04.05.2015
Reportage Flüchtlingsunterkunft Lacombletstraße

Freiwillige kämpften gegen Dreck und Schimmel

Die Küche der Flüchtlingsunterkunft Lacombletstraße / alle Fotos Jo Geschke, NDOZ.de

Die beiden Herde spiegeln sich in einer großen Pfütze auf dem Linoleum, das ein großes Loch hat, unter der unverkleideten Spüle ist es unbeschreiblich dreckig, auch in der Ecke an einem Waschbecken beginnt der Schimmel zu wachsen. Die Herde sind schmutzig wie die Wände. Über der Tür steht „Cafeteria“ – aber es ist die Gemeinschaftsküche der Flüchtlingsunterkunft Lacombletstraße. Freiwillige der Gruppe „Flüchtlinge sind in Düsseldorf willkommen“ haben am Samstag grade begonnen, zu putzen, Karin Diane Jungjohann hat die Aktion mit Birgit Keßel organisiert, Flüchtlinge und Kinder helfen mit. Die Unterkunft, in der 200 Frauen, Kinder und Männer leben, ist schlimmer heruntergekommen als ein Abrisshaus.

Sie sagt es leise, es klingt so, als ob sie überhaupt nicht damit rechnet, dass noch jemand darauf eingeht. „Kommt auch jemand, um mein Zimmer zu streichen?“, sagt eine 11-Jährige aus dem Kosovo und wischt mit einem Schwammtuch sorgfältig über einen Tisch in der Gemeinschaftsküche.

Ein Armenier, seit einigen Wochen in Düsseldorf, führt mich herum : Klos - dreckig, seit längerem nicht geputzt, es stinkt. Die Duschen,  von einem überdachten Gang aus zugänglich, sind abgeschlossen. „Nur drei von fünf noch offen“, sagt er, in einem Duschbereich funktioniere nur noch eine einzige Dusch. „Nicht gut.“ Die Duschen seien nicht jeden Tag geöffnet.

Auf den Fluren und am Eingang hängen noch die alten Tableaus für Infoblätter aus der Zeit, als dies eine Schule der Verwaltungsakademie war. An etlichen Stellen blättert der Putz.

Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke (SPD) steht vor de sogenannten Küche und ist immer noch sauer: Vor eineinhalb Jahren (noch unter OB Dirk Elbers) hat sie bereits gemahnt, das an der Lacombletstraße dringend etwas getan werden muss. "Vor eineinhalb Jahren ist die Einrichtung hier bezogen worden, es ist alles improvisiert, die Toiletten und die Duschen sind nur über den Schulhof zu erreichen. Das ist alles nicht besonders, und man kann auch nicht verlangen, dass man übern Schulhof gehen muss, um zu Duschen. Wir machen hier doch kein Camping im Winter.“ Sie habe mehrfach gemahnt, dass hier renoviert werden müsse, immer habe die Verwaltung ihr gesagt, es sei alles in Ordnung. Nun, meint sie, sei die Erkenntnis auch in der Verwaltung angekommen.

Wenn in dieser Woche die ersten Modulbauten in Benrath bezogen werden, sollen auch einige Flüchtlingsfamilien aus der Lacombeltstraße nach Benrath ziehen Die Einrichtung Lacombletstraße soll aufgegeben werden. Das darf allerdings bezweifelt werden: Für die neu angekommenen ist kaum Platz da. Und die weiteren Containermodule für Flüchtlinge sind zudem kaum vor Ende August oder September fertig.

Karin Jungjohann, die eine Familie aus Armenien betreut,  ist vor einigen Wochen dort gewesen und hat dann spontan die Putz- und Streich-Aktion organisiert, die Thomaskirche, sagt sie, hat Putzmittel gespendet, auch die Freiwilligen wie Birgit Keßel haben Putzmittel und Farbe auf eigene Kosten besorgt. Karin Jungjohann ist resolut: Sie hat junge Männer, Flüchtlinge, auf dem Hof zum Mitmachen unmissverständlich dazu gebeten. Auf den Toiletten zieht sich Karin Jungjohann eine Atemschutzmaske vors Gesicht und beginnt mit zwei Flüchtlingsfrauen, den kaum beschreibbaren Dreck wegzumachen. Einige Frauen, seit kurzem in Düsseldorf, und auch Kinder helfen ebenso mit, die Küche zu putzen. Die Herde sind seit Wochen nicht geputzt worden. Ein zehnjähriger Junge putzt intensiv an einem der Herde die Platten. Ein junger Mann schiebt das Wasser aus der sogenannten Küche hinaus ....

Birgit Lilienbecker vom Gebäudemanagement war mit der Flüchtlingsbeauftragten Miriam Koch am vergangenen Donnerstag in der Flüchtlingsunterkunft. Einige Toiletten wurden darauf sofort zugesperrt.

Die Toiletten sollen jetzt saniert werden. Miriam Koch ist zudem mit der Handwerkskammer (HWK)  im Gespräch, die HWK will mit Azubis bei der Renovierung des Baus helfen. Seit Lilienbecker beim Gebäudemanagement allein für die Flüchtlingsunterkünfte zuständig ist, kommt anscheinend Bewegung in die Sache.

Birgit Keßel ist allerdings sicher: „Es war schon eine besondere Aktion. Sicher war dies mal ein toller Anfang. Ich bin recht sicher, ein zweites Guerilla-Putzen ist sicher noch in der Pipeline.“