11.02.2016
Eröffnung Aquazoo erst 2017 – Hintergrund und Details

Aquazoo: Modernisierung dauert länger, wird teurer als geplant

Wasseraufbereitung im Aquazoo / Foto Stadt I. Lammert

Der Aquazoo am Nordpark wird erst im März 2017 nach der Erneuerung wieder eröffnen können. Außerdem wird die Modernisierung des beliebten Ausflugsziels, in dem etwa Schulklassen viel Neues und Ungewöhnliches über Tiere lernen können, mit jetzt prognostizierten 18,8 Millionen € rund 3,3 Millionen Euro mehr kosten als geplant. Die Stadt prüft zurzeit Regressanforderungen gegen ein Planungsbüro für das Projekt, das bereits 2013 vom Rat beschlossen wurde.

Der Aquazoo wurde von 1985 bis 1987 gebaut und hatte nach einer Betriebszeit von etwa 25 Jahren dem Alter entsprechende, vor allem technische Mängel, die nicht im Rahmen des Bauunterhaltes beseitigt werden konnten. Die maximale Lebensdauer der technischen Aggregate, wie zum Beispiel die der Lüftungsanlagen, der Kältemaschinen und Kessel, aber auch die der Verglasungen der Glaspyramiden, des Flachdaches und der Dichtungsbänder in der Granitfassade zum Teil überschritten. Erste Sofortmaßnahmen im Bereich der Haustechnik waren erforderlich. Die Sanierung des Flachdachs wurde ebenfalls vorgezogen, um größere Schäden an Bauwerk und Tiergehegen zu verhindern.

Die vom Rat der Stadt im Juli 2013 beschlossenen Kosten für Modernisierung und Sanierung betrugen rund 13 Millionen Euro. In diesem Betrag ist eine Zuwendung des Freundeskreises Löbbecke-Museum und Aquazoo, Gesellschaft der Zoofreunde e.V. in Höhe von 1,8 Millionen Euro enthalten.

Im März 2014 wurde nach Auslagerung der Tiere in andere Zoos oder Ersatzgehege und Aquarien im Haus mit der Sanierung begonnen.

Die Gründe für Kostensteigerungen und Bauzeitverlängerung resultieren hauptsächlich aus zusätzlich notwendigen Arbeiten, die sich erst im Laufe der Bauarbeiten erkennen ließen. So wurden weitere Schadstoffe und für die Tiere schädliche Substanzen in Oberflächenbeschichtungen gefunden, die in dem ursprünglich als Planungsgrundlage dienenden Gutachten nicht aufgeführt waren. Anlagenteile der Haustechnik wurden in einem weitaus schlechteren Zustand vorgefunden, als im Zuge der im laufenden Betrieb erfolgten Untersuchungen zur Bestandsaufnahme ersichtlich war. Darüber hinaus müssen einige größere Aquarienscheiben nach Ausbau und statischer Untersuchung ausgetauscht werden.

Die Insolvenz einer ausführenden Firma im Gewerk Trockenbau sorgte für weitere zeitliche Verzögerungen. Die längere Bauzeit führt zu Mehrkosten wegen erhöhtem Personalaufwand und der verlängerten Baustelleneinrichtung, Winterbaumaßnahmen und Lagerkosten für die Ausstellungsobjekte. Ein Großteil der Kosten- und Terminüberschreitungen ergab sich aus Sicht der Stadt wegen Planungsdefiziten eines Fachplanungsbüros. Hier werden mögliche Regressansprüche der Stadt geprüft.

Im Zuge ursprünglich nicht geplanter, aber erforderlicher Anlagenerneuerungen sind jedoch auch Gebrauchswertverbesserungen realisiert worden, zum Beispiel Änderungen in der Wassertechnik, Verwendung modernerer Filtermaterialien, effizientere Pumpentechnik etc.

Kosten steigen

Die geschilderten Umstände führten dazu, dass der Rat der Stadt im Juni 2015 einen Änderungsbeschluss verbunden mit einer Budgeterhöhung auf 15,5 Millionen Euro fassen musste. Zudem wurde die Projektsteuerung durch die Beauftragung weiterer externer Fachbüros verstärkt.

In den letzten Monaten wurden dann weitere erhebliche Kostenabweichungen ermittelt – besonders im Bereich zusätzlicher Mess-, Steuerungs- und Regeltechniken. Der entsprechende Änderungsbeschluss, der Mehrkosten über 3,3 Millionen Euro vorsieht, soll am 23. Februar 2016 im Bauausschuss beraten werden. Die Gesamtkosten werden nach dieser aktuellen Prognose bei 18,8 Millionen Euro liegen.

Terminplan Die Eröffnung hängt grundsätzlich von der Baufertigstellung und der Übergabe des funktionierenden Gebäudes an den Aquazoo ab. Daran anschließend benötigt der Aquazoo Zeit für die Einrichtung der Gehege und Aquarien; bestimmte Bereiche können aber bereits in der Endphase der Bauarbeiten begonnen werden, so zum Beispiel die Einrichtung des Landreviers. Diese Arbeiten erfolgen momentan und sollen bis November 2016 abgeschlossen werden. Anders sieht es bei der Einrichtung der Süßwasser- und Meerwasserreviere aus: Die Planung der Wassertechnik sah vor, dass die verschiedenen MSR-Bereiche (Messen-Steuern-Regeln) und Anlagen des Wasserreviers zu gestaffelten Terminen in Betrieb genommen werden. Aufgrund der noch nicht abschließend ausgeführten MSR-Arbeiten kann jedoch in keinem Bereich (Aquarien und wasserführende Großanlagen), wie ursprünglich geplant, eine schrittweise Inbetriebnahme der Wassertechnik erfolgen. Da die MSR-Technik gebündelt erst im Juni zur Verfügung steht, kann der Aquazoo nicht vorarbeiten und musste seine Einzugsplanung anpassen. Geplante Wiedereröffnung Nach den aktuellen Bauzeitplänen ist mit der Beendigung der Bauarbeiten Ende März 2016 zu rechnen und mit der Fertigstellung der hochkomplexen – aber für die Wasserreviere entscheidenden Mess-, Steuer- und Regeltechnik – im Juni 2016. Ab diesem Zeitpunkt kann mit der Einrichtung der Wasserreviere begonnen werden. Die Wiedereröffnung des Aquazoos ist unter Berücksichtigung der aktuellen Terminpläne für März 2017 avisiert.