Bei der Pressekonferenz zu den Düsseldorf Fashion Days 2026 ging es um mehr als Mode: um Sichtbarkeit, Ordergeschäft und die Zukunft des Modestandorts.

DFD by Fashion Net: Düsseldorfs Modestandort ist kein Selbstläufer

Von Alexandra Scholz-Marcovich |

Sechs Personen stehen vor dem blauen Kampagnenmotiv der Düsseldorf Fashion Days 2026 auf einer Terrasse am Kö-Bogen: Ulrike Kähler, Bernadette Bitterroff, Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller, Andrea Greuner, Mirjam Dietz und Manuel Farrokh
Pressekonferenz DFD by Fashion Net 2026

Pressekonferenz zu den Düsseldorf Fashion Days 2026 bei Eduard's by Breuninger, v. l. n. r.: Ulrike Kähler (Vorstandsvorsitzende Fashion Net Düsseldorf und Geschäftsführerin Igedo Exhibitions), Bernadette Bitterroff (Vorstand, Agenturen Bitterroff), Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller, Andrea Greuner (Geschäftsführerin Fashion Net Düsseldorf), Mirjam Dietz (Vorstand) und Manuel Farrokh (Vorstand, Horn & Company) / Foto: Alexandra Scholz-Marcovich, NDOZ

„Düsseldorf hat keine Zeit mehr zu verlieren." 600 Showrooms, 16 Milliarden Euro Umsatz – und die Frage, wie die Modestadt ihren Platz behauptet.

Diesmal hat der Termin Glück. Die Pressekonferenz zu den Düsseldorf Fashion Days 2026 fällt genau in die Lücke zwischen zwei Hitzewellen. Andrea Greuner erinnerte sich auf der Terrasse von Eduard's by Breuninger noch gut an das vergangene Jahr: 39 Grad, die ganze Runde musste nach drinnen flüchten. NDOZ hatte damals, als wir die Fashion Days 2025 begleiteten, schon am Vormittag 37 Grad in der Stadt notiert.

An diesem Donnerstag also: Luft. Auf den Tabletts schimmern alkoholfreie Drinks, Curaçao und Zitrone. Das Blau fällt auf. Hinter dem kleinen Rednerpult leuchtet das neue Kampagnenmotiv der DFD by Fashion Net in derselben Farbfamilie. Und als Andrea Greuner ans Mikrofon tritt, taucht der Ton ein drittes Mal auf: an ihren Ohrringen. Drei Details, eine Farbe. Es ist ein schönes Bild für eine Branche, die sehr genau weiß, wie Sichtbarkeit funktioniert.

Doch bei dieser Pressekonferenz geht es nicht nur um Farben, Looks und ein neues Visual. Es geht um Geschäft. Um Showrooms, Ordertermine, internationale Einkäuferinnen und Einkäufer. Und um die Frage, wie Düsseldorf seinen Platz im europäischen Modekalender behauptet.

DFD by Fashion Net: mehr als ein neuer Name

Die Düsseldorf Fashion Days treten 2026 sichtbarer unter der Marke DFD by Fashion Net auf. Das ist kein rein kosmetischer Schritt und auch keine Umbenennung des Vereins.

Andrea Greuner, Geschäftsführerin von Fashion Net Düsseldorf, stellte es gleich zu Beginn klar: „Der Verein heißt nach wie vor Fashion Net, daran ändert sich auch nichts." Man wolle aber die Strahlkraft der Düsseldorf Fashion Days stärker für das Netzwerk nutzen.

Das ist ein wichtiger Punkt. Denn Fashion Net ist in Düsseldorf zwar seit Jahren ein zentraler Zusammenschluss der Modebranche, aber außerhalb der engeren Branchenkreise nicht allen bekannt. Die DFD dagegen sind als Begriff deutlich sichtbarer: Ordertage, Festival, Shows, Innenstadtprogramm, Modebilder. Der neue Auftritt versucht, beides enger zusammenzubinden. Hinter dem neuen Auftritt steht auch ein neuer Vorstand: Seit Januar führt Ulrike Kähler den Verein, mit Bernadette Bitterroff, Mirjam Dietz und Manuel Farrokh als neu gewählten Mitgliedern. Sichtbarkeit ist in der Mode kein Nebeneffekt. Sie ist Teil des Geschäfts.

