Kapitalmarkt-Dialog April 2026 | NDOZ × Bethmann Bank : DAX, Iran, Öl & Gold
Turbulenzen an den Börsen: Wie Sie Ihr Geld trotz Iran-Krieg sicher anlegen
Luftaufnahme eines Ölterminals mit Tanker und Verladeanlage
Die globalen Energiemärkte reagieren sensibel auf geopolitische Spannungen – besonders wenn Schlüsselrouten wie die Straße von Hormus betroffen sind. / Foto: AU USAnakul / Adobe Stock
Der Iran-Krieg, hohe Energiepreise und die Sorgen vor einer angeheizten Inflation: An den globalen Aktienmärkten herrschen weiterhin turbulente Zeiten. Besonders im Blickpunkt: die Straße von Hormus als weltweit wichtigster Flaschenhals für den Transport von Erdöl und Flüssigerdgas. Im Konflikt zwischen USA und Iran lösen sich harsche Drohungen ab mit Signalen der Entspannung und der Aussicht auf neue Verhandlungen. Die Börsen reagieren mit großen Schwankungen.
Wesentliche Fragen, die Investorinnen und Investoren bewegen, sind:
Wie lange wird der Krieg im Nahen Osten noch dauern?
Werden steigende Öl- und Gaspreise die Inflation weiter anheizen?
Werden die Zentralbanken deshalb geplante Zinssenkungen verschieben oder die Zinsen sogar erhöhen?
Oder steht endlich ein Durchbruch bevor für einen anhaltenden Waffenstillstand und eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus?
Gibt es angesichts optimistischer Äußerungen aus den USA berechtigte Hoffnungen auf ein nahes Ende des Kriegs?
Und wann werden sich die Kapitalmärkte von den Erschütterungen erholt haben?
In diesen unsicheren Zeiten ermöglicht der Kapitalmarkt-Dialog von NDOZ und Bethmann Bank Orientierung. Hier gibt das Team der Bethmann Bank in Düsseldorf wertvolle Einschätzungen für die Kapitalanlage.
Patric Wilhelm, Geschäftsbereichsleiter der Bethmann Bank, analysiert die aktuelle Situation und blickt voraus auf die weitere Entwicklung. Hier seine Zusammenfassung:
Patric Wilhelm (Bethmann Bank) – Kapitalmarkt-Dialog NDOZ
Patric Wilhelm, Geschäftsbereichsleiter der Bethmann Bank, im Kapitalmarkt-Dialog mit NDOZ. / Foto: Bethmann Bank
Der Rückblick
Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten prägte im März zunehmend das gesamtwirtschaftliche Umfeld und erhöhte die Unsicherheit spürbar. Auch wenn sich die Realwirtschaft zunächst kaum beeinträchtigt zeigte, passten sich die Finanzmärkte deutlich an. Die US-Notenbank Fed erklärte, die Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten auf die Wirtschaft der USA seien ungewiss. Um die Sorgen vor einer steigenden Teuerung einzudämmen, hielt sie die Zinsen stabil. Die Fed beließ den Leitzins wie erwartet bei einer Spanne zwischen 3,50 und 3,75 Prozent. Es war die zweite Pause in Folge, nachdem sie die Zinsen im Jahr 2025 zweimal gesenkt hatte.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hielt den Leitzins im März stabil bei 2,0 Prozent. Sie sprach aber zugleich von „deutlich unsichereren Aussichten“. Nach oben gerichtete Inflationsrisiken, angehobene Preisprognosen und zugleich schwächeres Wachstum rücken die Preisstabilität also stärker in den Fokus.
Die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran ließ die Energiepreise ein weiteres Mal nach oben schnellen. So stiegen die Kraftstoffpreise in Deutschland im März massiv: Nach Angaben des Automobilclubs ADAC kostete zum Beispiel ein Liter Diesel im Monatsmittel 2,164 Euro und damit so viel wie noch nie. Am 31. März kostete Diesel im Durchschnitt 2,316 Euro. Der Liter Super E10 kostete 2,107 Euro. Der Rohöl-Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent lag bei knapp 110 US-Dollar.
Die Aktienmärkte mieden Risiko-Anlagen, also etwa Branchen mit hohem Energiebedarf. Die Anteilsscheine von Energieproduzenten legten dagegen zu. Der Deutsche Aktienindex DAX schloss im März bei 22.680 Punkten und gab damit mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vormonat nach.
