19.09.2015
Radler-Demo und Ziviler Ungehorsam gegen Dügida

Dügida dauerte genau 10 Minuten – über 1500 zeigten Flagge gegen Rassisten

Fahrradblockade auf der Graf-Adolf-Straße / Foto Jo Geschke NDOZ.de

Als die Polizei am Freitagabend gegen 20:10 Uhr die Reiterstaffel zurückzog und einen Teil der behelmten Beamten, war klar: Die Rassisten und Rechtspopulisten um Melanie Dittmer hatten ihren Aufmarsch abblasen müssen. Rund 350 Fahrräder lagen auf der Graf-Adolf-Straße, dazu kamen weit mehr als 150 Schüler und weitere Düsseldorfer, so dass laut Polizei „600 Meinungsgegner die Graf-Adolf-Straße, eine Teilstrecke des Dügida-Aufzugswegs, blockiert“ hatten. Zuvor begannen vor dem DGB-Haus auf der Friedrich-Ebert-Straße und vor dem Hauptbahnhof Kundgebungen von Düsseldorfer Appell, Düsseldorf stellt sich quer (DSSQ), Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf und vielen Vertretern aus Kirche, Parteien, und ehrenamtlichen Helfern.

In der Gruppe von Dügida hatten sich vor dem Hauptbahnhof laut Polizei 120 Rechte versammelt. Die Landtagsabgeordnete MdL Monika Düker und MdL  Stefan Engstfeld (Grüne), die die Gruppe mit Polizeibegleitung in Augenschein nahmen, sprachen allerdings von eher 60 bis 80 Rechten.

 Auftakt der Kundgebung vor dem DGB-Haus / Foto Jo Geschke NDOZ.de

 Vor dem DGB-Haus begann trotz schlechten Wetters um 18 Uhr mit rund 600 Menschen eine Kundgebung, zu der ein breites Bündnis aller gesellschaftlicher Gruppen aufgerufen  hatte. Vertreter der Parteien, wie Patrick Schiffer (NRW-Landesvorsitzender der Piraten Partei), Karl-Heinz Krems (SPD), Paula Elsholz (Sprecherin Grüne), viele Ratsmitglieder der SPD,  Grüne, Christian Jäger, Sprecher der Linken, die Spitze der Diakonie mit Thorsten Nolting und Adolf Leopold Krebs, die evangelische Superintendentin Henrike Tetz, von der ehrenamtlichen Gruppe „Flüchtlinge in Düsseldorf  willkommen“ waren sehr viele gekommen, stellvertretend genannt sei Hildegard Düsing-Krems. Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch verwies in einem kurzen Interview mit dem Moderator unter andrem darauf, wie die europäische Union den Gedanken einer Union an den Stacheldrahtzäunen der Grenzen zu Ungarn beerdige. Monika Lent-Öztürk vom interkulturellen Verein Mosaik machte ebenso wie Henrike Tetz und andere deutlich, dass Flüchtlinge in Düsseldorf willkommen sind. Die Reden wurden eingeleitet mit virtuosen Geigensoli von Ando Kembaci aus Albanien – er sucht zurzeit ein Orchester zum Mitspielen. Vor dem Hauptbahnhof und später an der Karl- /Ecke Bismarckstraße  hatten sich auch rund 200 SchülerInnen versammelt, die Bezirksschülervertretung hatte zur Demonstration gegen Rechts aufgerufen.

 Gegen 19:30 Uhr versammelten sich rund 350 Radler, denen sich auf ihrer Rundfahrt durch die Stadt weitere anschlossen, so dass mit rund 450 Radler an der Kasernenstraße, am Mahnmal für die ehemalige Synagoge, um 19:15 Uhr eine Kundgebung begann.

 

 OB Geisel spricht an der Kasernenstraße / Foto Jo Geschke NDOZ.de

OB Thomas Geisel wandte sich in einer Rede gegen die rechten populistischen Scheinargumente, das Abendland sei gefährdet und Gruppen wie Dügida spielten sich als selbsternannte Retter des Abendlands auf. „Das Abendland ist nicht gefährdet durch die Willkommenskultur, die wir in Düsseldorf gegenüber Flüchtlingen zeigen. Das Abendland ist gefährdet auf dem Mittelmeer, wo wir immer noch zulassen, dass viel zu viele Menschen auf nicht seetüchtigen Booten ertrinken. Das Abendland ist gefährdet am Stacheldraht der Ungarischen Grenze (Beifall). Und das Abendland ist gefährdet durch einen pöbelnden Mob vor Flüchtlingsunterkünften auch leider hier in Deutschland.“

Die rechten Rassisten der Gruppe Dügida mit vielen Rechten aus anderen Städten startete laut Polizei den Versuch ihres Aufmarsches um 20 Uhr.

Als die Radfahrer – teils arg durchnässt – auf der Graf-Adolf-Straße kurz vor dem Stresemannplatz ihre Räder auf und Boden legten, war klar, dass dort kein Stiefel der Dügida-Teilnehmer, die teils aus München und Berlin sich angemeldet hatten, durchkommen würde. Oliver Ongaro als Sprecher von Düsseldorf stellt sich quer (DSSQ) machten angesichts der massiven Polizeiabsperrung mit Beamten und Reiterstaffel deutlich: Dies sei ein Akt des zivilen Ungehorsams, von den Radfahrern gehe keine Gewalt aus. Die Pferde der Reiterstaffel, so Ongaro, könnten wieder in den Stall, und die Beamten könnten den Helm ruhig abnehmen. Unter den mehr als 600 Menschen, die sich dort mit Zweirad und ohne versammelt hatten, waren auch viele Schüler. Bei einem Gerangel an der Polizeikette wurden zwei junge Demonstranten durch Reizgas verletzt. Laut Polizei hatten sie versucht, die Beamten anzugreifen.

Da die Aktion des zivilen Ungehorsams  deutlich machte, dass sie den Weg der Rassisten und Neonazis nicht freigeben werde, entschied sich die Anmelderin nach 10 Minuten wutentbrannt zum Rückweg Richtung Bahnhof. Die Polizei hatte ihr zuvor eine andere Route empfohlen, die sie ablehnte. Auch am Hauptbahnhof waren mit Sitzblockaden Wege versperrt. Der Aufmarsch von Dügida dauert also von 20 bis 20:10 Uhr.

Ziviler Ungehorsam auf der Graf-Adolf-Straße / Foto Jo Geschke NDOZ.de