Ein Motiv aus Düsseldorf

Auch das neue Kampagnenmotiv passt zu diesem Anspruch. Entwickelt wurde es von Uhlemann Design, einem Düsseldorfer Studio. Damit kommt nicht nur die Veranstaltung aus dem Standort, sondern auch ihr visuelles Gesicht. Der Modestandort erzählt sich hier nicht mit einem austauschbaren Agenturbild, sondern mit Gestaltung aus der Stadt.

Hinter dem Motiv

Gestaltung aus Düsseldorf

Das Kampagnenmotiv der Düsseldorf Fashion Days 2026 stammt von Uhlemann Design, dem Düsseldorfer Studio von Judith Uhlemann und Julie Matulla. Matulla kam 2019 aus Frankreich nach Düsseldorf, mit einem Master in Art Direction der Pariser Hochschule Penninghen.

Die Handschrift des Studios kennt Düsseldorf längst: Das Erscheinungsbild des Düsseldorf Festivals – Logo, Plakate, Website – stammt ebenfalls von Uhlemann Design.

Kampagnenmotiv der Düsseldorf Fashion Days 2026: eine Frau mit blauem Tuch und ein Mann vor hellblauem Himmel, dazu der Schriftzug DFD by Fashion Net und das Datum 22. bis 29. Juli 26

Mode als Wirtschaftsfaktor

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller rückte die wirtschaftliche Dimension in den Mittelpunkt. Die Düsseldorf Fashion Days gehen 2026 in ihre sechste Ausgabe. Was 2020 mit der Eröffnung der Ordertage unter einer gemeinsamen Dachmarke begann, habe sich zu einer etablierten Plattform entwickelt, sagte Keller.

Die Zahlen, die er nannte, machen deutlich, warum der Begriff Modestadt in Düsseldorf mehr meint als ein Image. Rund 600 Showrooms, die Ordermessen Supreme und TWODAYS, 1.100 Modeunternehmen und ein Branchenumsatz von rund 16 Milliarden Euro machten Düsseldorf zu einer Schaltstelle der Modewirtschaft. Mehr als 30.000 Menschen arbeiteten in der Region im Modemarkt, rund 21.000 davon in Düsseldorf.

Keller formulierte es so: „Mode ist für Düsseldorf weit mehr als ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Mode gehört zu unserer Identität."

Das ist ein Satz, der gut klingt. Aber er ist auch eine Verpflichtung. Denn wenn Mode zur Identität einer Stadt gehört, reicht es nicht, sie zweimal im Jahr zu feiern. Sie muss organisiert, sichtbar gemacht und wirtschaftlich gepflegt werden.

Düsseldorf ist stark. Aber der Standort muss arbeiten.

Genau hier setzte Ulrike Kähler an. Die Vorstandsvorsitzende von Fashion Net Düsseldorf und Geschäftsführerin der Igedo Exhibitions sprach weniger über Glamour als über Strukturarbeit. „Ich bin jetzt 40 Jahre Messegeschäft", sagte sie. Ihr Ton war klar: Düsseldorf ist stark, aber dieser Status ist kein Selbstläufer.

Kähler beschrieb, wie die Igedo Exhibitions während der Tage an mehreren Orten präsent ist: mit TWODAYS in der Halle 29, mit Flächen für Premium-Agenturen und Brands im KAP.ONE am Karl-Arnold-Platz und mit einem Igedo-Selected-Slot im Showprogramm des Festivals. Es geht um Segmente, Laufzeiten, fußläufige Wege und die Frage, wo sich Geschäft wirklich abspielt.

