17.02.2016
Wehrhahnlinie Bürgerfest – Kommentar & Programm

Großes Fest für 3,4 Kilometer Wehrhahnlinie

Noch wird im neuen U-Bahnhof gearbeitet / Foto Jo Achim Geschke NDOZ.de

(Mit Fotostrecke) Die Wehrhahnlinie – seit Jahren politisches Zoff-Thema, zumindest, wenn es um die immensen Kosten geht, die die Fundamente der Stadtkasse untertunnelt haben. Aber jetzt, vor dem regulären Start am Sonntag, wird erstmal gefeiert: Am Samstag startet nach acht Jahren Bauzeit das große Bürgerfest zur Eröffnung der 3,4 Kilometer kurzen Wehrhahnlinie mit Freifahrten von allen unterirdischen Bahnhöfen aus. Dann geht am Sonntag der reguläre Betrieb los auf der 3,4 Kilometer langen unterirdischen Strecke zwischen Bilker Bahnhof und Wehrhahn.

Unterirdisch waren auch die Kostenschätzungen seit dem ersten Spatenstich vor acht Jahren (Start November 2007), als der verstorbene OB Erwin zur Schaufel griff – damals war auch Andrea Blome dabei, die heutige Chefin im Verkehrsmanagement. 2004 lagen die geschätzten Kosten noch bei 380 Millionen €, heute sind es rund 844 Millionen €, allerdings haben (im Gegensatz zu den begleitenden Auto-Tunneln) Land und Bund ein Scherflein beigetragen. Ursprünglich sollte ja die Wehrhahnlinie viel weiter reichen – aber da machten die Zuschussgeber nicht mit. So wurde die Linie, die sinnvoller weise eine schnelle Verbindung zwischen Witzelstraße (Uniklnik), Innenstadt und Arbeitsamt hätte schaffen sollen, auf etwas mehr als 3 Kilometer verkürzt.

Der Start hat sich entgegen der ersten Angaben (2010 war da genannt worden)  immer wieder verzögert, unter anderem, weil bei den Bauarbeiten ein jüdischer Friedhof entdeckt wurde, auch andere historische Bodenfunde – aber glücklicherweise ist es zu keinen größeren Unfällen gekommen, niemand kam körperlich zu Schaden. Das alles bautechnisch so gut klappte, ist auch dem Projekteleiter, Gerd Wittkötter, zu danken, der bis heute eine unerschütterliche Gelassenheit ausstrahlte.

Die Düsseldorfer haben – auch wegen der Autotunnel, die zur Wehrhahnlinie entstanden – acht Jahre mit ziemlich großen Baustellen gelebt. Leider sind die noch nicht vorbei: Wenn es unterirdisch rollt, kommen ober die Umbauarbeiten für die neuen, teils gleislosen Straßen. Es wird leider noch einige Jahre dauern, bis auf der Friedrich- und Schadowstraße die neuen Pläne zur Gestaltung umgesetzt sind.

Der neue Rheinbahnchef Michael Clausecker lobte bei der Ankündigung des Bürgerfestes im U-Bahnhof Schadowstraße (siehe Fotostrecke) die schnelle Verbindungen zwischen Bilker Bahnhof und Wehrhahn und den verkehrlichen Vorteil – man sei ja nun 9 Minuten schneller auf der Strecke unterwegs als früher. Und OB Thomas Geisel, der die Baustellen und die Kosten ja nur geerbt hat, gewann der Wehrhahnlinie pflichtschuldigst Positives ab:  Vor acht Jahren hatte die Stadt 520.000 Einwohner, heute mehr als 620.000,  da sei eine Verbesserung und Beschleunigung des ÖPNV durchaus sinnvoll. Und Geisel lobte die gelungene künstlerische Gestaltung der Bahnhöfe.

Aber erstmal werde gefeiert, meinte OB Geisel, „wir Düsseldorfer feiern ja bei jedem Wetter“, meinte er in Anspielung auf den kleinen Rosenmontagszug vor dem Rathaus.

Das Fest startet am Samstag eigentlich an allen U-Bahnhöfen, besonders aber auf dem Schadowplatz . Es spielen die scheinbar unvermeidlichen Dixie-  und Traditional Jazz-Bands, als wenn wir in Düsseldorf keine bessere Musik hätten. Immerhin ist auch das Blasorchester der Robert-Schumann-Musikhochschule dabei.

Helfer bei der Orientierung mit den neuen Linien

Wenn die Wehrhahnlinie mit den neuen U-Bahn-Linien startet, werden übrigens Rund 200 Infoscouts (Rheinbahner aus allen Bereichen) in der ersten Woche – von Sonntag, 21. Februar, 6 Uhr, bis Samstag, 27. Februar, 21 Uhr –an allen neuen U-Bahnhöfen und wichtigen Knotenpunkten vor Ort den Fahrgästen bei der Orientierung helfen.

