17.02.2015
Rosenmontagszug erste Bilanz

Brillante Mottowagen mit Plädoyers für Freiheit und Humanität

Mottowagen Charlie Hebdo - alle Fotos Jo Geschke / NDOZ

Traumhaftes Wetter, traumhafte Stimmung, traumhaft gute Zugwagen, und alle „traumhaft jeck“ - alles in allem ein traumhaft guter Rosenmontagszug. Die Mottowagen von Jacques Tilly und seinem Team stachen durch Kritik und Biss in Fernsehen von Tagesschau über „ZDF heute“ bis sogar zum WDR als die besten Kommentare zum alltäglichen Wahnsinn heraus.

OB Thomas Geisel kam diesmal als Robin Hood, und seine Gattin Vera als "Lady Marian" und empfingen im Rathaus Prinz Christian II. (Christian Zeelen) und Venetia Claudia (Claudia Monréal) sowie CC Präsident Josef Hinkel – und eine große meist verkleidete Schar von Prominenten und Bekannten und Sponsoren des Zugs.

 Dezernent Burhard Hintzsche

Dezernent Burkhard Hintzsche war mit lila Perücke und langem schwarzen Möhnekleid  kaum zu erkennen, Bürgermeister Günther Karen-Jungen schritt in rötlichen Farben würdevoll und kaum gegrüßt hinter einem Schnurrbart herum, völlig unerkannt blieb Bürgermeisterin Claudia Zepuntke als grün-blauer Paradiesvogel mit rotem Schnabel, dagegen kamen Ratsherr Martin Volkenrath und Frau unter roter Mütze und blau-weiß-roter Kokarde als französische Revolutionäre mit „Charlie Hebdo“-Schild noch eicht erkennbar durch die Gänge im Rathaus und auf die Tribüne unter dem Banner „Für Humanität, Respekt und Vielfalt.“

Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke

Jacques Tilly und seine Wagenbauer  hatten bis zur letzten Minute an den Großskulpturen gearbeitet. Herausragend der Wagen zu „Charlie Hebdo“ mit der Aufschrift "Satire kann man nicht töten!".  Und die Tilly-Crew brachte auch den „wahren Untergang des Abendlands“  auf einen Wagen, nämlich die Tragödie der ertrinkenden Flüchtlinge im Mittelmeer. Ebenso brandaktuell: Der griechische Premier Tsipras zielt mit einer Zwille auf den Zyklop Angela Merkel – Homer lässt grüßen. Ein Wagen mit einem Teufel, der völlig kraftlos aus dem schwarz-rot-goldenen Karton (die Büchse der Pandora? ) fällt, trug die Aufschrift „Pegida – aus die Maus“.   Leider ist es mit der Plage aber noch nicht vorbei. Weitere Themen: Der Terror der IS und die Krise in der Ukraine – die wohl nicht von einer Friedenstaube gestoppt ist. Und OB Geisel schaute tief in die leere Stadtkasse - worüber Geisel zumindest herzhaft lachen konnte.

 

Auch das von vielen abgelehnte Abkommen TTIP fand Platz auf einem Wagen.  Der Wagen des Comitees Carneval (CC) mit Köpfen von Moslems, Christen, Juden und sogar Atheisten warb für Toleranz und Miteinander – und gab den Nörglern gegen das manchmal laute Brauchtum keine Chance. Viele Karnevalsvereine hatten ihre Wagen selbst gebaut, und auch deren Kunst war bewundernswert.

Die Hauptdarsteller des Düsseldorfer Karnevals neben den Hunderttausenden Jecken am fünf Kilometer langen Zugweg:  74 Wagen, über 28 Kapellen und rund 5.000 mittendrin das Prinzenpaar mit Prinz Christian II. und ihrer Lieblichkeit Venetia Claudia, die vom Prinzenwagen aus ihrem Volk zujubelten.

Für Polizei und Ordnungsdienst OSD insgesamt friedlich

"Für uns war es bisher ein friedlicher Rosenmontag bei schönstem Wetter", so die Zwischenbilanz von Polizeisprecher Andreas Czogalla, nachdem der letzte Wagen das Rathaus passiert hatte. Auch vom OSD aus gab es eine einigemaßen positive erste Bilanz.  Dazu gehörten allerdings auch wieder mehr als 170 erwischte so genannte Wildpinkler (Vorjahr: 200).

Die Feuerwehr war wie im Vorjahr mit 155 Einsatzkräften im "Alarmdienst" – mit dem "Einsatzleiter Veranstaltung", zwei zusätzlichen Disponenten und einem weiteren Lagedienstführer in der Leitstelle..

Mit fünf Unfallhilfsstellen  sowie drei mobilen zusätzlichen Rettungswachen hatten sich die vier Hilfsorganisationen unter Führung des Deutschen Roten Kreuzes gut gewappnet.  293 Frauen und Männer der Hilfsorganisationen waren am Rosenmontag im Einsatz (Vorjahr: 279), darunter neun Ärzte mit einem Leitenden Notarzt. Der Sanitäts- und Rettungsdienst hatte – wie bei Großveranstaltungen dieser Art üblich – bis zum Zug-Ende mit 166 (Vorjahr: 112) Einsätzen im gesamten Stadtgebiet gut zu tun. Bis um 16 Uhr gab es 66 (49) Hilfeleistungen in den Unfallhilfsstellen am Rande des Rosenmontagszuges. 29 (14) Mal mussten Patienten ins Krankenhaus transportiert werden. An Glasscherben verletzten sich drei Narren – 2014 waren es zu diesem Zeitpunkt drei.  Die Bilanz zum Einsatz gegen Falschparker:18 Mal (Vorjahr: 23) landeten Pkw während des Rosenmontagszuges am Haken (Stand: 17.30 Uhr).

Nach Auflösung des Rosenmontagszuges kam es gegen 15.44 Uhr an der Friedrichstraße zu einem Verkehrsunfall, bei dem eine Ordnerin verletzt wurde. Die Frau wurde von einem Zugfahrzeug erfasst. Nach der ersten Behandlung am Unfallort durch den Rettungsdienst kam sie zur weiteren Untersuchung in die Uni-Klinik Düsseldorf.