22.10.2016
Schauspielhaus-Sanierung oder Was ist uns Kultur wert - Bericht und Kommentar

Schauspielhaus: OB bringt Alternativen ins Spiel – öffentliche Diskussion im November

Schauspielhaus und Bauarbeiten Gründgensplatz / Foto Jo Achim Geschke für NDOZ.de

Die Diskussion um einen Abriss ist eher „Much Ado About Nothing“ (Viel Lärm um Nichts), in dem Stück geht es bekanntlich auch um Intrigen. OB Thomas Geisel stellte gestern vor 15 Journalisten aus Druck, Fernsehen, Radio und Onlinemedien seine Diskussionsvorlage zur Zukunft des Schauspielhauses vor. Denn außer der gerade laufenden Sanierung steht nun auch eine offenbar lange aufgeschobene und teure Sanierung der Fassade und des Daches an. NDOZ.de berichtet über die Stellungnahme von OB Geisel und die Meinung von Kulturpolitikern der SPD und den Grünen.

OB Geisel stellte zunächst klar, dass er einen Abriss des Hauses (wie in Medien behauptet) nie vorgeschlagen habe und dies nie zur Diskussion stand. „Das gesamte Ensemble um den Gründgens-Platz und das Schauspielhaus ist einmalig und muss unbedingt erhalten bleiben“, so Geisel. Es sei aber für ihn auch der Überlegung wert, dass auch das Innere wie etwa das Foyer verändert werden könne.

Nach der technischen Sanierung, die zurzeit laufe und rund 21 Millionen Euro koste, sei jetzt der Punkt: „Wir können realistischer Weise nicht wissen, wie viel es wirklich kostet“, wenn auch die Fassade und das Dach saniert werden müssten. Nach einer Expertise von Architekt Ingenhoven „nach Augenschein und Empirie“ müsse die Fassade saniert werden. Die Aufhängung der weißen Verkleidung aus Stahl sei offensichtlich korrodiert., es gebe wohl auch andere Schäden.

Geisel verwies auf die unsicheren Kostenschätzungen, dass nämlich der erste Gutachter für die technische Sanierung von 6,5 Millionen Euro ausging, der Rat habe dann einen Beschluss von11 Millionen gefasst, jetzt sei man bei rund 21 Millionen. Wenn man irgendwo anfange an einem Gebäude, müsse man mit Überraschungen, sprich Kostensteigerungen rechnen.

Öffentliche Hand oder privater Investor (PPP)

Für Geisel ist die Frage: Saniert die öffentliche Hand oder vergibt man die Sanierung an einen privaten Investor. In Verträgen müsse dann klar festgeschrieben sein, dass die Nutzung und der Denkmalschutz für 30 Jahr festgelegt wird. Also eine Public Private Partnership (PPP) - gegen die allerdings etliche Viorbehalte in der Politik bestehen.

„Darüber müssen wir jetzt diskutieren,“ so Geisel, man könne das nicht aufschieben oder festlegen, dass die Kosten bei 30 Millionen Euro gedeckelt werden. Welche Kosten wirklich entstünden, können zurzeit nicht realistisch abgeschätzt werden.

Schauspielhaus auch woanders ?

Die Frage müsse auch gestellt werden, ob das Schauspielhaus in dem weißen Bau „alternativlos“ sei. Es gebe Stimmen für einen Verbleib im Central oder an einem anderen Ort. Klar sei, dass der Bau am Gründgensplatz ein öffentlicher Ort bleiben müsse und nicht etwa kommerziell genutzt werde.

Gretchenfrage: Wer zahlt?

Die Öffentlichkeit, die Parteien und der Rat müssten jetzt bald darüber entschieden, ob das Schauspielhaus in eigener Regie von der Stadt - mit entsprechenden Kosten – saniert werde oder von einem privaten Investor, so Geisel.

Öffentliche Diskussion schon im November

Intendant Wilfried Schulz habe ihm am Donnerstag vorgeschlagen, eine große öffentliche Diskussion – eventuell im Central – zu organisieren. Zurzeit ist Samstag, 12. November, als Termin vorgeschlagen, aber noch nicht endgültig abgestimmt.

