28.01.2015
Zur Personalie Pascal Heithorn

Gewagt und gewonnen? Neuer Chef im Sportamt

Bild: Alice Wiegand, (Lyzzy) - Eigenes Werk // http://goo.gl/gCo1RW

Lange war nicht nur in der Düsseldorfer Sportszene spekuliert worden, jetzt zauberte OB Thomas Geisel eine Personalie aus dem Hut, mit der so gut wie niemand gerechnet hatte. Pascal Heithorn soll neuer Leiter des Düsseldorfer Sportamtes werden. Der 39-jährige Heithorn ist studierter Sprach-, Sport- und Erziehungswissenschaftler und gegenwärtig Leiter der PR & Sportredaktion bei Center TV, Den Düsseldorfer Sportlern ist er vor allem auch bekannt als Verantwortlicher Redakteur der wöchentlichen Sendung RheinSport, die sich schwerpunktmäßig dem Lokalsport widmet.

Amt mit übergeordneter Bedeutung

Aus Sicht der Düsseldorfer Politik kommt dem Sportamt besondere Bedeutung zu. Das Amt dient als Schnittstelle zu den Düsseldorfer Sportvereinen, die zahlreiche Wähler in ihren Reihen wissen. Bereits der verstorbene OB Joachim Erwin hatte diesen Umstand besonders gewürdigt und als Förderer des Düsseldorfer Sports stets ein genaues Auge auf die Entwicklungen rund um das Sportamt.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Düsseldorf vermarktet sich seit vielen Jahren offiziell unter dem Slogan „Sportstadt“. Zu einer „Sportstadt“, wie immer man diese inhaltlich definiert, gehört als tragende Säule ein Sportamt, und zwar eines, welches auf qualitativ hohem Niveau dienstleistungsorientiert und gestaltend agiert. Die Leitung des Düsseldorfer Sportamtes ist somit eine herausfordernde und spannende Aufgabe.

Kein Wunder also, dass sich - wie aus informierten Kreisen zu hören ist - mehr als 100 Bewerber auf die Ausschreibung gemeldet haben sollen. Aus dieser imponierenden Anzahl von Bewerbern hat OB Geisel nun mit Pascal Heithorn einen „proverbial rabbit“ präsentiert. Wie ist diese Entscheidung, die viele erfahrene Beobachter auf dem falschen Fuß erwischt hat, zu bewerten?

Nicht der einfache Weg

Sicher ist eines: OB Geisel hat mit seiner auf erste Sicht unorthodoxen Auswahl nicht den Weg des geringsten Widerstandes gewählt; die Ernennung eines Verwaltungs¬fachmanns mit Parteibuch hätte jedenfalls innerpolitisch weniger Angriffsfläche geboten.

Das Sportamt war mit Udo Skalnik viele Jahre in der Hand der SPD, die sich nach eigener Einschätzung gegenwärtig bei den Dezernenten- und Amtsleiterstellen ohnehin bereits unterrepräsentiert sieht. Heithorn hingegen ist parteilos. Geisel hatte im Wahlkampf versprochen, dass bei der Neubesetzung von Stellen für ihn Qualifikation Vorrang vor Parteibuch haben solle.

Auch wenn dem Vernehmen nach die Personalie Heithorn sowohl innerhalb der SPD als auch bei den Koalitionspartnern auf breite Zustimmung trifft, so dürfte als Begleiterscheinung ein gewisses parteiinternes „Grummeln“ darüber, dass man eine weitere Amtsleiterstelle aus SPD-Hand gegeben hat, sicher sein.

Zudem verfügt Heithorn - wie Geisel selbst - bei Amtsantritt über keinerlei Verwaltungserfahrung, was - gerade in der ersten Zeit - die Gefahr handwerklicher und inhaltlicher Fehler möglicherweise erhöhen könnte. Geisel setzt hier offenbar darauf, dass man Verwaltung lernen kann und auch fraktionsübergreifend anerkannte Verwaltungsexperten und altgediente Fahrensleute aus den Reihen des Sportamtes sich im Zuge einer veränderten, offenen Arbeitsatmosphäre in der Verwaltung gegenüber der neuen Amtsleitung offen zeigen und positiv in die weitere Entwicklung einbringen.