Zwar gilt Gold in unsicheren Zeiten allgemein als sicherer Hafen. Im März unterlag aber auch der Preis des Edelmetalls deutlichen Schwankungen: Auf eine starke Rallye zu Jahresbeginn folgte nun eine Korrektur. Viele Anleger und Anlegerinnen nahmen Gewinne mit, erhöhten ihre Liquidität und reduzierten Risiken.
Die aktuelle Lage
Der Blick richtet sich auch aktuell auf die Straße von Hormus und auf die Energiepreise. Zuletzt zeigten sich die Aktienmärkte wieder gelöster. Hintergrund war, dass US-Präsident Donald Trump seine Drohungen gegenüber dem Iran und dessen ziviler Infrastruktur nicht in die Tat umgesetzt, eine Waffenruhe angekündigt und Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Konflikts gemacht hatte. Europäische Aktienmärkte legten kräftig zu, während US-Aktienindizes ebenfalls von fallenden Ölpreisen und einer nachlassenden Risiko-Aversion profitierten. Die internationalen Märkte verzeichneten zwischenzeitlich eine Steigerung der Risikobereitschaft.
Der DAX sprang im April zeitweise wieder über Marke von 24.000 Punkten. In Deutschland zeigten sich die Investorinnen und Investoren zurückhaltender als etwa in den USA und Asien. In den USA verzeichnete insbesondere die Tech-Börse Nasdaq zwischenzeitlich deutliche Gewinne. Ein Grund dafür waren Aussagen von US-Präsident Trump: Er glaube, der Krieg sei „fast vorbei“.
Der Ausblick
Der Ausblick hängt maßgeblich von der Dauer der Auseinandersetzung im Nahen Osten ab. Auch die Notenbanken fahren ihre Politik aktuell auf Sicht.
Zuletzt wuchs die Hoffnung, dass der Konflikt innerhalb weniger Wochen abklingt. Danach könnte der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder anlaufen, und die Risiken für die Energieversorgung würden sinken. Die Energiepreise würden kurzfristig hoch bleiben, im Jahresverlauf aber nachgeben. Für Europa würde dies 2026 eine etwas höhere Inflation und ein geringeres Wachstum bedeuten. Die EZB dürfte vorsichtig reagieren und im zweiten Quartal vermutlich zweimal die Zinsen anheben, bevor sie pausiert. In den USA wäre der Inflationsdruck geringer. Wir erwarten dort keine Zinserhöhungen, aber eine verzögerte erste Zinssenkung im 4. Quartal und einen langsamen Lockerungszyklus bis 2027.
Die Strategie
Bei Aktien spricht dieses Umfeld dafür, sich bei der Geldanlage selektiv zu positionieren. Unternehmen, die sich auf stabile Zu- und Abflüsse von Geld (Cashflow) verlassen und die Preise diktieren können, stehen im Vergleich gut da. Denn sie dürften steigende Kosten besser abfedern als Firmen, die an feste Zyklen gebunden sind oder viel Energie brauchen. Qualität und Widerstandsfähigkeit rücken in den Vordergrund.
Bei Anleihen kommt es verstärkt darauf an, Zinsrisiken aktiv im Blick zu halten und entsprechend zu reagieren. Kurze bis mittlere Laufzeiten bieten die Möglichkeit, Risiken von Zinsänderungen zu begrenzen und von höheren Renditeniveaus zu profitieren. Inflationsgebundene Anleihen erscheinen weniger attraktiv, da die Märkte die höheren Inflationsrisiken bereits einpreisen und die EZB bei anhaltendem Preisdruck reagieren würde.
Rohstoffe – insbesondere Energie – bleiben ein zentraler Übertragungsmechanismus geopolitischer Risiken. Sie können Inflationsrisiken verstärken, bieten Diversifikation, erfordern jedoch vorsichtiges Management.
Beim Gold ist der Preis trotz der Spannungen seit Januar um rund 15 Prozent gefallen. Höhere Ölpreise und die Erwartung potenziell höherer Zinsen belasteten Gold, ebenso wie ein stärkerer US-Dollar. Nach einer vom Momentum getriebenen Rallye führten Gewinnmitnahmen zu sinkender Nachfrage. Dies bedeutet, dass der Kurs stark gestiegen ist, hauptsächlich weil Anleger auf den Trend aufgesprungen sind. Langfristig bleibt Gold strukturell unterstützt. Nach der Korrektur haben wir die Goldquote in den klassischen Strategien von 3 auf 5 Prozent erhöht und dies aus Liquidität finanziert.
