12.06.2018
Freiluftkonzerte an der Messe - Fakten und Kommentar

Aus für Freiluft-Konzerte in Düsseldorf ? UPDATE Morgige Sitzung abgesagt UPDATE - Detailliertes Sicherheits- und Verkehrs-Konzept findet wohl keine Zustimmung – Bericht und Kommentar

Pressekonferenz zum Parkplatz-Konzert mit (von li.) Planungsdezernentin Cornelia Zuschke, OB Thomas Geisel, Michael Brill von D.Live und weiteren / Foto Jo Achim Geschke

UPDATE UPDATE + + + Die morgige Sitzung des APS etc ist abgesagt – eine neue Vorlage wird am 27. Juni vorgelegt – Die CDU lehnt das Konzept für Freiluft-Konzerte auf einem Messeparkplatz ab. Heute Mittag erläuterte OB Thomas Geisel (SPD) mit allen Experten und Beteiligten das Konzept, darunter Feuerwehr, Planungsdezernentin, Feuerwehr und Umweltdezernentin, dem Chef de D.Live Veranstalter der Stadt, Sicherheits- und Verkehrsexperten. Fazit: Unter anderem Feuerwehrchef David von der Lieth betonte, dass wie bei Kirmes und Rosenmontagszügen, Messen und Großveranstaltungen an dem – auch den Parteien bekannten – Konzept für Freiluftkonzerte auf dem Messeparkplatz wohl kaum etwas auszusetzen sei. OB Geisel äußerste höflich, er sei „einigermaßen betroffen“ von der Meinung der CDU. Experten und er hätten die Parteien bereits Ende Februar frühzeitig über das Konzept informiert. Nach Informationen von NDOZ.de wird die für morgen angesetzte Sitzung des Planungsausschusses sowie weiterer Ausschüsse zum Konzert heute noch abgesagt.

Die Chance, eines der attraktivsten Freiluft-Areale für Konzerte Deutschlands in Düsseldorf einzurichten, ist nach dem nickeligen Nein der CDU sowie der Ablehnung der Grünen fast dahin. Und sorgt für Kopfschütteln in ganz Deutschland. (SPD und FDP begrüßen Freiluftkonzerte.)

UPDATE + + + Die Verwaltung zieht die Vorlage zu dem geplanten Ed Sheeran Konzert zunächst zurück, eine neue kommt am 27. Juni in den Planungsausschuss (APS). In der soll nach Infomrationen vonNDOZ.de eine Genehmigung erteilt werden, dass alle Auflagen durch den Veranstalter bis zum 27. Juni erfüllt sind. Die morgige Sitzung ist also gegenstandslos. Für den Veranstalter, so heißt es aus dem Rathaus, ändere sich ansonsten nichts.

Mit dieser Vorlage für den nächsten APS wird auch das Argument der CDU entkräftet, es sei nicht genug Zeit zur Prüfung der Unterlagen etwa aus sicherheitstechnischer Sicht.

Zunächst mal die Fakten:

Der international gefeierte Musiker Ed Sheeran wollte zunächst in Mühlheim auftreten, 85.000 Karten snd bestellt. Mühlheim war unter anderen zu klein. Die Düsseldorfer „D.Live“, als Stadttochter die Hallen, Congress- und Sport-Verwaltung, will nun zunächst Ed Sheeran nach Düsseldorf holen. Der dafür vorgesehene Messerparkplatz soll auch für künftige Freiluft-Konzerte eingerichtet werden. Michael Brill von „D.Live“ machte in der gestrigen Pressekonferenz deutlich: Die klassischen Hallen-Konzerte sind nicht mehr so beliebt, „Urbane Festivals“ als Live-Konzerte hätten eine enorme Nachfrage. Der Messeparkplatz könne die „größte urbane Eventfläche in NRW werden“ und damit in ganz Deutschland, und böte der Stadt ein Alleinstellungsmerkmal und Vorteile gegenüber der Musik- und Konzertstadt Köln.

Die Veranstalter des zunächst ersten Konzerts, FKP Scorpio, sind mit die größten in Deutschland, laut Geschäftsführer Folkert Koopmanns organisiert FKP Scorpio allein in diesem Jahr europaweit 30 Großkonzerte mit 30.000 bis 80.000 Besuchern. Koopmanns macht allerdings auch unmissverständlich klar: Wenn das erste Open-Air-Konzert mit Ed Sheeran scheitert, könne Düsseldorf in den kommenden Tourneeplanungen nicht mehr berücksichtigt werden.

Protest erhob sich im Mai gegen die Veranstaltung auf dem Messeparkplatz, weil dort 104 Bäume gefällt werden sollen. Allerdings ist der Parkplatz verständlicher weise großenteils versiegelt, wird bei Messen wie „Boot“ oder „Caravan“ als Parkplatz benutzt.

Bei einer Absage, so D.Live-Chef Brill, wäre dies „ein erheblicher Reputaionsschaden für Düsseldorf, zumal sachliche Grüne nicht dagegen sprechen und die Fläche nahezu optimal ist.“ Brill machte ebenso wie Veranstalter FKP Scorpio klar, es sei brachenüblich, dass eine Genehmigung erst im Laufe des Vorverkaufs erteilt werde.

Verkehr

Daniel Schlatter, Beauftragter für die Verkehrskonzeption, erläuterte das Konzept für den Verkehrsfluss. Eine Online-Plattform informiert und lenkt alle Kartenkäufer und Anreisende sowie die anfahrenden Busse. Stellflächen und Shuttlebusse würden an der Messe bereit gestellt. So sollen 225 Reisebusse und 12.750 Personen sowie 9000 PKW mit 22.500 Personen ebenso eine Lenkung geben wie für 2400 Radfahrer. Außerdem stehe noch ein „Puffer“ von 3000 Parkplätzen zur Verfügung.

