09.10.2017
70 Jahre GEW Düsseldorf mit Feier und Rückblick

70 Jahre GEW Düsseldorf: Vieles bleibt aktuell – Hilfe für geflohene Kollegen

Das Leitungsteam der GEW Düsseldorf mit (v.l.) Klaus Kühnen, Gabriella Lorusso, und Dr. Sylvia Burkert. / Foto GEW Düsseldorf

Als 1947 die GEW Düsseldorf gegründet wurde, stand auf der Tagesordnung der ersten Sitzung die „gehaltliche Gleichstellung“ für Lehrerinnen und jene für „Leibesübungen für Knaben.“ Es gab Themen bis in die 70er und 80er Jahren, die heute immer noch aktuell sind. 40 Jahre alt ist inzwischen die Stadtzeitung der GEW Düsseldorf geworden. Das Jubiläum und etliche Jubilare feierte der Stadtverband Ende September mit einer herzlichen und durch die Band „Fischgesichter“ musikalisch peppigen Feier.

Dr. Sylvia Burkert vom Leitungsteam blätterte anhand von alten Tagesordnungen und Fotos die Geschichte der GEW Düsseldorf auf. Erst ab 1977 gab es die „Stadtzeitung“ der hiesigen GEW, in der die historischen Themen abzulesen sind. Was heißt schon historisch:

Schon in den 70er Jahren hieß das Topthema „Gesamtschulen“ und die Forderung der GEW: Chancengleichheit lässt sich nur in Gesamtschulen verwirklichen.

In der „Nummer 2“ der Stadtzeitung ging es dann gegen die damalige Lehrerarbeitslosigkeit.

Und das noch heute aktuelle Thema der 70er Jahre: Für bessere und angemessene Honorare der Dozenten an der VHS.

Daneben wurde zudem die dem Mangel zugrunde liegende Sparpolitik – noch heute aktuell - kritisiert: Zu hohe Klassenfrequenzen, Lehrermangel und mangelnde Ausstattung. Das traf in den 70ern auch auf die Gesamtschulen zu.

Im Rückblick des Chronisten: Die Konservativen, also meist die CDU, haben sich auch in Düsseldorf immer vehement gegen Gesamtschulen gewehrt. In Düsseldorf gibt es erst seit dem Wechsel zu SPD-Verwaltungsspitze mit Thomas Geisel eine neue Gesamtschule – die die SPD und auch die Grünen seit Jahren gefordert hatten. (Es gab schließlich mehrere Jahre jeweils um 250 abgewiesenen Kinder bei Anmeldungen an Gesamtschulen.)

Auch 1978 und `79, so Dr. Burkert im Rückblick, blieb das Thema Kritik an der Sparpolitik und dem Lehrermangel akut, damals „Sparschweinpolitik“genannt. Allein 1983 zählte die Statistik 40.000 arbeitslose Lehrer. 1977 kam das „Berufsverbot“ gegen etliche Lehrer hinzu, die schlichtweg in der falschen linken Partei Mitglied waren.

1981 war die Friedenstaube das Symbol und der Ostermarsch gegen die Nato-Aufrüstung beherrschendes Thema auch bei der Bildungsgewerkschaft.

Bereits 1987 gab es einen Brandanschlag mit rechtsradikalem Hintergrund, nach dem verheerenden Brandanschlag 1992 in Solingen ging auch die GEW Düsseldorf in der großen Demonstration in Düsseldorf auf die Straße. Gegen Rassismus und Faschismus aufzustehen, ist auch heute noch Selbstverständlichkeit für die Gewerkschaft, etwa im Bündnis DSSQ (Düsseldorf stellt sich quer).

Aktuell ist auch die Hilfe für die Geflüchteten aus Syrien, aus Afghanistan und dem Iran, machte Dr. Burkert deutlich.

Hilfe für geflohene Kollegen

Lehrer Harald Pietsch berichtete dazu über seine Hilfe für türkische und kurdische Kollegen, darunter ein Lehrer aus dem Iran, der nach Deutschland geflüchtet war – und dem Pietsch tatkräftig hilft. Der Kollege habe sich in der Hoffnung auf den arabischen „Frühling“ Anfang 2000 im Iran für bessere Schulen und die kurdische Sprache eingesetzt. Aber der arabische „politische Frühling“ war schnell zu Ende: Ein Lehrer wurde zum Tode verurteilt, der Kollege zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und vom iranischen Geheimdienst gefoltert. Im Oktober 2015 wurde er mit Frau und Tochter verhaftet, ihm drohte wegen angeblicher Spionage und Geheimnisverrat die Todesstrafe. Er floh und kam nach Düsseldorf. Ende September dann konnte sich auch die ganze Familie wieder in den Armen liegen, berichtete Pietsch erfreut.

Er hatte den Kollegen aus eigener Tasche unterstützt, bei einer Sammlung bei der GEW-Feier kam dann doch eine ansehnliche Summe zusammen.

Den Abschluss der Feier machte zunächst die Ehrung der JubilarInnen für 25 und sogar 40 Jahre Mitgliedschaft in der GEW.

Und dann kam der gelungene musikalische Abschluss der Feier im Gewerkschaftshaus: Die „Fischgesichter“ spielten auf und bekamen viel Beifall – und da wurde auch klar: LehrerInnen und GewerkschafterInnen können feiern – und auch tanzen.

Link:

www.gew-duesseldorf.de

(Text Jo Achim Geschke – Nachtrag wegen technischer Probleme wie etwa Ausfall der Fotos durch Verlust des Smartphones.)