Das Interview
Frage: Die Finanzmärkte unterliegen in den vergangenen Monaten großen Schwankungen. Woran liegt das?
Patric Wilhelm: „Der Iran-Krieg prägt das Geschehen an den Börsen weltweit wie kein anderer Faktor. Die Nachrichtenlage rund um die Entwicklung im Nahen Osten kann sich sehr kurzfristig ändern. Das macht Prognosen mit längerem Zeithorizont für einzelne Branchen oder gar Papiere schwieriger. Diese Unsicherheit spiegelt sich in volatilen Märkten. Das bedeutet: Die Kurse gehen schneller rauf und runter.“
Frage: Heißt das etwa, bei der Geldanlage immer auf kurzfristige Trends zu setzen, um möglichst keine Chance zu verpassen?
Patric Wilhelm: „Niemand sollte unüberlegt handeln. Besser ist es, mit Vernunft und ruhiger Hand zu agieren und sein Vermögensportfolio aktiv im Auge zu behalten.“
Frage: Was raten Sie Anlegerinnen und Anlegern?
Patric Wilhelm: „Insgesamt spricht das Marktumfeld für eine breit diversifizierte und flexible Vermögensstruktur. Die Rückkehr geopolitisch bedingter Inflationsrisiken zeigt, wie schnell geldpolitische Erwartungen kippen können. Qualität, Vorsicht und konsequente Risikostreuung bleiben entscheidend.“
Kernaussagen vom Finanzplatz Frankfurt
Jan Wirken, Senior Equity Expert:
„Wir gehen davon aus, dass sich Gold in der späteren Phase eines Aufwärtszyklus befindet. Bis Jahresende erwarten wir ein höheres Niveau als heute. Ein starker Preisrückgang erscheint unwahrscheinlich, während die Chancen für weitere Anstiege überwiegen – insbesondere, wenn die geopolitischen Spannungen anhalten. Für Anleger bleibt Gold weiterhin ein wichtiger Baustein zur Diversifikation des Portfolios und weniger ein Instrument für kurzfristige Renditen. Die langfristigen Aussichten für Gold bleiben günstig, weshalb wir kürzlich unsere Allokation in Gold erhöht haben.“
Johanna Handte, Chief Investment Officer (CIO) der Bethmann Bank:
„Der Markt preist bereits eine Deeskalation im Iran-Konflikt ein. Seit Ende März sehen wir eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten. Es herrscht die Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit eine Lösung für den Konflikt gibt.“
Johanna Handte (Bethmann Bank) – Kapitalmarkt-Dialog NDOZ
Johanna Handte, Chief Investment Officer (CIO) der Bethmann Bank, im Kapitalmarkt-Dialog mit NDOZ. / Foto: Bethmann Bank
Über die Bethmann Bank
Gegründet 1712, ist die Bethmann Bank, eine Marke der ABN AMRO Bank N.V. Frankfurt Branch, heute einer der führenden Anbieter von Wealth Management in Deutschland und betreut vornehmlich vermögende Privatkunden, Familienunternehmen und Vermögensverwalter. Der Name Bethmann steht, wie alle Mitglieder von ABN AMRO Wealth Management in Europa, für individuelle Beratung ohne Fokus auf eigene Produkte. Kundinnen und Kunden erhalten klare, verständliche Lösungen mit einem besonderen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit.
Nach der Ende Juni 2025 vollzogenen Übernahme der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG (HAL) durch die ABN AMRO Bank N.V. ist geplant, bis voraussichtlich Mitte 2026 das Wealth Management der Bethmann Bank und von HAL unter der Marke „Bethmann HAL“ zusammenzuführen. Mit gemeinsamen Assets under Management (AuM) von derzeit mehr als 70 Mrd. Euro und 17 Standorten in Deutschland wird Bethmann HAL die drittgrößte Privatbank in Deutschland sein, mit vollem Zugriff auf die internationalen Ressourcen der ABN AMRO.