Hauke Schmidt, Koordinator für Sicherheit, erläuterte die vorgesehenen Flächen für Taxen, private Autos, Anreisende mit ÖPNV etc. Für Krisenfälle sei die Messehalle 8 a und 8 b vorgesehen.

Sicherheit

Die Feuerwehr hat bei allen Rosenmontagszügen, bei der Rheinkirmes mit knapp einer Million Besucher, oder Veranstaltungen in der Arena große Erfahrungen gesammelt. „Wir sehen uns bei allen unseren Anforderungen [an die Sicherheit, Red.] bestätigt“, betonte Feuerwehrchef David von der Lieth. Aus Sicht der Feuerwehr gibt es eine „durchgehendes Kommunikationskonzept“ und es wurden „keine Kompromisse bei der Planung gemacht von Beginn an.“

Wie geht es weiter?

Am morgigen Mittwoch sollten Planungsausschuss, Ordnungs- und Verkehrsausschuss sowie BV 5 und 2 weitere Ausschüsse im Rathaus (ab 16:30 Uhr) tagen. Die Mehrheit müsste einer Befreiung nach Art der Nutzung beschließen. Sollten die Parteien CDU, Grüne, Linke und andre bei ihrer Ablehnung bleiben, wäre dies einmalig für eine Konzertveranstaltung in Deutschland. Der Rat am Donnerstag, 14. Juni, wird dann wohl ebenso abstimmen. Heute wurde bekannt, dass die Sitzung abgesagt wird.

Kommentar

Willkommen in der spießigen Provinz. Dass eine Open-Air-Konzertfläche aus politischen Ränkespielen abgelehnt wird, dürfte einmalig sein in Deutschland. Aber narzistische Kränkungen wirken, in der psychologischen Literatur seit Freud viel beschrieben, lange nach. Die CDU hat wohl noch immer nicht überwunden, dass 2014 eine CDU-Spitze von der SPD abgelöst wurde. Die CDU hat allerdings schon mehrfach ihre politischen Interessen über das Gemeinwohl der Stadt gestellt und tut dies jetzt wieder. OB Geisel hat betont, dass ein bisher komplettes Konzept, wie es auch der Presse jetzt vorgestellt wurde, auch der CDU erläutert worden ist. Die Begründung der CDU etwa durch Alexander Fils, die Unterlagen seien nicht umfangreich genug, ist purer Populismus. Ginge es der CDU um wirtschaftliches Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg der Stadt, müsste sie eine solche Gelegenheit für außergewöhnliche Freiluftkonzerte begrüßen. CDU-Sprecher Rüdiger Gutt befürchtet aber, „dass nicht alle Risiken ausgeschaltet werden können“. Obwohl Feuerwehr und Polizei sowie Stadtverwaltung als Kern der Sicherheitskonzepte schon größere Veranstaltungen (Rosenmontag, Kirmes) gemeistert haben – misstraut die CDU der Feuerwehr? Unverständlich auch, dass die CDU in ihrer heutigen Pressemeldung „zu einem neuen Anlauf für die Planung einer Eventfläche auf dem Messeparkplatz für einzelne Sommerveranstaltungen“ rät. Soll dann die Bühne mit 5000 Watt unter den Bäumen stehen?

Die Argumente der CDU sind offensichtlich vorgeschoben: Für eine Prüfung des Konzepts war ausreichend Zeit.

OB Geisel ist sicherlich in manchem zu kritisieren, er ist oft zu fix der Macher und will Aufgaben (wie Schulbau, Bädersanierung, etc) erledigen. Aber wenn die Grünen, Teil der Ampel-Kooperation, ihn und seine Verwaltung jetzt ins Knie treten, ist wohl nur den eher konservativen bei den Grünen geschuldet. Dass Grünen-Sprecher Norbert Czerwinski jetzt wegen Bäumen auf einem großenteils versiegelten Parkplatz (Ersatzpflanzungen sind obligat) die attraktiven Open-Air Veranstaltungen auf einem Messeparkplatz ablehnt, wird den Grünen im Wahlkampf 2019 noch auf die Füße poltern. Es ist entweder die Masche, an OB Geisels Erfolgsbilanz (Bäder, Schulbau, Radwege endlich mit Tempo gebaut) zu kratzen oder vielleicht Rücksicht auf Wähler aus falsch verstandenem Umweltschutz.

Das Fazit der Ablehnungen von CDU und Grünen: Düsseldorf ist mit Negativ-Schlagzeilen in der Presse (was teils wohl gewollt ist). Und große Konzertveranstalter, die mit Konzerten Werbung für die Stadt machen, werden wegen einer kleinmütigen Politik die Stadt meiden und wieder mal nach Köln oder anderswo ausweichen.

Die Sorge der Baumschutzgruppe um Bäume ist löblich, hilft hier aber bewusst oder nicht nur der CDU. Die Fällung der Bäume auf einem großenteils versiegelten Parkplatz, der zu Messen mit umweltschädlichen Abgasen von Autos voll ist, wird die Umweltbilanz der Stadt nicht nachhaltig verschlechtern. Rund 44 Prozent der Stadtfläche sind Forst-, Landwirtschaftliche und Grünflächen (es IST eine grüne Stadt). Der Parkplatz gehört kaum zu den Erholungsgebieten der Stadt. Und Ersatzpflanzungen für die Bäume sind Pflicht.

(Autor Jo Achim Geschke)