Die „Unendliche Geschichte“ als Bühnenfassung vor dem Schauspielhaus

Eine Geschichte über unendliche Phantasie mit einem wundervollen Ensemble

Von Jo Achim Geschke |

Die Unendiche Geschichte D Haus

„Die „unendliche Geschichte“ open air vor dem Schauspielhaus, Mitte Carolin Cousin als Baya / Foto © Thomas Rabsch, D Haus

„Ich erfinde Geschichten“ sagt das Mädchen, das wohl in ihrer Klasse gemobbt wird, als sie ins Schauspielhaus kommt und vor dem Vorhang den Bühnenchef Konrad Koreander trifft. Der will sie rauswerfen, aber Baya Balthasar Bux , so heißt das Mädchen, bleibt erst mal. Sie findet ein merkwürdiges Buch und beginnt zu lesen. Erst jetzt öffnet sich der Vorhang, aber das Mädchen bleibt erst mal davor. Und die Geschichte beginnt – die unendliche Geschichte, der Roman von Michael Ende, für die Bühne bearbeitet von John von Düffel.

Auftritt vom Irrlicht, das sich immer verirrt, oder von der Rennschnecke, die immer als erste da ist, und dem sympathischen dicken „Felsenbeißer“.  Sie rennen und tanzen und erzählen dabei, dass Phantasien in Gefahr ist, dass ganze Teile verschwinden und dass die Kaiserin von Phantasien richtig krank ist.

Das Mädchen ist fasziniert, sie liest ganze Passagen vor, die gleichzeitig auf der Bühne auch so ablaufen. Denn die Inszenierung von Roger Vontobel hat zwei Teile: Der erste läuft auf der Bühne im großen Haus , der zweite Teil als großes Spektakel vor dem Schauspielhaus.

Abschied und Neuanfang

Vontobel hat bereits große Inszenierungen in Düsseldorf gezeigt, etwa »Die heilige Johanna der Schlachthöfe«, oder schon 2016 das großartige „Gilgamesh“ auf dem Corneliusplatz. Und so schließt sich ein Kreis – denn das war die erste Inszenierung unter Intendant Wilfried Schulz – der jetzt mit der Unendlichen Geschichte seinen Abschied feiern kann. Es ist ein Abschied, aber wie in der „Unendlichen Geschichte“ klar wird: Das Ende ist immer auch ein neuer Anfang. Kann es zumindest sein.

In Phantasien wird ein Held gesucht

In Phantasien wird zur Rettung der Kindlichen Kaiserin ein Held gesucht . Und gefunden in Atréju (Moritz Klaus). Und Baya (Carolin Cousin)  fiebert mit, wenn er auf die abenteuerliche Reise geht. Mit seinem Pferd Artax- auftritt mit galoppierendem Stepptanz: Jonas Friedrich Leonhardi. Sie treffen auf die Sümpfe der Traurigkeit, wo Artax sogar versinkt. Und auf die uralte Morla mit ihren leuchtenden Riesenaugen. Und schließlich auch auf den weißen Glücksdrachen Furchur , der in Wolken aus weißem Stoff mit Atréju daher schwebt.

Baya spielt mit

Baya liest aus dem Buch vor, immer aufgeregter,  und ist dann plötzlich auf der Bühne, ist Teil der Geschichte. Sie ist die Retterin, die Atréju gefunden hat. Das Mädchen, das Geschichten erfindet, nimmt ihre Rolle an. „Ich werde Phantasien neu erschaffen, und es wird mein Phantasia sein“, sagt das in der Klasse ausgegrenzte Mädchen.

Damit geht das Publikum nicht nur in die Pause, es geht auch nach draußen, es beginnt auf dem Platz der zweite Teil der Aufführungen. Mit Videoprojektionen, krachenden Feuerfontänen, und einer glitzernden „Farbenwüste“. Denn was sich Bay wünscht, wird in Phantasien geschehen. Gestalt des „bunten Tods“.

Star Wars Krieger besiegt

Sie trifft auf den wundervoll kubistisch gestalteten Löwen Graógramán als übergroße Gestalt, oder auf Jicha, eine Mauleselin (herrlich Florian Lange). Und diese Retterin ist längst eine, die durch ihre Wünsche ihre Macht ausnutzen will, herrschen will, und dabei ihren besten Freund Atréju davonschickt. Mit Siegerpose fährt sie auf dem Dach eines echten schwarzen Pickups eine Runde um die Bühne, nachdem sie schwarze Krieger besiegt hat, die im Stil der Weltraum-Geschichte „Star Wars“ kostümiert sind.