Fotostrecke unter  http://ndozjoa.de/portfolio/

Das Bürgerfest  

Am 20. Februar, um 12 Uhr, geben Oberbürgermeister Thomas Geisel, der Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums, Enak Ferlemann, der Landesverkehrsminister Michael Groschek und die Rheinbahn-Vorstände Michael Clausecker und Klaus Klar im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee den Startschuss für die Jungfernfahrt durch den neuen Tunnel.

Fahrgäste und Bürger, die beim offiziellen Start dabei sein möchten, erreichen den U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee ab 11.30 Uhr von der Heinrich-Heine-Passage aus, vom Zugang neben dem Carsch-Haus – und für die Phase der offiziellen Eröffnung nur von dort. Auf den Bahnsteigen stehen die Zugverbände des Typs NF8U, die bisher nur an der Oberfläche im Einsatz waren, für die Jungfernfahrt bereit. Zeitgleich mit den Wagen in der Heinrich-Heine-Allee starten in den übrigen fünf neuen unterirdischen Haltestellen „Kirchplatz“, „Graf-Adolf-Platz“, „Benrather Straße“, „Schadowstraße“ und „Pempelforter Straße“ fünf Bahnen, die passend zu der künstlerischen Gestaltung des jeweiligen U-Bahnhofs beklebt sind. Diese Bahnhöfe sind ebenfalls ab 11.30 Uhr bis in die Abendstunden geöffnet.

 Kostenlose Pendelfahrten im neuen Tunnel

Die Pendelfahrten im Tunnel sind am 20. Februar kostenlos. Die Bahnen bleiben komplett unter der Erde und wechseln an den Haltestellen „Kirchplatz“ und „Pempelforter Straße“ die Richtung. Ein Zugverband nimmt pro Tour etwa 300 Gäste mit, insgesamt also etwa 6.000 pro Stunde.

 Die Fahrgäste können diese Shuttlezüge am 20. Februar bis gegen 22 Uhr nutzen. Sie bieten sich auch als Alternative an, weil an der Oberfläche auch tagsüber noch letzte Bauarbeiten ablaufen: Am Kö-Bogen entstehen die zweigleisigen Verbindungen für die zukünftigen Linien 701, 705 und 706. In der Nacht zum Sonntag, 21. Februar, ab 21 Uhr, wird das Gleiskreuz am Jan-Wellem-Platz entfernt – und damit werden die Gleise in Richtung Altstadt gekappt. Gleichzeitig werden Weichen am Bilker S-Bahnhof zurückgebaut. Dadurch ist die oberirdische Strecke für die Linien 701, 703, 706, 707, 712 713 und 715 bis Sonntag, 21. Februar, 4 Uhr, gesperrt. Die Bahnen fahren Umleitungen oder werden durch Busse ersetzt. Daher bittet die Rheinbahn die Fahrgäste, den U-Bahn-Pendel zu nutzen.

Bürgerfest und „Oldie-Pendel“

Am Samstag beginnt bereits um 11 Uhr das Bürgerfest am Schadowplatz. Dahin kommen die Gäste stilecht mit den historischen Straßenbahnen der Rheinbahn: Von 11 bis 17 Uhr pendeln acht alte Schätzchen der Baujahre 1920 bis 1969 auf der Strecke Gerresheim, Schönaustraße – Jan-Wellem-Platz – Heinrich-Heine-Allee – Kirchfeldstraße – zum letzten Mal nach 140 Jahren auf den oberirdischen Verbindungen.

 Start der Wehrhahnlinie

Am Sonntag, 21. Februar, ab 4 Uhr, startet das neue Netz nach Sonntagsfahrplan. Der Infobus steht von 11 bis 18 Uhr an der Schadowstraße, Tuchtinsel (Bahnsteig der Linien 701, 705 und 706). Rheinbahn-Mitarbeiter beantworten alle Fragen zum neuen Netz persönlich und statten die Kunden mit Infomaterial aus.

Rund 200 Infoscouts (Rheinbahner aus allen Bereichen) sind in der ersten Woche – von Sonntag, 21. Februar, 6 Uhr, bis Samstag, 27. Februar, 21 Uhr –an allen neuen U-Bahnhöfen und wichtigen Knotenpunkten vor Ort, um den Fahrgästen bei der Orientierung zu helfen.