Keine leichte Aufgabe – Sportstadt und Sportamt schon länger in der Kritik

Gemeinsame Anstrengungen werden auch nötig sein, denn das Sportamt steht vor substantiellen Herausforderungen, deren genaue Analyse OB Geisel dazu veranlasst haben dürfte, die Personalie Heithorn durchzusetzen. Die Sportstadt Düsseldorf ist zuletzt massiv in die Kritik geraten.

Sowohl in der Düsseldorfer Vereinslandschaft als z. B. auch in den Düsseldorfer Medien (vgl. beispielhaft zuletzt wieder RP-Artikel v. 26.04.14: „Sportstadt braucht neuen Schub“, v. 31.12.14: „Das Ende der Sportstadt“ und v. 12.01.15: „Ein Plädoyer für mehr Sportstadt“ oder WZ v. 25.11.13: „Düsseldorfs Profisport in der Krise“) oder durch den Düsseldorfer Sportförderer Peter Kluth (vgl. NRZ-Interview v. 13.06.14: „Die Sportstadt ist ein Treppenwitz“) sind der Status Quo bemängelt und laute Rufe nach Veränderungen erhoben worden.

Ungeachtet jüngster Hoffnungsschimmer, insbesondere in etwa der tollen Entwicklung des Düsseldorfer Hockey-Clubs und der sportlich verbesserten Situation und Stimmung bei den Heimspielen der DEG, erscheint dringender Handlungsbedarf indiziert. In den Fokus der Kritik geraten sind vor allem auch immer wieder einzelne Bereiche des Sportamtes. Moniert wird immer wieder, Teile des Sportamtes arbeiteten nicht zügig und nicht dienstleistungsorientiert.

Nicht selten würden Entscheidungen seitens des Amtes zu Lasten von Vereinen getroffen, ohne dass es vorher lösungsorientierte Gespräche zwischen den Beteiligten gegeben habe; es mangele an erforderlicher Kommunikation. Insbesondere auch ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern ist häufig eine gewisse Irritation bei Gesprächen über das Sportamt anzuhören, selbst das Wort „Verhinderungsmentalität“ fällt ab und an.

Zuletzt soll auch auch die PSD-Bank, einer der größten Förderer des Düsseldorfer Sports aus der privaten Wirtschaft (z. B. DEG und Leichtathletik-Meeting), „erstaunt“ gewesen sein über einzelne Auflagen des Sportamtes im Zusammenhang mit dem PSD-Meeting in der Arena-Sporthalle, einem der weltweit führenden Hallenleichtathletik-Wettkämpfe.

Die tatsächliche Situation und ihrer Hintergründe, gerade auch hinsichtlich von Einzelfällen, lassen sich von außen sicherlich nicht fundiert und abschließend beurteilen. Auch wird zugunsten des Sportamtes zu berücksichtigen sein, dass einige neuralgische Bereiche möglicherweise personell unterbesetzt sind und sich auch zahlreiche Mitarbeiter des Amtes weit Übergebühr einsetzen. Unabhängig von alldem erscheint der akute Bedarf nach Änderungen und Neuerungen unstreitig, wie selbst von Mitarbeitern des Sportamtes zu hören sein soll.

Analyse / Herausforderungen

In Anbetracht der gegenwärtigen Situation werden fundierte Ansätze für die Personalie Heithorn offenbar. Rufe aus Kreisen des Düsseldorfer Sports nach einem „frischen Wind“ für das Sportamt – gerne auch einmal durch eine „verwaltungsexterne Lösung“ – sollen zuletzt deutlich vernehmbar gewesen sein. Heithorn ist gebürtiger Düsseldorfer und politisch unvorbelastet. Er kommt aus einer Sportlerfamilie, hat als ehemaliger Leichtathlet die Düsseldorfer Vereinsseite erfahren und verfügt auch dank seiner Tätigkeit bei Center TV über detaillierte Kenntnisse des Breiten- und Leistungssports.