Bei dieser Ausarbeitung handelt es sich um eine unverbindliche Einschätzung, deren Inhalte sich auf die Zukunft beziehen und sich als unzutreffend herausstellen können. Diese Ausarbeitung wurde von uns sorgfältig zusammengestellt und beruht auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Zu einer Mitteilung von künftigen Änderungen unserer Einschätzungen ist die Bethmann Bank nicht verpflichtet. Diese Ausarbeitung ist keine Finanzanalyse im Sinne des WpHG und unterliegt daher weder den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen noch dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen. Diese Ausarbeitung stellt weder ein Angebot noch eine Beratung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeiner Finanzanlage noch eine offizielle Bestätigung einer Transaktion dar. Sie dient lediglich Informationszwecken und kann eine anleger- und anlagegerechte Beratung nicht ersetzen. Die Bethmann Bank übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der in dieser Ausarbeitung enthaltenen Angaben und Informationen, gleich aus welchem Rechtsgrund. Etwa in der Bethmann Bank vorhandene vertrauliche Informationen, die dem diese Ausarbeitung erstellenden Bereich aufgrund organisatorischer Vorkehrungen (z.B. sog. Chinese Walls) nicht zur Verfügung standen, sind nicht Gegenstand dieser Ausarbeitung. Die vorgenannten Einschätzungen des globalen Anlagekomitees der ABN AMRO und Bethmann Bank (Global Investment Committee) spiegeln die Kapitalmarktmeinung des Anlagekomitees wider und sind richtungsgebend für die Wertpapierdienstleistungen unseres Hauses. Form und Zeitpunkt einer möglichen
Umsetzung der Meinung kann sich in Abhängigkeit der von Kunden gewählten Wertpapierdienstleistung unterscheiden. In diesem Kontext weisen wir darauf hin, dass die mögliche Nutzung der Begriffe „Portfolio“ bzw. „Depot“ in dieser Publikation keinen direkten Bezug zu Ihrem Depot und den darin verwahrten Vermögenswerten aufweisen. Vielmehr beziehen sich die Ausführungen auf fiktive Portfolien, welche die Einschätzungen des Anlagekomitees repräsentieren und als Grundlage für die Wertpapierdienstleistungen herangezogen werden. Einschätzungen zur Über- bzw. Untergewichtung einer Anlageklasse beziehen sich stets auf die langfristige (strategische) Anlageklassengewichtung im jeweiligen Risikoprofil des fiktiven Portfolios. Die tatsächliche Gewichtung der Anlageklassen in den Kundendepots kann, abhängig von den Vereinbarungen des Kunden mit der Bank, davon abweichen. Im Kontext der Darstellung von Anlagechancen verweist die Bethmann Bank ausdrücklich auf die mit einer Kapitalanlage verbundenen Risiken. Die Anlage in Finanzinstrumente ist mit einer Vielzahl von Risiken verbunden, die dazu führen können, dass die beabsichtigten Anlageziele nicht erreicht werden. Neben Kursänderungs-, Bonitäts- und Liquiditätsrisiken können Anlagen in internationalen Märkten weiteren Risiken, insbesondere Fremdwährungs- und politischen Risiken, bis hin zum Totalverlust der Anlage unterliegen. Bei der besonderen Akzentuierung einzelner Branchen, Regionen oder Subanlageklassen im Portfolio können Konzentrationsrisiken entstehen, die Anlagern bewusst sein sollten. Die in dieser Publikation geäußerten Einschätzungen des globalen Anlagekomitees können einer Fehleinschätzung unterliegen, deren Umsetzung zu Vermögensverlusten führen können. Die genannten Chancen unterliegen immer dem Risiko, dass das chancenbegründende Ereignis gar nicht eintritt. Für eine vollständige Risikoaufklärung sollten Anleger auch die Broschüre „Basisinformationen über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“ beachten, die durch die Bethmann Bank erhältlich ist. Die beschriebenen Produkte und Dienstleistungen sollen nicht in den Rechtsordnungen angeboten, verkauft oder vertrieben werden, in denen dies unzulässig ist, einschließlich der Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn Sie beschriebene Produkte und Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen, sind Sie verpflichtet, die ABN AMRO Bank N.V. Frankfurt Branch darüber zu informieren, wenn Sie eine US-Person sind oder es Ihnen in Ihrem Heimatland nicht gestattet ist, solche Produkte oder Dienstleistungen zu beziehen.
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