Kapitalmarkt-Dialog März 2026 | NDOZ × Bethmann Bank : Iran-Krieg, Straße von Hormus, Öl & LNG
Krieg im Iran – Sperrung der Straße von Hormus - Was Anleger jetzt wissen müssen
Karte: Straße von Hormus (Iran/Oman) – wichtige Schifffahrtsroute
Straße von Hormus: Die Meerenge zwischen Iran und Oman ist eine Schlüsselroute für Öl- und LNG-Transporte – entsprechend sensibel reagieren die Märkte bei Krisen in der Region. / Grafik: NDOZ (KI-gestützt erstellt)
Iran-Krieg, Straße von Hormus, Ölpreis, Gold: Warum die Märkte nervös reagieren – und was jetzt wirklich entscheidend wird.
Der Krieg im Iran ist das sprichwörtlich brennende Thema an den internationalen Finanzmärkten. Seit Beginn der koordinierten Angriffe der USA und Israels am 28. Februar auf Teheran und andere iranische Städte erleben die Aktien- und Rohstoffmärkte eine Achterbahnfahrt. Der Rohölpreis stieg zeitweise auf mehr als 110 Dollar je Barrel (159 Liter) der Sorte Brent. Der Goldpreis sprang zwischenzeitlich erneut über die Marke von 5.400 Dollar.
Grund für die höhere Nachfrage beim Gold war die Krisenangst der Anlegerinnen und Anleger, die das Edelmetall weiterhin als sichere Anlage bewerten. Die bange Frage: Was droht im persönlichen Alltag und für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, falls mit den Sprit- auch die Gas- und Strompreise massiv steigen sollten?
Doch Angst ist niemals ein guter Ratgeber. Und Panik am Kapitalmarkt kann richtig teuer werden. Besser ist es, Risiken und Chancen nüchtern zu bewerten. Dafür steht der Kapitalmarkt-Dialog von NDOZ und Bethmann Bank. Hier gibt das Team der Bethmann Bank in Düsseldorf wertvolle Einschätzungen für die Kapitalanlage.
Patric Wilhelm, Geschäftsbereichsleiter der Bethmann Bank, analysiert die aktuelle Situation und blickt voraus auf die weitere Entwicklung. Hier seine Zusammenfassung:
Patric Wilhelm (Bethmann Bank) – Kapitalmarkt-Dialog NDOZ
Patric Wilhelm, Geschäftsbereichsleiter der Bethmann Bank, im Kapitalmarkt-Dialog mit NDOZ. / Foto: Bethmann Bank
Der Rückblick
Bereits im Februar hatten sich die Finanzmärkte anfällig für Schwankungen gezeigt. Insbesondere Aktien aus dem IT-Sektor standen unter Druck. Hintergrund war die Sorge über hohe Kosten für Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) und über die Konkurrenz, die sie für etablierte Softwareunternehmen darstellen. Gefragt waren stattdessen klassische Energie- und Industriewerte.
Die Schwankungen standen im Widerspruch zu guten fundamentalen Wachstumsperspektiven vieler Volkswirtschaften weltweit. Insbesondere wirkten der starke wirtschaftliche Ausblick und die hohen Gewinnerwartungen in den Schwellenländern attraktiv. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, die meisten globalen Zölle von Präsident Donald Trump aufzuheben, sorgte – allerdings nur kurzzeitig – für erneute Unsicherheit an den Finanzmärkten. Trumps anschließende Ankündigung eines neuen Zollsatzes von 10 Prozent ließ Zweifel an bestehenden Handelsabkommen und den rechtlichen und finanziellen Folgen aufkommen. Die Märkte reagierten jedoch verhalten.
Die aktuelle Lage
Die Finanzmärkte zeigen sich nun aufgrund der geopolitischen Turbulenzen nervös. Alle Welt blickt auf den Ölpreis. Etwa die Teilnehmenden an den Finanzmärkten: Denn die Energiepreise sind der wichtigste Kanal, über den sich der Krieg im Iran auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte auswirken kann. Aber auch die Verbraucherinnen und Verbraucher: Der Spritpreis sprang zeitweise deutlich über die 2,00-Euro-Marke.