Noch wichtiger war ihr Blick über die Modebranche hinaus. Kähler berichtete von Gesprächen mit Immobilienprojektentwicklern: Wie ist der Standort aufgestellt, welche Räume werden gebraucht, wie können sich Unternehmen in Düsseldorf leichter ansiedeln? Auch Hotellerie und Gastronomie sollen stärker mitgedacht werden. Denn viele Händlerinnen und Händler kämen morgens an und führen abends wieder weg, ohne die Vielfalt der Stadt wirklich zu sehen. Darin steckt eine nüchterne Standortfrage: Wie wird aus einem effizienten Ordertermin wieder ein Aufenthalt? Und wie bleibt mehr Wertschöpfung in der Stadt?

Die Konkurrenz schläft nicht

Kähler sprach auch über das Thema, das in der Modebranche regelmäßig für Diskussionen sorgt: Termine. Wer Mode ordert, bewegt sich nicht nur in Düsseldorf. Paris, Florenz, Mailand, Kopenhagen und Amsterdam liegen im selben europäischen Kalender. Wenn Termine kollidieren, geraten Händlerinnen, Händler und Aussteller unter Druck.

„Düsseldorf als Order-Standort hat keine Zeit mehr zu verlieren, sich immer wieder neu zu positionieren", sagte Kähler. Düsseldorf muss nicht neu erfunden werden. Aber es muss sich jede Saison neu behaupten.

Fashion Net versteht sich dabei als Klammer. Ohne Fashion Net, so Kähler, würde es diese Klammer für die Ordertage in Düsseldorf eigentlich nicht geben. Jeder, der sich beteilige, sei willkommen. Das klingt zunächst organisatorisch. In Wahrheit ist es strategisch. Ein Modestandort besteht nicht nur aus Showrooms, sondern aus Verbindungen: zwischen Marken und Handel, zwischen Messeformaten und Stadt, zwischen Branche und Publikum. Dass Kähler diese Stadt, wie sie sagte, von Kindesbeinen an am Herzen liegt, hört man ihrem Programm an.

In der anschließenden Fragerunde knüpfte Andrea Greuner direkt an Kählers Worte an. Was den Standort besonders mache, sei die Präsenz übers ganze Jahr – anders als bei Messeplattformen, bei denen nach vier Tagen alle wieder abreisen und sich das Thema auflöst. Dann wurde sie rheinisch:

„Mode wird immer so selbstverständlich mit Düsseldorf verknüpft. Aber es ist eben viel Arbeit, dass das auch so bleibt – und dass uns diese Butter nicht vom Brot genommen wird."

Vom Showroom in die Innenstadt

Diese Verbindung soll während der DFD 2026 besonders sichtbar werden. Vom 22. bis 29. Juli steht Düsseldorf wieder im Zeichen der Mode. Das internationale Ordergeschäft – diesmal für die Frühjahr/Sommer-Kollektionen 2027 – bleibt der Kern. Parallel dazu öffnet die DFD Festival Edition am Samstag, 25. Juli, die Innenstadt: Nach Angaben der Landeshauptstadt mit rund 200 Angeboten und mehr als 250 beteiligten Akteurinnen und Akteuren – vom Hofgarten über die Königsallee bis ins Lorettoviertel.

Damit versucht die DFD, zwei Zielgruppen gleichzeitig zu erreichen: die professionelle Branche und das lokale Publikum. Für Einkäuferinnen und Einkäufer geht es um Kollektionen, Kontakte und Order. Für Besucherinnen und Besucher geht es um Mode als Erlebnis im Stadtraum. Für Düsseldorf geht es um Frequenz, Handel, Gastronomie, Kreativwirtschaft und Stadtimage. Keller beschrieb genau diesen Effekt: Mode werde nicht nur präsentiert, sondern in der gesamten Innenstadt erlebbar.

Wie stark der Festivalteil gewachsen ist, machte in der Fragerunde Florian van den Broek deutlich, bei der Wirtschaftsförderung Düsseldorf zuständig für Fashion, Beauty und Lifestyle: THE DORF THE MARKET sei erneut gewachsen und zähle in diesem Jahr über 40 teilnehmende Labels – erstmals auch sizilianische, im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Palermo.

