Der Rat entscheidet am 16. Juli über die künftige Mitwirkung an der Volkshochschule.

VHS Düsseldorf: Neuer Standort, weniger Kurse – und jetzt Streit um Mitbestimmung

Oberbürgermeister Stephan Keller besucht bei der Eröffnung der VHS Düsseldorf an der Yorckstraße einen Kursraum mit Teilnehmenden.
VHS Düsseldorf an der Yorckstraße: Rundgang zur Eröffnung

Bei der Eröffnung des neuen VHS-Standorts an der Yorckstraße überzeugte sich Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller im April von den neuen Räumlichkeiten. Wenige Wochen später sorgen Kürzungen und eine geplante Änderung der VHS-Satzung für politische Diskussionen. / Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf / David Young

Die Stadt will das VHS-Kuratorium durch neue Beteiligungsformate ersetzen. GEW und Dozierende warnen vor weniger verbindlicher Mitbestimmung.

Im April wurde an der Yorckstraße gefeiert. Die Volkshochschule Düsseldorf hatte ein neues Zuhause bekommen: 16.000 Quadratmeter, moderne Seminarräume, Fachräume, Dachgärten. Oberbürgermeister Stephan Keller sprach damals von einem „starken Zeichen“ für den hohen Stellenwert von Weiterbildung in Düsseldorf.

Wenige Wochen später steht dieselbe Einrichtung politisch unter Druck. Erst wurden Kürzungen im Kursangebot bekannt. Nun soll auch die Satzung geändert werden: Das bisherige Kuratorium soll in der Satzung entfallen und durch neue Beteiligungsformate, Feedback-Möglichkeiten und einen Qualitätszirkel ersetzt werden.

Für die Verwaltung ist das „zeitgemäße Partizipation“. Für GEW und Dozierende geht es um weniger verbindliche Mitbestimmung.

Der Rat der Stadt Düsseldorf soll am 16. Juli über die Vorlage KUA/097/2026 entscheiden. Am selben Tag steht auch eine Anfrage zu Streichungen und Kürzungen bei VHS-Angeboten auf der Tagesordnung.

Vom Zukunftsort zum Streitfall

Der neue Standort an der Yorckstraße wurde am 20. April offiziell eröffnet. Die Landeshauptstadt hatte rund 10,5 Millionen Euro investiert. Auf 16.000 Quadratmetern entstanden 58 Seminarräume, 27 Fachräume, multifunktionale Säle, eine Cafeteria und Dachgärten.

Die VHS, 1919 gegründet, erreicht nach Angaben der Stadt jährlich rund 50.000 Teilnehmende und verzeichnet mehr als 400.000 Besucherinnen und Besucher. Gerade deshalb fällt der Kontrast auf: Während die Stadt im Frühjahr den neuen Standort als Zukunftsort präsentierte, wird nun über Einschnitte und Mitwirkung gestritten.

350.000 Euro weniger Honorare

In einer Antwort der Verwaltung an den Rat heißt es, der VHS stünden für das Programmbereichsjahr 2026/2027 rund 350.000 Euro beziehungsweise etwa 30 Prozent weniger Honorarmittel als bisher zur Verfügung.

Die Verwaltung verweist dabei auf Nachfrage, Qualitätssicherung, Zielgruppenanalysen und die städtischen Haushaltsvorgaben. Zugleich soll das Gesamtangebot der VHS nachhaltig gesichert werden.

Für freiberufliche Dozentinnen und Dozenten sind die Einschnitte jedoch konkret spürbar. Nach einer ergänzenden Antwort aus der Verwaltung bleibt bei rund 30 Prozent der Dozierenden das Honorar im zweiten Halbjahr 2026 unverändert. Weitere rund 30 Prozent verlieren bis zu 500 Euro. Rund 20 Prozent verlieren zwischen 500 und 1.000 Euro, etwa 14 Prozent zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Knapp sechs Prozent müssen mit mehr als 2.000 Euro weniger Honorar rechnen.

Die Linke kritisiert diese Entwicklung scharf. Ihr bildungspolitischer Sprecher Matthias Poczatek erklärte: „Sparen bei der Weiterbildung ist schlichtweg falsch; sie ist entscheidend für sozialen Fortschritt und Chancengleichheit.“

Kuratorium soll durch neue Beteiligungsformate ersetzt werden

Mit der Vorlage KUA/097/2026 schlägt die Verwaltung nun eine Änderung der VHS-Satzung vor. Begründet wird sie unter anderem mit dem Umzug der Volkshochschule, einer strukturellen und inhaltlichen Neuausrichtung sowie dem Wechsel der VHS vom Schulausschuss in den Kulturausschuss nach der Kommunalwahl 2025.

Die Verwaltung spricht von einer „Neugestaltung des Mitwirkungsverfahrens“. Beteiligung soll künftig ohne vorgeschaltete Wahlverfahren organisiert werden. Vorgesehen sind Evaluationen, Feedback-Möglichkeiten für Teilnehmende, Lehrkräfte und Mitarbeitende sowie partizipative Formate. Anregungen und Programmwünsche sollen durch einen Qualitätszirkel geprüft werden und in Entscheidungsprozesse einfließen.

Zugleich zeigt die Synopse zur Vorlage deutlich: Die bisherigen Regelungen zum VHS-Kuratorium sollen entfallen. Das betrifft die Aufgaben des Kuratoriums, seine Zusammensetzung, die Arbeitsweise, die Wahlen der Mitglieder, Amtszeiten und Einladungen.

Was mit dem Kuratorium verschwinden würde

Das klingt technisch, ist aber politisch relevant.