Er gilt als sehr gut vernetzt in nahezu allen relevanten Bereichen und als angenehm im Umgang. Zudem dürften Heithorn sicherlich zahlreiche Düsseldorfer Vereine, über die er in der Vergangenheit in vielfältiger Weise berichtet hat, einen Sympathie-Vorschuss entgegenbringen.

Abzuwarten bleibt, ob Heithorn die notwendige Durchsetzungs- und Überzeugungskraft besitzt, um die erforderlichen Maßnahmen innerhalb des Sportamtes zeitnah mit Bestimmtheit und Augenmaß umzusetzen.

Sportamtsintern dürfte die ein oder andere Klippe warten und auch nicht jeder im Amt wird sich naturgemäß über frischen Wind freuen. Im Sinne des Düsseldorfer Sports wäre es ebenso wichtig wie erfreulich, wenn Heithorn diese für ihn größte Herausforderung und Gefahr meistern kann. Sollte ihm dies gelingen, bietet sich vor allem auch die Möglichkeit, auf breitem Flur erforderliche strukturelle Veränderungen in der Düsseldorfer Sportverwaltung und    -förderung voranzutreiben. Denn das Umfeld hierfür ist günstig wie lange nicht mehr.

OB Thomas Geisel, zurzeit mit zahlreichen anderweitigen Themen zugange, vermittelt bislang zumindest einen deutlich sportaffineren Eindruck als sein Vorgänger Dirk Elbers und scheint grundsätzlich willens, eine qualitative Aufwertung der „Sportstadt“ mitzutragen. Der Sportausschuss im Rat gilt als äußerst konstruktives und von politischen Manövern weitestgehend befreites Gremium.

Mit Dezernent Burkhard Hintzsche, Martin Ammermann (Vorgänger von Heithorn bei Center TV) als für den Bereich „Sport“ zuständigem Geschäftsführer bei der MesseCongress und Ulrich Wolter als Geschäftsführer des Stadtsportbundes finden sich weitere Personen an maßgeblichen Schaltstellen des Düsseldorfer Sports, die - wie Heithorn - als menschlich komplikationsfrei, sachkompetent und engagiert gelten. Allen Genannten wird darüber hinaus ein sehr positives und konstruktives persönliches Verhältnis untereinander nachgesagt.

Die in der Vergangenheit häufig bemängelten Kommunikationsdefizite und Geplänkel zwischen den zuständigen städtischen bzw. stadtnahen Stellen sollten sich hierdurch möglichst eliminieren, zumindest aber reduzieren lassen. Dies könnte auch die Bereitschaft und Beweglichkeit fördern, zügig und kooperativ dringend erforderliche Maßnahmen einzuleiten.

Die Verantwortlichen müssen die für eine Sportstadt erforderlichen Strukturen weiter festigen bzw. teils neu aufbauen. Dabei bestünde auch Gelegenheit, die Arbeits- und Verantwortungsbereiche der einzelnen Stellen einmal klar zu konturieren und abzugrenzen; hier hat man in der Vergangenheit gerade auch von Vereinsseite immer wieder Klagen über Überschneidungen und nicht klar ersichtliche Verantwortungsbereiche und Ansprechpartner vernehmen können.

Wie aus dem Rathaus zu hören ist, habe man auf die Personalie Heithorn ungewöhnlich viel positives Feedback, gerade auch von Seiten der Vereine, erhalten. Die Ernennung von Pascal Heithorn zum Leiter des Sportamtes könnte sich daher möglicherweise in absehbarer Zeit als durchweg gelungene Personalplanung Geisel’s erweisen, soweit alle Beteiligten an einem Strang ziehen und Heithorn inhaltlich den Vorschusslorbeeren gerecht werden kann.

Vielleicht kommt ja jetzt die von der Düsseldorfer Sportszene lang ersehnte Aufbruchsstimmung auf.