsichert und werden in den normalen Flüchtlingsunterkünften oft übersehen.“ 

Ein Anliegen der neuen Zweigstelle des PSZ ist zudem, die besonders schutzbedürftigen Flüchtlinge in für sie geeigneten Unterkünften oder Wohnungen unterzubringen. Doch: „Geeignete Wohnungen sind in Düsseldorf knapp", so Windgasse.  

Das PSZ hat es sich seit seiner Gründung vor 29 Jahren zur Aufgabe gemacht, Hilfe für Überlebende von Folter, Krieg und Gewalt zu geben. „Wir vermitteln Therapien oder suchen Unterbringungsmöglichkeiten in Kliniken", so Windgasse. 

Jährlich finden etwa 400 Menschen aus über 40 Ländern Unterstützung im PSZ. Das Zentrum ist Mitglied der Diakonie. Evangelische Kirchengemeinden unterstützen die Arbeit des PSZ. Zwei der drei Stellen beim „Düssel-Netz“ werden von der Stadt Düsseldorf gefördert. 

Das „Düssel-Netz“ für schutzbedürftige Flüchtlinge ist telefonisch erreichbar unter: 0211.95 75 18-55: Internet: psz-duesseldorf.de

(Textquelle ev dus)