18.11.2014
Konjunkturumfrage der IHK

IHK Umfrage : Konjunktur lahmt

Dunkle Wolken über Ex- und Import-Containern am Hafen, Foto Jo Geschke

Abflauende Inlandsnachfrage, weniger Investitionsneigung der Unternehmen, Europas Wirtschaft schwächelt – Nachrichten, die auch den Düsseldorfer Kämmerer nicht freuen dürften, denn sie deuten auf weniger Steuereinnahmen hin. „Das Konjunkturklima im Rheinland hat sich merklich abgekühlt“, mit diesen Worten fasst Dr. Udo Siepmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, die Konjunkturumfrage der sechs rheinischen Industrie- und Handelskammern (Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Köln, Mittlerer Niederrhein und Wuppertal-Solingen-Remscheid) bei knapp 2.400 Unternehmen mit ca. 250.000 Beschäftigten zwischen Aachen und Windeck, Maas und Wupper zusammen.

Rechneten die Unternehmen noch zu Jahresbeginn fest damit, dass sich der Aufschwung beschleunigt, so kam es im Jahresverlauf anders. Die Konjunkturlage hat sich nicht verbessert. Allerdings ist sie bislang auch nur wenig schlechter geworden. Ihre weiteren Konjunkturperspektiven sehen die rheinischen Unternehmen nun aber erheblich skeptischer als zuvor. Deshalb ist der aus Lage und Erwartungen zusammengefasste IHK-Konjunkturklimaindex um neun Prozentpunkte gefallen. Mit jetzt noch gut 116 Punkten übertrifft er zwar immer noch deutlich seine neutrale 100-Punkte-Marke, liegt aber nur noch wenig über dem langjährigen Durchschnitt von 112 Punkten. Gründe für diese Entwicklung sieht Siepmann vor allem im Ausland: „Positive Nachrichten kommen eigentlich nur aus den USA, die ihre Krise anscheinend überwunden haben. Europa verharrt in einer Wachstumsschwäche, insbesondere bei seinen Schwergewichten. Die Schwellenländer konnten ihr Tempo nicht halten, und die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten eskalierten.“ Entsprechend hätten sich die Exporterwartungen insgesamt abgeschwächt. „Das wiederum hat die zu Jahresbeginn noch leicht anziehende Investitionsneigung erneut gedämpft. Auch fehlt es der Wirtschaft im Rheinland spürbar an Impulsen aus der Inlandsnachfrage“, so Siepmann weiter. Zudem setze die Bundesregierung mehr auf neue Belastungen wie die Mütterrente, die Rente mit 63 oder den Mindestlohn, als auf mehr Investitionen und Entlastungen der Unternehmen. Nicht zuletzt hätten die Tarifkonflikte im Verkehrssektor die eng verflochtene rheinische Wirtschaft zusätzlich belastet.

Insgesamt berichteten zwölf Prozent aller Betriebe über schlechte Geschäfte, 37 Prozent (Jahresbeginn: 38 Prozent) bezeichneten ihre Lage dagegen weiterhin als gut. Für das kommende Jahr gingen fast 60 Prozent der Unternehmen von einer unveränderten Situation aus, während der Anteil der Pessimisten von elf auf 16 Prozent gestiegen sei. Dass sich ihre Lage 2015 spürbar verbessere, glauben aktuell nur noch 25 Prozent der Unternehmen (Jahresbeginn: 35 Prozent). „Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass viele Betriebe ihre Investitionspläne deutlich reduziert haben“, erläutert Siepmann. Die Zahl der Unternehmen, die investieren wollten, liege nur noch um knapp fünf Prozentpunkte (Jahresbeginn: zwölf Punkte) höher als die derjenigen, die ihre Budgets zurückschrauben wollten. Auch das niedrige Zinsniveau werde kaum dazu beitragen, die Investitionstätigkeit anzukurbeln.

Aktuell würden für gut die Hälfte aller Unternehmen die größten Risiken in der Entwicklung der Inlandsnachfrage sowie für knapp die Hälfte in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen liegen. Fast jeder zweite Industriebetrieb sorge sich darüber hinaus um die Auslandsnachfrage. Das seien jeweils deutlich mehr als noch zu Jahresbeginn. Sehr verhalten seien deshalb die Beschäftigungspläne der rheinischen Wirtschaft, immerhin per Saldo aber noch nicht negativ. Angesichts der eingetrübten Perspektiven und der gestiegenen Konjunkturrisiken stehe jedoch zu befürchten, dass der Beschäftigungsaufbau (vorerst) zum Stillstand kommen werde. Allenfalls von den Dienstleistern dürften noch merkliche Beschäftigungseffekte ausgehen. „Die rheinische Wirtschaft beurteilt die Konjunkturrisiken anders als noch zu Jahresbeginn. Daher ist es jetzt besonders wichtig, für funktionierende Rahmenbedingungen zu sorgen“, ergänzt Ulf C. Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, "hierzu gehören besonders ein funktionierendes Baustellenmanagement auf den Verkehrswegen, aber auch der flächendeckende Breitbandausbau. Die eng vernetzte rheinische Wirtschaft braucht eine gute Infrastruktur!".