Kapitalmarkt-Dialog Juli 2026 | NDOZ × Bethmann HAL: DAX-Rekord, KI-Boom, Energiepreise und eine ausgewogene Anlagestrategie.

Die Risiken streuen, wenn die Lage unsicher ist

Miniatur-Gabelstapler vor einem Laptop stapelt Kartons mit den Aufschriften Aktien, Anleihen, ETFs, Rohstoffe, Fonds, Immobilienanlagen und Risiko.
Risiken über verschiedene Anlageklassen streuen

Aktien, Anleihen, ETFs, Rohstoffe und Immobilienanlagen: In einem unsicheren Marktumfeld kann eine breite Streuung dazu beitragen, Risiken nicht auf eine einzelne Anlageklasse zu konzentrieren. / Foto: Adobe Stock

DAX auf Rekordhoch, Krieg in Nahost, hohe Energiepreise: Warum Bethmann HAL im Juli weiterhin auf breite Risikostreuung setzt.

Der Krieg in Nahost geht weiter, aber die Kurs-Rallye an den internationalen Börsen ließ sich davon zunächst nicht stoppen: Zwar blieben die Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Krieges im Nahen Osten trotz des jüngsten Rahmenabkommens zwischen USA und Iran unerfüllt. Doch ungeachtet dessen treibt der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) die Kapitalmärkte – insbesondere in den USA und Asien – an. Der Deutsche Aktienindex (DAX) kletterte Anfang Juli auf ein neues Rekordhoch von mehr als 25.900 Punkten. Die Risiken durch hohe Energiepreise rückten zeitweise in den Hintergrund. Aus der Welt sind sie damit aber nicht.

Der Kapitalmarkt-Dialog von NDOZ und Bethmann HAL mit ihrer Niederlassung in Düsseldorf schafft Orientierung. Wer sein Geld klug anlegen möchte, kann von wertvollen Einschätzungen profitieren.

Hier die Analyse von Patric Wilhelm, Geschäftsbereichsleiter der Bethmann HAL:

 

Der Rückblick

Das 2. Quartal dieses Jahres erwies sich als das stärkste Quartal für globale Aktien seit sechs Jahren. Gleichzeitig stand es ganz im Zeichen des geopolitischen Schocks durch den Konflikt am Persischen Golf. Der Iran sperrte die Straße von Hormus und damit den wichtigsten Transportweg für Erdöl und Flüssigerdgas. Die Energiepreise stiegen deutlich. In der Folge beschleunigte sich die globale Inflation. Die Zentralbanken sahen sich zu einer Neubewertung ihrer geldpolitischen Ausrichtung gezwungen.

Zum Kapitalmarkt-Dialog Juni 2026: Spritpreise runter, Aktien rauf: Frieden in Nahost? Investieren mit Blick nach vorn

US-Aktien zeigten sich zuletzt insgesamt widerstandsfähiger, gestützt durch den Energiesektor sowie einige große Finanzdienstleister. Europa blieb hinter den Erwartungen zurück. Handelssorgen und ein stärkerer Euro belasteten hier Exporteure, Industrieunternehmen und Technologiewerte.

Die aktuelle Lage

Das Rahmenabkommen der Kriegsparteien sollte den Weg zum Frieden ebnen. Doch es kam immer wieder zu gegenseitigen Attacken. Eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus ist nicht in Sicht. Die Lage ist also weiterhin fragil. Im Zuge der jüngsten Eskalation gerieten auch die Börsen zwischenzeitlich unter Druck.

Der Ausblick

Der kurzfristige Ausblick steht in einem Spannungsfeld zwischen Zurückhaltung und Optimismus: Einerseits ist die Marktlage mit Blick auf Energiepreise und Inflation eher vorsichtig einzuschätzen. Andererseits sind die Erwartungen für die mittlere Zukunft durchaus positiv. So könnten die stabile Finanzierungslage und starke Aktienmärkte die Nachfrage – etwa auf dem Feld der KI – hochhalten.

Die Strategie

Der weiter schwelende Iran-Konflikt, eine angespannte Energieversorgung und anhaltende Inflationsrisiken: Diese Unsicherheiten prägen den Kapitalmarkt weiterhin. Makroökonomisch zeigt sich ein insgesamt solides Bild. Vor allem in den USA, wo der KI‑Investitionsboom das Wachstum stützt.