 (Text Jo Achim Geschke mit Material der Rheinbahn)

Kommentare (2)

  1. Tomate Zwo am 17.02.2016
    Das gesamte Projekt ist ja noch ein "Erbstück" des früheren OB Joachim Erwin und - abgesehen vom "Kö-Bogen 2" - ist die Wehrhahnlinie wohl das letzte Großprojekt, das noch unter seiner Ägide geplant wurde. Entstanden sind "Dank" Erwin die schmucken Bilker Arkaden, die konstant defizitäre Esprit-Arena, der bis heute nicht vernünftig an den öffentlichen Nahverkehr angebundene ISS Dome, der Kö-Bogen samt Autotunnel und Tausendfüßler-Abriss und auch die Wehrhahnlinie. Von den Bauprojekten her sind - meiner Meinung nach - die komplett charmefreien Arkaden bis heute ein architektonisches Verbrechen und eine Beleidigung für den Stadtteil Bilk. Den Niedergang der Friedrichstraße und das Ende des Stern-Verlags verschuldet dieses unsägliche Bauprojekt und insgesamt die Politik Erwins mit. Während Erwin für den "Pöbel" die Bilker Location vorsah, entstand in sicherer Entfernung für Seinesgleichen der Kö-Bogen, wo besserverdienende Oberkasseler und die wohlhabende Landbevölkerung vom Niederrhein mit ihren SUV's anrauschen können. Der Kö-Bogen 2 wird dieses Ensemble in ein paar Jahren komplettieren - das Düsseldorfer Schauspielhaus befindet sich dann im Hinterhof der Luxus-Einkaufstempel. Die Wehrhahnlinie wird selbstredend schneller unterwegs sein als bisher - kaum ein ÖPNV-Nutzer erinnert sich allerdings noch daran, dass die Straßenbahn VOR der achtjährigen Baustelle auch vernünftig voran kam. Man hätte lediglich ein paar neuralgische Stellen zugunsten des ÖPNV entschärfen müssen und hätte damit ein kostengünstiges, leistungsfähiges Straßenbahnnetz gehabt. Eine moderne Verkehrspolitik, die den ÖPNV bevorzugt und den Individualverkehr innerhalb der Stadt einschränkt, gibt es in Düsseldorf aber bis heute kaum. Wie effizient das "Erbstück" Wehrhahnlinie und das neue "Netz mit Hätz" ist, wird sich in den nächsten Wochen bereits zeigen. Bleibt zu hoffen, dass Stadt und Rheinbahn mit dem neuen Liniennetz einiges verbessern. Die eingesparte Fahrtzeit bei der Wehrhahnlinie wird allerdings vielen Nutzern wenig bringen, denn durch den Entfall einer Haltestelle (Jacobistraße) und weitere Wege durch die U-Bahnhöfe dürfte das höhere Tempo der Züge weitgehend kompensiert werden.
    Bemerkung am Rande: Sprach Geisel wirklich von 520.000 Einwohnern? Das würde von Unkenntnis zeugen, denn so wenig Einwohner hatte Düsseldorf vor 10 Jahren keineswegs.
  2. linagreissen am 21.02.2016
    Mir aus dem Herz geschrieben. Wie gut hat es Erwin doch, daß er in Düsseldorf nicht mehr Rollstuhlfahrer werden kann und nicht über 75 Jahre alt, gehbehindert, krank, Angst vor Tunneln etc. haben muss. Aber seine Kinder sind ja jung...

Neuen Kommentar schreiben

  • PHP Warning: get_html_translation_table() expects at most 2 parameters, 3 given in /var/www/typo3_src/typo3_src-6.2.25/typo3/sysext/core/Classes/Charset/CharsetConverter.php line 929
  • PHP Warning: array_flip() expects parameter 1 to be array, null given in /var/www/typo3_src/typo3_src-6.2.25/typo3/sysext/core/Classes/Charset/CharsetConverter.php line 929
  • PHP Warning: get_html_translation_table() expects at most 2 parameters, 3 given in /var/www/typo3_src/typo3_src-6.2.25/typo3/sysext/core/Classes/Charset/CharsetConverter.php line 929
  • PHP Warning: array_flip() expects parameter 1 to be array, null given in /var/www/typo3_src/typo3_src-6.2.25/typo3/sysext/core/Classes/Charset/CharsetConverter.php line 929
  • PHP Warning: get_html_translation_table() expects at most 2 parameters, 3 given in /var/www/typo3_src/typo3_src-6.2.25/typo3/sysext/core/Classes/Charset/CharsetConverter.php line 929
  • PHP Warning: array_flip() expects parameter 1 to be array, null given in /var/www/typo3_src/typo3_src-6.2.25/typo3/sysext/core/Classes/Charset/CharsetConverter.php line 929
  • PHP Warning: get_html_translation_table() expects at most 2 parameters, 3 given in /var/www/typo3_src/typo3_src-6.2.25/typo3/sysext/core/Classes/Charset/CharsetConverter.php line 929
  • PHP Warning: array_flip() expects parameter 1 to be array, null given in /var/www/typo3_src/typo3_src-6.2.25/typo3/sysext/core/Classes/Charset/CharsetConverter.php line 929