Höhere Energiepreise führen zu einer höheren Inflation. Das wiederum kann höhere Anleiherenditen zur Folge haben. Daher sind Ölförderanlagen, Infrastruktur und Transportwege besonders wichtig. Hier ragt der Transport durch die Straße von Hormus heraus. Über sie wird rund ein Viertel des gesamten weltweiten Seetransports von Öl und rund ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgas-Handels abgewickelt.
Der Ausblick
Die globale Wirtschaft steht spürbar unter Druck. Denn die anhaltenden geopolitischen Spannungen erhöhen die Unsicherheit und bremsen die Investitionen sowie den Konsum. Auch belastet der Streit um Zölle zwischen den USA und der EU den Ausblick. Gleichzeitig nimmt der politische Druck auf die US‑Notenbank Fed zu. Der von Trump betriebene Wechsel an der Spitze der Fed, der im Mai bevorsteht, verstärkt die Sorgen um ihre Unabhängigkeit.
Die Folgen könnten höhere Inflation und steigende Zinsen sein. Insgesamt bleibt der wirtschaftliche Ausblick durch Unsicherheiten im Handel, schwankende Energiepreise und geldpolitische Unsicherheiten belastet.
Wie lange dauert der Konflikt im Nahen Osten? Diese Frage dürfte für die weitere Entwicklung an den Rohstoff- und Aktienbörsen entscheidend sein. Jüngste Äußerungen Trumps, wonach der Iran-Krieg „so gut wie beendet“ sei, sorgten für eine zwischenzeitliche Entspannung am Rohölmarkt. Ein Fass Brent kostete zeitweise unter 90 Dollar.
Die Erfahrung zeigt: Ein Krieg hat für die direkt Betroffenen immer tiefgreifende Folgen. Doch seine Auswirkungen auf die Finanzmärkte sind in der Regel weitaus begrenzter. Sie beschränken sich oftmals auf kurze Phasen erhöhter Volatilität. Die Finanzmärkte neigen dazu, die Auswirkungen aus finanzieller Sicht zu bewerten: Wenn es keine weitreichenden signifikanten Auswirkungen auf die Volkswirtschaft gibt, fällt die Reaktion in der Regel verhalten aus.
Die Strategie
Falls der Konflikt in den nächsten Wochen so gelöst oder eingedämmt werden kann, dass die Energielieferungen weitergehen, dürften die Märkte unserer Meinung nach schnell darüber hinwegsehen. Sie würden sich wieder auf das starke makroökonomische Umfeld, die potenziellen Auswirkungen der Umbrüche durch KI und die Herausforderungen für die privaten Kreditmärkte konzentrieren.
Derzeit vertreten wir die Meinung, dass Anlegerinnen und Anleger an ihrer langfristigen Strategie festhalten und keine wesentlichen Änderungen an ihrem Portfolio vornehmen sollten.
Insgesamt bleiben wir gegenüber Aktien positiv eingestellt.
Auch zu Gold behalten wir unsere positive Einschätzung bei. Gold profitiert von seiner Funktion als verlässlicher Anker in einem unsicheren Umfeld.
Bei Anleihen hingegen bleiben wir neutral. Investoren wenden sich verstärkt hochwertigen Anleihen zu.
Fazit: Die globalen wirtschaftlichen Fundamentaldaten bleiben stabil. Das Wachstum verbesserte sich in den vergangenen Wochen. Wir erwarten, dass die Unternehmensgewinne in den kommenden 12 Monaten zweistellig wachsen werden und die US-Notenbank ihre Geldpolitik weiter lockert. Die USA und Europa bleiben mit ihren finanzpolitischen Konjunkturmaßnahmen auf Kurs. Sollte sich der Konflikt im Iran schnell stabilisieren, dürften die positiven Faktoren wieder im Vordergrund stehen.
Das Interview
Frage: Das Spannungsfeld Naher Osten ist derzeit das drängendste Thema an den Finanzmärkten. Aber wagen wir einmal einen Blick darüber hinaus: Welche Themen werden die Zukunft auf Dauer beeinflussen?
Patric Wilhelm: „Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Phase des Wandels, in dessen Mittelpunkt der Technologiesektor steht. Die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz versprechen zwar langfristig große Produktivitätsschübe. Aber zunächst belasten sie die Bilanzen vieler Unternehmen. Die Märkte reagieren darauf volatil, also mit Schwankungen: Einerseits stellen neue KI‑getriebene Geschäftsmodelle etablierte Strukturen infrage. Andererseits zeichnet sich erst nach und nach ab, welche Unternehmen in diesem technologischen Umbruch zu den Gewinnern gehören.“
Frage: Was heißt es für Anlegerinnen und Anleger, wenn sich die Finanzwelt gerade spürbar verändert?
Patric Wilhelm: „Neue Technologien, ein angespanntes Kreditumfeld und weltpolitische Konflikte schaffen neue Bedingungen, unter denen traditionelle Regeln nicht mehr zuverlässig funktionieren. Für Anleger und Anlegerinnen bedeutet dies: Sie müssen sich am Kapitalmarkt wieder stärker selektiv aufstellen, auf fundierte Analysen zurückgreifen und eine bewusste Balance zwischen Chancen und Risiken schaffen. Die globale Wirtschaft bleibt robust – doch Stabilität ist kein Selbstläufer mehr. Vielmehr entsteht eine neue Marktlandschaft, die von Veränderungen geprägt ist und in der Weichenstellungen heute entscheidender sind als in den Jahren zuvor.“
Kernaussage vom Börsenplatz Frankfurt
Johanna Handte, Chief Investment Officer (CIO) der Bethmann Bank:
„Kapitalmärkte orientieren sich an Wahrscheinlichkeiten. Sie reagieren auf fundamentale Veränderungen – nicht auf jede politische Eskalation. Solange Konflikte regional begrenzt bleiben und keine strukturelle Wachstums- oder Finanzkrise auslösen, bleiben Marktreaktionen kurzfristig. Die Eskalation rund um Iran ist ernst zu nehmen, sie hat durchaus Potenzial, sich auf Inflationserwartungen und Wachstumserwartungen auszuwirken und damit den Kapitalmarkt auch langfristig zu bewegen. Damit müssen systemische Risiken – insbesondere über Energiepreise und Handelsrouten – in den nächsten Wochen beobachtet werden. Doch bislang überwiegt ein Muster, das wir aus früheren Krisen kennen: erhöhte Volatilität, selektive Risikoaufschläge – aber zumindest aktuell keine großangelegte Flucht aus Risikoanlagen.“
Johanna Handte (Bethmann Bank) – Kapitalmarkt-Dialog NDOZ
Johanna Handte, Chief Investment Officer (CIO) der Bethmann Bank, im Kapitalmarkt-Dialog mit NDOZ. / Foto: Bethmann Bank
Über die Bethmann Bank
Gegründet 1712, ist die Bethmann Bank, eine Marke der ABN AMRO Bank N.V. Frankfurt Branch, heute einer der führenden Anbieter von Wealth Management in Deutschland und betreut vornehmlich vermögende Privatkunden, Familienunternehmen und Vermögensverwalter. Der Name Bethmann steht, wie alle Mitglieder von ABN AMRO Wealth Management in Europa, für individuelle Beratung ohne Fokus auf eigene Produkte. Kundinnen und Kunden erhalten klare, verständliche Lösungen mit einem besonderen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit.
Nach der Ende Juni 2025 vollzogenen Übernahme der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG (HAL AG) durch die ABN AMRO Bank N.V. ist geplant, bis voraussichtlich Ende 2026 das Wealth Management der Bethmann Bank und von HAL unter der Marke „Bethmann HAL“ zusammenzuführen. Mit gemeinsamen Assets under Management (AuM) von derzeit mehr als 70 Mrd. Euro und 17 Standorten in Deutschland wird Bethmann HAL die drittgrößte Privatbank in Deutschland sein, mit vollem Zugriff auf die internationalen Ressourcen der ABN AMRO.
Bei dieser Ausarbeitung handelt es sich um eine unverbindliche Einschätzung, deren Inhalte sich auf die Zukunft beziehen und sich als unzutreffend herausstellen können. Diese Ausarbeitung wurde von uns sorgfältig zusammengestellt und beruht auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Zu einer Mitteilung von künftigen Änderungen unserer Einschätzungen ist die Bethmann Bank nicht verpflichtet. Diese Ausarbeitung ist keine Finanzanalyse im Sinne des WpHG und unterliegt daher weder den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen noch dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen. Diese Ausarbeitung stellt weder ein Angebot noch eine Beratung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeiner Finanzanlage noch eine offizielle Bestätigung einer Transaktion dar. Sie dient lediglich Informationszwecken und kann eine anleger- und anlagegerechte Beratung nicht ersetzen. Die Bethmann Bank übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der in dieser Ausarbeitung enthaltenen Angaben und Informationen, gleich aus welchem Rechtsgrund. Etwa in der Bethmann Bank vorhandene vertrauliche Informationen, die dem diese Ausarbeitung erstellenden Bereich aufgrund organisatorischer Vorkehrungen (z.B. sog. Chinese Walls) nicht zur Verfügung standen, sind nicht Gegenstand dieser Ausarbeitung. Die vorgenannten Einschätzungen des globalen Anlagekomitees der ABN AMRO und Bethmann Bank (Global Investment Committee) spiegeln die Kapitalmarktmeinung des Anlagekomitees wider und sind richtungsgebend für die Wertpapierdienstleistungen unseres Hauses. Form und Zeitpunkt einer möglichen
Umsetzung der Meinung kann sich in Abhängigkeit der von Kunden gewählten Wertpapierdienstleistung unterscheiden. In diesem Kontext weisen wir darauf hin, dass die mögliche Nutzung der Begriffe „Portfolio“ bzw. „Depot“ in dieser Publikation keinen direkten Bezug zu Ihrem Depot und den darin verwahrten Vermögenswerten aufweisen. Vielmehr beziehen sich die Ausführungen auf fiktive Portfolien, welche die Einschätzungen des Anlagekomitees repräsentieren und als Grundlage für die Wertpapierdienstleistungen herangezogen werden. Einschätzungen zur Über- bzw. Untergewichtung einer Anlageklasse beziehen sich stets auf die langfristige (strategische) Anlageklassengewichtung im jeweiligen Risikoprofil des fiktiven Portfolios. Die tatsächliche Gewichtung der Anlageklassen in den Kundendepots kann, abhängig von den Vereinbarungen des Kunden mit der Bank, davon abweichen. Im Kontext der Darstellung von Anlagechancen verweist die Bethmann Bank ausdrücklich auf die mit einer Kapitalanlage verbundenen Risiken. Die Anlage in Finanzinstrumente ist mit einer Vielzahl von Risiken verbunden, die dazu führen können, dass die beabsichtigten Anlageziele nicht erreicht werden. Neben Kursänderungs-, Bonitäts- und Liquiditätsrisiken können Anlagen in internationalen Märkten weiteren Risiken, insbesondere Fremdwährungs- und politischen Risiken, bis hin zum Totalverlust der Anlage unterliegen. Bei der besonderen Akzentuierung einzelner Branchen, Regionen oder Subanlageklassen im Portfolio können Konzentrationsrisiken entstehen, die Anlagern bewusst sein sollten. Die in dieser Publikation geäußerten Einschätzungen des globalen Anlagekomitees können einer Fehleinschätzung unterliegen, deren Umsetzung zu Vermögensverlusten führen können. Die genannten Chancen unterliegen immer dem Risiko, dass das chancenbegründende Ereignis gar nicht eintritt. Für eine vollständige Risikoaufklärung sollten Anleger auch die Broschüre „Basisinformationen über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“ beachten, die durch die Bethmann Bank erhältlich ist. Die beschriebenen Produkte und Dienstleistungen sollen nicht in den Rechtsordnungen angeboten, verkauft oder vertrieben werden, in denen dies unzulässig ist, einschließlich der Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn Sie beschriebene Produkte und Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen, sind Sie verpflichtet, die ABN AMRO Bank N.V. Frankfurt Branch darüber zu informieren, wenn Sie eine US-Person sind oder es Ihnen in Ihrem Heimatland nicht gestattet ist, solche Produkte oder Dienstleistungen zu beziehen.
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