07.01.2016
Sexuelle Belästigung und rechtspopulistische Initiativen

Bürgerwehren bilden sich in Düsseldorf

Faust einer Frau / Foto Jo Achim Geschke

Sexuelle Belästigung ist ein Alltagsdelikt. Das hat bisher nur wenige gekümmert. Nach den kriminellen Vorfällen in Köln zu Silvester kocht jetzt eine rechte, zumeist rassistische Welle von Kommentaren hoch. Auch in Düsseldorf gab es 11 Anzeigen wegen sexueller Belästigung und einem Antanztrick, bei dem Frauen belästigt und bestohlen wurden. Allerdings nicht massiert am Hauptbahnhof, und laut Polizei nur von kleineren Gruppen und Einzeltätern. Doch jetzt haben sich Bürgerwehren gegründet, die einer rassistischen Argumentationen folgen und den alltäglichen Sexismus, die alltägliche Gewalt gegen Frauen ausblenden.

Um es vorweg zu sagen: Die in Zeitungen zitierte Fahndungsgruppe „Casablanca“ hat ausländische Verdächtige, teils organisierter Kriminalität, im Visier. Das hat rein gar nichts zu tun mit den Straftaten in Köln oder jetzt in Düsseldorf.

  Die Fakten :

 Jedes antatschen, angrabschen, jede sexuelle Belästigung von Frauen ist eine Straftat. Auch beim „Antanztrick“ wird eine Schwelle überschritten, durch große körperliche Nähe, durch Anfassen. Geht das gegenüber Frauen zu Griffen an Bussen oder Po oder in den Schritt über, ist das eindeutig sexuelle Gewalt.

Anders als in Köln hat es in Düsseldorf nur einige kleinere Gruppen von Tätern gegeben, die Frauen zu Silvester belästigt und dabei bestohlen haben, so eine Sprecherin der Polizei auf Nachfrage von NDOZ.de. Bisher seien 11 Anzeigen eingegangen. Die Täter seien Personen und kleine Gruppen gewesen, nicht große Gruppen wie in Köln. Die Frauen werden zum Teil noch als Zeugen gehört, die Täter sollen aber vornehmlich „südländischen Aussehens“ gewesen sein.

Soweit die bisher bekannten Fakten.

Wo war der Aufschrei bisher ?

Wo war denn der Aufschrei am Tag gegen Gewalt gegenüber Frauen am 18. November ?  Zitat aus unserem Bericht: „Die Polizei verzeichnet jährlich circa 1500 Anzeigen, jede 4. Frau gilt als gefährdet“, so Luzia Kleene von der Frauenberatungsstelle zu häuslicher Gewalt, also Gewalt in der Beziehung, Ehe, zu Hause.“ Es kommt in allen Gesellschaftsschichten vor, „es macht auch nicht beim Dr. oder Professor Halt“, sagt Luzia Kleene, und: „Gewalt in jeder Form darf nicht als Kavaliersdelikt durchgehen“, so Kleene von der Frauenberatungsstelle im November.

1500 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt in einem Jahr – wohlgemerkt Gewalt gegen Frauen von Freunden, Partnern, Ehemännern. Das macht im Schnitt 29 Anzeigen pro Woche, vier Anzeigen pro Tag, weil Frauen Gewalt angetan wurde. Und die Dunkelziffer ist hoch, heißt: Es gibt weit mehr Gewalttaten gegen Frauen, die diese aber nicht anzeigen. Und noch immer denken viele der Frauen, sie seien nicht das Opfer, sie seien irgendwie mit Schuld.

 Wir haben kein Problem mit Ausländern – wir haben ein Problem mit der Integration – von deutschen Männern, die noch immer bei 1900 und dem von Moebius verfassten Text „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“  stehen geblieben sind. Frauenfeindlichkeit  und Sexismus ist ein weit verbreitetes Verhaltensmuster bei Männern, auch wenn es die männliche Mehrheit verneinen würde.

Bürgerwehren

Die jetzt in Facebook gegründeten sogenannten „Bürgerwehren“ sind nichts anderes als Gruppen, die sich an der Vokabel „Nordafrikaner“ aufhängen und  teils eindeutig rassistische Tendenzen zeigen.

Polizeisprecher Markus Niesczery zu den sogenannten Bürgerwehren auf Anfrage von NDOZ.de : „Die Sicherheit von Bürgern ist ausschließlich Aufgabe der Polizei. Bürger sollten vorsichtig sein und nicht Dinge tun, für die sie nicht ausgebildet sind, und keine Straftaten begehen.“

Mitglieder der Gruppen – eine davon hat bereits mehr als 1660 Mitglieder – sind unter anderem ein Privatdetektiv und ein Mann, der auf seiner Facebook-Seite rechte Hetze gegen Ausländer verherrlicht und Verschwörungstheorien huldigt. Außerdem Mitglieder (auch Frauen), die bei Versicherungen und einer großen Unternehmensberatung arbeiten.

Bei der „Bürgerwehr Düsseldorf" heißt es in Facebook : „Die neu entstandene Bürgerwehr wird zukünftig in der Stadt Präsenz zeigen, wir werden so gut wir können bzw. rechtlich dürfen mit für Eure Sicherheit sorgen und dem 1% die Hölle heiß machen!“ Das Titelbild eines Mitglieds (eine Frau) ziert ein Bild mit Deutschlandfahne und der Aufschrift „Ich will mein Deutschland zurück!“

Die Verquickung von sexuellen Belästigungen von Frauen und dem Thema Ausländer oder gar „Flüchtlinge“ kommt einer rechtsextremen Denke (soweit man von Denken reden kann) und einer rassistischen Einstellung gleich.

Nochmals zur Erinnerung: Auch wenn jede Straftat für die Frauen furchtbar ist - in Düsseldorf  gab es elf (11) Anzeigen wegen Silvester in einer Nacht, in der Tausende auf den Straßen waren. Und wegen Gewalt gegen Frauen, vor allem häuslicher Gewalt, verzeichnet die Frauenberatungsstelle 1500 Anzeigen in einem Jahr, vier an jedem Tag, 29 pro Woche.

Straftäter sind Straftäter, egal welcher Herkunft. Aber zu einer verantwortungsvollen Sicherheitspolitik gehört auch, nach den Ursachen von Kriminalität zu fragen. Und dazu gehört die Frage, ob es mit der Integration von „Ausländern“, von „Migranten“, also von Menschen, die bei uns leben, denn wirklich geklappt hat. Tatsache ist, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund es noch immer schwer haben, eine gute Ausbildung und einen Job zu bekommen. Um Jugendkriminalität zu vermeiden, muss man für gute Ausbildungschancen sorgen, hat ein kluger Mann mal gesagt. Wem wir Perspektiven in unsere Gesellschaft verwehren, dem helfen wir nicht mit zutiefst fragwürdigen Bürgerwehren, sondern nur mit einer gelingenden Integration.

(Text Jo Achim Geschke)