Szene der Abschieds

Aber als sie gegen Atréju kämpft, versagt ihr Schwert. Und Baya weiß nicht mehr, wer sie ist, und kann keine Geschichten mehr erfinden. Aber es geht natürlich gut aus: Baya findet Atreju wieder, und sie findet aus der Phantasiewelt zurück ins Reale. Eine rührende Szene für die Zuschauer, die schon lange ins Schauspielhaus kommen:  Baya trifft auf ihren Vater PapaBux, den Rainer Philippi, der mit ihr auf einem Roller davon fährt – und zu seinem Abschied winkt.

Eine wundervolle Geschichtefür Erwachsene und Jugendliche, mit einem wunderbaren Ensemble, aus dem Carolin Cousin als Baya heraussticht, und die mit langem Jubel und Applaus unter einem warmen Sommerhimmel Ende Mai gefeiert wird.

Weiter Termine bis zur Sommerpause unter

https://www.dhaus.de/programm/a-z/die-unendliche-geschichte/

Besetzung
Erste Hälfte — Schauspielhaus, Großes Haus
Baya Balthasar Bux Caroline Cousin 
Atréju Moritz Klaus 
Fuchur, ein Glücksdrache Alexander Wanat 
Gmork, ein Werwolf / Karl Konrad Koreander Sebastian Tessenow 
Die Kindliche Kaiserin Claudia Hübbecker 
Uyulála, das Südliche Orakel Natalie Hanslik 
Cairon, Herold / Urgl, eine Gnomin Thomas Wittmann 
Engywuck, ein Gnom Florian Lange 
Ückück, eine Rennschnecke Belendjwa Peter 
Blubb, ein Irrlicht Fnot Taddese 
Pjörnrachzarck, ein Felsenbeißer Felix Werner-Tutschku 
Artax, Atréjus Pferd Jonas Friedrich Leon¬hardi 
Die Uralte Morla / Ygramul, die Viele / Die Vier Windriesen Jonas Hanke, Maurice Schnieper, Anastasia Schöpa, Vincent Wiemer 
Zweite Hälfte — Vor dem Schauspielhaus
Zweite Hälfte — Vor dem Schauspielhaus
Baya Balthasar Bux Caroline Cousin 
Atréju Moritz Klaus 
Fuchur, ein Glücksdrache Alexander Wanat 
Graógramán, der Bunte Tod / Jicha, eine Mauleselin Florian Lange 
Xayíde, eine Zauberin Friederike Wagner 
Dame Aiuóla, die Mutter im Haus der Veränderung Claudia Hübbecker 
Yor, der blinde Bergmann Thomas Wittmann 
Argax, ein Affe und Aufseher der Alten Kaiser Stadt / Panzerriese / Nebelschiffer Jonas Friedrich Leon¬hardi 
Ückück, eine Rennschnecke / Träger Graógramans / Panzerriese / Wasserstimme / Bewohner Alte Kaiser Stadt Belendjwa Peter 
Pjörnrachzarck, ein Felsenbeißer / Panzerriese / Bewohner Alte Kaiser Stadt / Nebelschiffer Felix Werner-Tutschku 
Blubb, ein Irrlicht / Panzerriese / Bewohner Alte Kaiser Stadt / Nebelschiffer Fnot Taddese 
Karl Konrad Koreander Sebastian Tessenow 
Papa Bux, Bayas Vater Rainer Philippi 
Bewohner Alte Kaiser Stadt / Nebelschiffer Natalie Hanslik 
Träger Graógramans / Panzerriesen / Bewohner Alte Kaiser Stadt / Deckenträger Dame Aiuóla / Wasser des Lebens Jonas Hanke, Maurice Schnieper, Anastasia Schöpa, Vincent Wiemer 
Live-Musik Matthias Herrmann / Tobias Sykora, Keith O’Brien, Jan-Sebastian Weichsel, Marvin Blamberg / Philipp Bluck 
Live-Kamera Kate Ledina, Ricardo Soares Fernandez, Philippe Waldecker 
Künstlerisches Team
Regie Roger Vontobel 
Bühne Ansgar Prüwer 
Kostüm Martina Lebert 
Musik Matthias Herrmann, Keith O’Brien 
Videodesign Stefan Bischoff 
Licht Christian Schmidt 
Dramaturgie Robert Koall