Das Kuratorium war bislang in der Satzung verankert. Dort saßen unter anderem Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, VHS-Leitung, Mitarbeiterschaft, freiberuflichen Dozierenden und Teilnehmenden. Das Gremium konnte Empfehlungen zu Grundzügen des Programms, Haushalt, Stellenplan, Bau- und Raumfragen, Öffentlichkeitsarbeit, Kooperationen sowie zur Entgelt- und Honorarordnung aussprechen.

Die neue Satzung setzt stattdessen auf Evaluationen, Feedback-Möglichkeiten, offene Beteiligungsformate und einen Qualitätszirkel. Der Unterschied ist entscheidend: Aus einem gewählten, öffentlich geregelten Gremium würde ein flexibleres Beteiligungsmodell.

Die Verwaltung hält das bisherige Format für überholt. In der Synopse heißt es, die Wahl von Sprecherinnen und Sprechern habe sich als „nicht mehr zeitgemäß“ herausgestellt. An ihre Stelle sollen offene Formate mit Beteiligung und Austausch aller Interessierten treten.

GEW und Dozierende sehen genau darin das Problem. Sie befürchten, dass verbindliche Mitwirkung durch weniger klare Beteiligungsformen ersetzt wird.

Warum die VHS mehr ist als ein Kursheft

Die Volkshochschule ist in Düsseldorf mehr als ein Kursanbieter. Für viele Menschen ist sie ein erster Ort, um Deutsch zu lernen, beruflich wieder Anschluss zu finden, digitale Kompetenzen aufzubauen oder überhaupt wieder in einen Lernrhythmus zu kommen.

Gerade weil die VHS niedrigschwellig arbeitet, trifft eine Kürzung des Angebots nicht nur ein Programmheft. Sie betrifft eine städtische Infrastruktur der Teilhabe.

Das gilt auch für die Menschen, die dort unterrichten. Viele arbeiten freiberuflich. Sie tragen Sprachkurse, berufliche Weiterbildung, Kreativangebote, gesellschaftliche Bildung und Integrationsangebote mit. Dass die VHS in Düsseldorf auch von persönlichem Engagement lebt, hatte NDOZ bereits beim VHS-Ehrenpreis 2025 erlebt. Damals wurde das Team des VHS-Mobils ausgezeichnet, ein Projekt für barrierefreie Stadtführungen.

Der Haushaltsdruck kommt im Alltag an

Die Kürzungen an der VHS stehen vor dem Hintergrund einer angespannten Haushaltslage. Düsseldorf hat den Haushalt 2026 zwar beschlossen, geht aber mit einem Defizit von 390,4 Millionen Euro ins Jahr. Der finanzielle Puffer der Stadt ist fast aufgebraucht. NDOZ hatte die Haushaltslage bereits im März eingeordnet.

Auch andere Entscheidungen zeigen, wie stark der finanzielle Druck inzwischen in die Stadtpolitik hineinwirkt. Der gestoppte Neubau des Opernhauses wurde ebenfalls mit der angespannten Haushaltslage begründet. Damals wurde deutlich: Die Diskussion über städtische Finanzen bleibt nicht abstrakt. Sie erreicht konkrete Projekte, Einrichtungen und Angebote.

Bei der VHS ist diese Entwicklung besonders sensibel. Denn Weiterbildung betrifft Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenslagen: Zugewanderte, Berufstätige, Seniorinnen und Senioren, Menschen ohne Schulabschluss, Eltern, Kreative, Arbeitssuchende und alle, die sich weiterbilden wollen.

Was der Rat jetzt klären muss

Entscheidend ist nun, wie die neuen Beteiligungsformate konkret aussehen sollen. Wer wird eingeladen? Wie regelmäßig finden diese Formate statt? Wie werden Vorschläge dokumentiert? Wer sitzt im Qualitätszirkel? Und wie transparent wird nachvollziehbar, welche Anregungen tatsächlich in Entscheidungen einfließen?

Genau hier liegt der Unterschied zwischen Mitwirkung als offenem Austausch und Mitwirkung als verbindlicher Struktur.

Die Frage ist nicht, ob Düsseldorf seine VHS braucht. Gerade weil sie gebraucht wird, muss transparent werden, was dort gekürzt, verändert und entschieden wird.

 

Kurz & knapp

Worum geht es?
Der Rat der Stadt Düsseldorf soll am 16. Juli über eine Änderung der VHS-Satzung entscheiden. Die Verwaltung will das bisherige Kuratorium durch neue Beteiligungsformate ersetzen.

Was ist das Kuratorium?
Ein bisher in der Satzung verankertes Gremium, in dem unter anderem Politik, VHS-Leitung, Mitarbeitende, freiberufliche Dozierende und Teilnehmende vertreten waren.

Was konnte das Kuratorium tun?
Es konnte Empfehlungen zu Programm, Haushalt, Räumen, Kooperationen, Öffentlichkeitsarbeit, Entgeltordnung und Honorarordnung aussprechen.

Was plant die Verwaltung stattdessen?
Evaluationen, Feedback-Möglichkeiten, partizipative Formate und einen Qualitätszirkel, der Anregungen und Programmwünsche prüft.

Warum gibt es Kritik?
GEW und Dozierende befürchten, dass verbindliche Mitwirkung durch weniger klare Beteiligungsformate ersetzt wird.

Was ist der finanzielle Hintergrund?
Für das Programmbereichsjahr 2026/2027 stehen der VHS nach Verwaltungsangaben rund 350.000 Euro beziehungsweise etwa 30 Prozent weniger Honorarmittel zur Verfügung.

Was bleibt offen?
Wie die neuen Beteiligungsformate konkret organisiert werden und wie transparent sie Einfluss auf Entscheidungen nehmen.

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