Auf einen Blick

DFD Festival Edition 2026

Wann: Samstag, 25. Juli 2026 – im Rahmen der Düsseldorf Fashion Days (22. bis 29. Juli)

Umfang: rund 200 Angebote, mehr als 250 Akteurinnen und Akteure – Aktionen, Rabatte und Live-DJ-Sets in Geschäften und Gastronomien

Königsallee: Modenschau als Hommage an den historischen IGEDO-Laufsteg von 1949, Fashion Shows ab 13:45 Uhr am Corneliusplatz – mit sizilianischen Marken und Studierenden der Accademia di Belle Arti Palermo (gefördert von der EU-Kommission)

Jägerhofallee/Hofgarten: THE DORF THE MARKET, 11 bis 18 Uhr, mehr als 40 Akteurinnen und Akteure der lokalen Kreativwirtschaft – mit Fokus auf Japan, Palermo und die zehnjährige Städtepartnerschaft

Corneliusplatz: TASTE UP! – Gastronomie trifft Nachwuchs

Schadowplatz: Public Catwalk – Besucherinnen und Besucher zeigen ihren eigenen Stil

Lorettoviertel: Loretto Summer, zurück nach einjähriger Pause, mehr als 60 Angebote aus Handel und Gastronomie

Vollständiges Festivalprogramm: dfd-festival.de · Timetable der Ordertage: fashion-net-duesseldorf.de

Angaben: Landeshauptstadt Düsseldorf / DFD by Fashion Net

Warum das für Düsseldorf zählt

Für viele Düsseldorferinnen und Düsseldorfer sind die Fashion Days vor allem sichtbar, wenn Laufstege aufgebaut, Pop-ups angekündigt oder Schaufenster dekoriert werden. Der wirtschaftliche Kern liegt tiefer. Die Modebranche bringt Menschen in die Stadt, füllt Hotels, Restaurants und Showrooms. Sie schafft Kontakte, Umsätze, Jobs und Sichtbarkeit. Genau deshalb ist DFD by Fashion Net mehr als ein Brandingthema.

„Düsseldorf ist der Modestandort in Deutschland", sagte Andrea Greuner. Und: „Wir sitzen in der Mitte von Deutschland, wir machen hier das Geschäft und das soll so bleiben."

Kähler lieferte die notwendige Realität dahinter: Ein solcher Standort bleibt nur stark, wenn er sich organisiert, zuhört, Termine koordiniert und die relevanten Akteurinnen und Akteure immer wieder zusammenbringt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr wirkt der Ton 2026 erwachsener. Weniger nur Festival, mehr Standortarbeit. Weniger nur Bild, mehr Struktur.

Das neue Blau der Kampagne bleibt trotzdem im Kopf. Nicht, weil Farbe allein Wirtschaft macht. Sondern weil sie zeigt, worum es geht: sichtbar werden, wiedererkennbar bleiben, Aufmerksamkeit bündeln. Düsseldorf ist Modestadt. Aber nach dieser Pressekonferenz ist ebenso klar: Damit das so bleibt, muss hinter den Bildern gearbeitet werden.

„Kurz & knapp" (Wirtschaftsdaten)

Was: Düsseldorf Fashion Days 2026 / DFD by Fashion Net, sechste Ausgabe seit 2020
Wann: 22. bis 29. Juli 2026
Showrooms: rund 600
Orderplattformen: Supreme Women&Men, TWODAYS (Halle 29 und KAP.ONE), Salon Düsseldorf im Malkasten
Branche: DFD-Branchenparty am 26. Juli im THE WELLEM
Modeunternehmen: 1.100 in Düsseldorf
Branchenumsatz: rund 16 Milliarden Euro
Beschäftigung: mehr als 30.000 Menschen in der Region, rund 21.000 in Düsseldorf
Einordnung: Die DFD verbinden internationales Ordergeschäft mit Sichtbarkeit in der Stadt.