Kritik und Zustimmung von Grünen und SPD

Eine solche öffentliche Diskussion sei eine gute Idee, sagt Clara Gerlach, Ratsfrau und Kulturpolitikerin der Grünen. Die müsse aber ordentlich vorbereitet und organisiert sein, damit die Diskussion nicht einseitig werde. „Sinnvoll wäre jetzt eine wirklich sachliche Diskussion in den Gremien, und wir müssen eine sachgerechte Grundlage erhalten. Fraktionen und Aufsichtsrat sollten nun informiert werden und über die Sanierungen beraten. Wir wussten ja alle, dass es viele Rückstände bei den Sanierungen gibt.“

Eine Public Private Partnership sieht Gerlach „grundsätzlich skeptisch“, schließlich könne man die Entwicklung in 30 Jahren nicht vorhersehen. Vielleicht könne man auch über eine Bürgerbeteiligung für die Sanierungskosten nachdenken.

Philipp Tacer, SPD-Ratsherr und Kulturpolitiker, will dem Dilemma den Zeitdruck nehmen: Zuerst müsse mal ein unabhängiger Sachverständiger den Zustand von Fassade und Dach begutachten. „Vielleicht muss ja nicht alles jetzt gemacht werden, vielleicht kann man vieles ja auch erst in zehn Jahren angehen“, so Tacer. Und : „In der jetzigen Sanierung des Hauses steckt ja bereits viel Geld. Das ist doch ein klares Bekenntnis zum Schauspielhaus, und das sollte fortgesetzt werden. Jetzt eine öffentliche Diskussion zu starten, ist eine gute Idee.“

Klar ist auch für Ratsfrau Gerlach : „Eine Stadt wie Düsseldorf muss sich das leisten können. Düsseldorf ist eine Kulturstadt.“

Die Grünen werden eine Anfrage zum Schauspielhaus im Kulturausschuss stellen. Es wird wohl nicht die einzige bleiben.

Kommentar von Jo Achim Geschke:

Die Frage, zu welchen Kosten und wie das Schauspielhaus saniert werden soll, ist ja nicht die Frage des „Wie es euch gefällt“ (As You Like It) : Angesicht der angespannten Finanzsituation und dem Mantra der scheinbaren „Schuldenfreiheit“ geht es ja auch um sehr viel Geld, das die Stadt aufbringen und daher an anderer Stelle Geld einsparen müsste.

OB Geisels formulierte Idee, das Schauspielhaus auch anderswo unterzubringen, stößt auf Ablehnung und sollte wirklich im Theaterkeller versenkt werden: Ein Theater braucht eine große Bühne, die auch hoch genug ist, braucht eine breite Möglichkeit für Inszenierungen, um Aufführungen von diesem und anderen Theatern auf eine große Bühne zu bringen. Dafür finden sich wohl kaum viele Gebäude. Wenn es wirklich 30 Millionen € kostet – dann ist nicht nur die Frage, was das Land dazu gibt, vor allem: Was ist uns die Kultur in Form eines Schauspielhauses wert ?

Intendant Schulz hat sein ganzes Ensemble hierher geholt, wo sollen die ohnehin nicht gut bezahlten Schauspieler und Mitarbeiter denn hin ? Schulz sieht sich da sicherlich auch in der Verantwortung für sein Team. Und Inszenierungen auf Bühnen werden ja nicht auf vier Monate im Voraus, sondern auf ein Jahr oder länger geplant.

Intendant Schulz und sein Ensemble habe gerade jetzt Düsseldorfer begeistert mit ihren Aufführungen und ihrem Konzept, das Theater in die Stadt zu holen. Das Schauspielhaus muss saniert werden, als Theater – und zwar von der Kulturstadt Düsseldorf. Alles andere wäre ein Armutszeugnis. Und die Kultur kann nicht der imaginären, unrealistischen Schuldenfreiheit geopfert werden, schon gar nicht in einer Stadt, deren Image an glitzernden Konsumtempeln und teuren Luxusläden leidet.


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