  • Aktien: Die jüngste Aktienrallye – insbesondere im Technologie- und Halbleitersektor – hat zu höheren Bewertungen geführt. Vor diesem Hintergrund hatte die Bethmann HAL die Übergewichtung von Schwellenländern bereits auf neutral reduziert. Denn deren Bewertungen sind gestiegen, und sie leiden stärker unter schwankenden Energiepreisen. Die frei gewordenen Mittel werden in Industrieländer umgeschichtet, die eine stabilere und breiter diversifizierte Ertragsbasis bieten. Dabei bleibt die Präferenz für die USA bestehen, da sie besonders vom KI‑Trend profitieren.
  • Anleihen: Gestiegene Renditen prägen die Rentenmärkte. Gründe liegen in der Inflation und in einer restriktiveren Notenbankpolitik. Die Risikoprämien bei Unternehmensanleihen lagen zwischenzeitlich nahe historischer Tiefstände. Hier ist eine weitere Einengung nur begrenzt zu erwarten. Das bremst sowohl zusätzliche Kursgewinne als auch die Attraktivität risikobehafteter Anlagen. Dennoch bieten Anleihen wieder attraktivere laufende Erträge. Gleichwohl bleibt das Kurspotenzial eingeschränkt. Deshalb erscheint eine neutrale Positionierung sinnvoll.
  • Gold: Gold stand zuletzt unter Druck. Trotzdem bleiben strukturelle Treiber wie Käufe durch die Zentralbanken intakt. Deshalb schätzen wir Gold weiterhin positiv ein, reduzieren hier in der klassischen Strategie aber leicht.

Das Interview

Frage: Wie fassen Sie die Lage zusammen?

Patric Wilhelm: „Der Krieg am Persischen Golf bleibt das große Thema und damit ein Unsicherheitsfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung. Zwar wird die Inflation insbesondere in den USA durch robuste Nachfrage gestützt. In Europa deuten Frühindikatoren aber auf eine konjunkturelle Abschwächung hin. In Deutschland gingen die Benzinpreise prompt wieder in die Höhe, nachdem der Tankrabatt Ende Juni ausgelaufen ist. Und hohe Energiepreise treiben nun mal die Teuerung an.“

Frage: Was bedeutet das für die aktuelle Strategie bei der Geldanlage?

Patric Wilhelm: „Wir hatten als Bethmann HAL unser Engagement bereits bei Schwellenländern und Gold reduziert und uns stärker auf die Industrieländer fokussiert. Diese Anpassungen spiegelten die veränderten Marktbedingungen und Bewertungen wider. Das Umfeld bleibt leider weiterhin von Unsicherheit geprägt. Es bleibt daher geboten, die Anlagen breit zu streuen: Eine ausgewogene, neutrale Gewichtung über alle Anlageklassen hinweg erscheint weiterhin angemessen.“

 

 

Über die Bethmann HAL

Die Privatbankmarke Bethmann HAL ist Teil der ABN AMRO Deutschland und zählt zu den drei größten Anbietern von Wealth Management in Deutschland. Sie vereint die jahrhundertelangen Privatbankkulturen der Vorgängerinstitute Bethmann Bank und Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) und deren herausragende Expertise bei der Betreuung großer und komplexer Vermögen. Neben einem umfassenden Angebot in der Vermögensverwaltung bietet Bethmann HAL ein Wertpapier-Beratungsgeschäft, Zugang zu Private Assets wie Private Equity und Immobilien sowie einen Wealth Planning-Ansatz, der die individuelle Vermögungssituation nach Kundenpräferenzen und über alle Asset-Klassen und Generationen hin optimiert. Eine besondere Expertise besteht im Bereich E&E (Entrepreneur & Enterprise): Die ganzheitliche Betreuung von mittelständischen Unternehmern sowohl mit Blick auf ihre familiäre als auch auf ihre unternehmerische Vermögenslage durch integrierte Teams aus dem Wealth Management und Corporate Banking der ABN AMRO ist in dieser Form ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Markt. Bethmann HAL verfügt über Assets under Management (AuM) von mehr als 70 Mrd. Euro und ist an 17 Standorten in Deutschland präsent.