Victor Scholz studiert in Düsseldorf Philosophie. Für ein Erasmus-Semester ging es an die Aix-Marseille Université nach Südfrankreich.

Erasmus in Frankreich: Von Düsseldorf bis in die Provence

Von Victor Scholz |

Victor steht auf einem Berg mit Rucksack steht mit dem Rücken zur Kamera vor einer weiten Aussicht
Aussicht von der Montagne Sainte-Victoire

Ich genieße die Aussicht von der Montagne Sainte-Victoire, Aix-en-Provence / Foto: Victor Scholz

Fünf Monate Philosophie auf Französisch, gewohnt in Aix-en-Provence, unterwegs in Marseille. Ich habe viel gelernt, viel erlebt und viel gefilmt.

Fünf Monate sind vergangen. Ich sitze in meinem neun Quadratmeter großen Zimmer im französischen Studierendenwohnheim in Aix-en-Provence und habe Zeit, mal wieder einen Artikel für die NDOZ zu schreiben. Die Kurse an der Uni sind seit einigen Wochen schon vorbei, und nächste Woche heißt es für mich: Au revoir.

Daher genieße ich meine letzten Tage im Süden und entdecke neue Städte und Orte in der Umgebung: Morgen geht’s für mich nach Avignon. Natürlich wegen der Brücke.

Ich bin Victor, studiere normalerweise Philosophie und Kommunikations- und Medienwissenschaft in Düsseldorf und habe ein Erasmus-Semester an der Aix-Marseille Université gemacht. Dafür bin ich Ende Januar 1.000 Kilometer in den Süden gefahren, bis nach Aix-en-Provence. Aix ist eine bürgerliche Stadt in Südfrankreich und gehört zur Metropolregion Aix-Marseille-Provence. Marseille liegt nur eine 30-minütige Busfahrt entfernt. Ich habe beide Städte in all ihren Unterschieden sehr zu schätzen gelernt.

Warum Frankreich?

Ich bin sehr froh, dass ich einen Erasmus-Platz bekommen habe. Das ist leider nicht selbstverständlich. Aber warum wollte ich eigentlich nach Frankreich? 

Na ja, der Grund ist ziemlich pragmatisch: Ich bin mit einer französischen Maman aufgewachsen. Das heißt, ich kenne die Sprache und Teile der Kultur. Und trotzdem wusste ich, dass ich noch viel lernen würde. Ich wollte nicht nur besser Französisch sprechen, sondern auch meine französische Seite besser kennenlernen.

Studieren an der Aix-Marseille Université

Mein Philosophie-Studium war an der Fakultät für Geisteswissenschaften, der Faculté des Arts, Lettres, Langues et Sciences Humaines. Der Campus ist ziemlich groß und einladend, mit einigen Grünflächen und Sitzmöglichkeiten. Die zum Teil brutalistische Bauweise hat mich nicht schockiert. Ich studiere ja an der HHU.

Das Studieren hier hat sehr viel Spaß gemacht. Die Kommilitoninnen und Kommilitonen waren sympathisch und haben uns Erasmus-Studierende sehr herzlich aufgenommen. Auch die Dozentinnen und Dozenten wirkten trotz des eher strikten und verschulten Uni-Systems menschlich und zugänglich.

Das Wetter, Aix, Marseille und die Natur in der Umgebung haben sicherlich auch zur guten Stimmung beigetragen. Die meisten Freundinnen und Freunde habe ich aber nicht an der Uni kennengelernt, sondern im Studierendenwohnheim. Jeden Abend zusammen in der Gemeinschaftsküche zu kochen, verbindet. 

Günstiger studieren, aber weniger Freiheiten

Das Studieren in Frankreich kann viel günstiger sein als in Deutschland. Der Staat subventioniert die Wohnheime und die „restaurants universitaires“ stark. Besonders gemerkt habe ich das beim Essen in der Mensa. Seit dem 4. Mai 2026 kostet ein Essen für alle Studierenden nur einen Euro. Und es ist lecker. Und viel.
Hier mein Video zum 1-Euro-Essen in der französischen Mensa.

Und dennoch wäre ein Studium in Frankreich auf längere Zeit nichts für mich. Studieren in Deutschland ist meiner Erfahrung nach freier und in vielen Punkten spannender. Klickt hier (Video), falls ihr mehr dazu wissen möchtet.

Leben im Studierendenwohnheim

Die Crous-Wohnheime sind mit dem Nötigsten ausgestattet. Man muss sich auf dünne Wände und dreckige Gemeinschaftsküchen einstellen. In meiner Küche ist sogar ein Feuer ausgebrochen, weil jemand seine Pfanne auf dem Herd stehen gelassen hat. Die Küche ist seit mehr als zwei Monaten nicht mehr benutzbar. Ich gehe jetzt einfach in die Küche im Flur über mir. Dafür kostet ein kleines Zimmer aber auch nur 275 € im Monat. Für eine Stadt wie Aix, wo WG-Zimmer 500 bis 700 € kosten können, ist das ziemlich gut.

An mein Zimmer habe ich mich auch gewöhnt. Es hat zwar die legale Mindestgröße für Wohnungen in Frankreich, aber das kann auch einige Vorteile mit sich bringen: Wenn man nachts auf die Toilette muss, braucht man nur zwei Schritte zu machen. Und wenn man Hunger hat, ist der Kühlschrank auch nicht weit.

Während ich hier in meinem Zimmer schreibe, denke ich an Düsseldorf und freue mich, bald wieder zu Hause zu sein und alle Leute wiederzusehen. Ich werde Lavendelhonig und Calissons mitbringen, eine Spezialität aus Aix.

Mein Tipp an euch: 

Wenn ihr euch für ein Auslandssemester oder ein Praktikum interessiert, findet ihr bei „studieren weltweit – ERLEBE ES!“ Erfahrungsberichte aus vielen Ländern. Vielleicht entdeckt ihr dort ein Land, das ihr gar nicht auf dem Radar hattet, das aber plötzlich eure Neugier weckt.

Ich berichte dort ebenfalls über meinen Aufenthalt. Falls ihr also doch lieber in einem europäischen Nachbarland bleiben wollt, könnte meine Frankreich-Seite spannend sein.

Wenn ihr Spaß daran habt, selbst über euren Auslandsaufenthalt zu berichten, könnt ihr euch auch als Correspondent bewerben. Das ist nicht nur spannend, sondern kann auch eine kleine finanzielle Unterstützung für den Aufenthalt sein.

Meine Highlights in Südfrankreich:

Falls ihr euch auch für eine Uni in Südfrankreich entscheidet, habt ihr auf jeden Fall eine besondere Region vor euch. Der Süden ist schön, das Meer ist meistens nicht weit, und manchmal fühlt sich der Alltag tatsächlich ein bisschen nach Urlaubsort an. 
Ihr werdet ganz neue kulturelle und sprachliche Erfahrungen sammeln und internationale Kontakte knüpfen. Plötzlich kennt man Menschen in Städten, die vorher nur Namen auf der Karte waren. Wenn ihr dann Urlaub macht, werdet ihr vielleicht sogar Freunde besuchen können. 

Dazu kommt, dass in der Provence und an der Côte d’Azur viele Städte und Naturorte relativ nah beieinander liegen. Ich habe versucht, so viel wie möglich davon zu erkunden:

Kurz & knapp: