Der Düsseldorfer Aufklärungsdienst DA! zeigt am Karfreitag, 3. April 2026, um 14 Uhr im Metropol-Kino den Film „Das Leben des Brian“. Der Eintritt ist frei. Dass daraus mehr wird als ein Kinotermin, liegt am Datum: Der Karfreitag zählt in Nordrhein-Westfalen zu den besonders geschützten stillen Feiertagen. Genau deshalb verweist der Fall weit über einen einzelnen Filmabend hinaus.
Dass der Film nun tatsächlich gezeigt werden darf, war offenbar keineswegs selbstverständlich. Der Antrag lag schon seit Januar bei der Bezirksregierung, doch wochenlang fiel keine klare Entscheidung. Auf Nachfrage hieß es zunächst nur, der Vorgang werde geprüft. Erst nachdem DA! Anfang März juristisch nachschärfte und mit einer Untätigkeitsklage drohte, kam Bewegung in die Sache. Am 9. März lag schließlich die Genehmigung vor. Gerade dieser Verlauf macht den Düsseldorfer Fall politisch interessant: Die Debatte um stille Feiertage spielt sich nicht nur in Grundsatzreden ab, sondern ganz konkret im Verhältnis zwischen Bürgergesellschaft und Verwaltung.
Worum es bei „Das Leben des Brian“ geht
Der Film der britischen Komikergruppe Monty Python aus dem Jahr 1979 erzählt von Brian, der zur selben Zeit wie Jesus geboren wird und durch eine Kette von Missverständnissen gegen seinen Willen als Messias verehrt wird. Später wird er von den Römern gefasst und endet am Kreuz – begleitet von dem berühmten Lied „Always Look on the Bright Side of Life“. Auf der DA!-Seite wird der Film als Satire auf den Dogmatismus religiöser und politischer Gruppen beschrieben.
Warum der Film an Karfreitag überhaupt ein Thema ist
Das Feiertagsgesetz NRW sieht für den Karfreitag besondere Einschränkungen vor. Nach § 6 sind an diesem Tag zusätzliche Verbote vorgesehen; dazu gehören auch Veranstaltungen, die dem ernsten Charakter des Tages widersprechen. Die FSK erklärt dazu, dass an stillen Feiertagen im Kino öffentlich nur solche Filme laufen sollen, die diesem Charakter entsprechen. Für Streaming, Fernsehen oder DVD gelten diese Regeln nicht. Die FSK weist zugleich darauf hin, dass die Regelung gesellschaftlich umstritten ist und letztlich eine Frage für den Gesetzgeber bleibt.
Die politische Botschaft von DA!
Ricarda Hinz, Vorsitzende von DA!, verbindet die Vorführung mit grundsätzlicher Kritik am Feiertagsgesetz. Ihr Argument: Ein weltanschaulich neutraler Staat dürfe gläubige Menschen vor konkreten Störungen schützen, aber nicht pauschal Kunst und Satire für alle anderen beschränken. Wörtlich sagt sie:
„Zweck des Feiertagsgesetzes darf aus Sicht eines weltanschaulich neutralen Staates lediglich sein, Menschen christlichen Glaubens von möglichen Störungen freizuhalten.“ Und weiter: „Wer Kunst und Satire an stillen Feiertagen verbietet, verwechselt Respekt mit Unterordnung.“
DA! versteht die Vorführung ausdrücklich nicht als Provokation gegen Christinnen und Christen, sondern als politisches Zeichen in einer pluralen Stadtgesellschaft. Der Verein verweist darauf, dass in Düsseldorf nur noch 22 Prozent katholische und 12 Prozent evangelische Kirchenmitglieder gezählt würden. Daraus leitet DA! die Forderung ab, religiös begründete Sonderregeln im öffentlichen Raum neu zu bewerten. Auf der Veranstaltungsseite fasst der Verein diese Haltung in einem Satz zusammen: „Ich lass dich beten, lass du mich lachen.“
Warum der Fall über das Kino hinausweist
Juristisch ist die Frage seit Jahren umstritten. Das Bundesverfassungsgericht hat 2016 entschieden, dass ein vollständig ausnahmsloser besonderer Stilleschutz am Karfreitag mit den Grundrechten unvereinbar ist. Der Tag darf besonders geschützt werden – aber es muss Ausnahmen geben. Der Düsseldorfer Fall zeigt nun, wie genau dieses Spannungsfeld in der Praxis aussieht: zwischen Feiertagsschutz, Kunstfreiheit, negativer Religionsfreiheit und staatlicher Neutralität.
Für Düsseldorf ist das auch deshalb interessant, weil NDOZ die Debatte bereits 2025 aus einem anderen Blickwinkel aufgegriffen hat – damals ging es um das Tanzverbot an Karfreitag in NRW. Nun liegt ein konkreter Fall vor Ort auf dem Tisch: kein abstrakter kulturpolitischer Streit, sondern eine genehmigte Filmvorführung in einem Düsseldorfer Kino.
Mehr zum Thema: Karfreitag in NRW: JuLis wollen Tanzverbot abschaffen – Kirche kontra Freiheit?
Kurz & knapp
- Was? Filmvorführung „Das Leben des Brian“
- Wann? Freitag, 3. April 2026, 14 Uhr
- Wo? Metropol Kino, Brunnenstraße 20, Düsseldorf
- Eintritt? frei
Fazit
Der Düsseldorfer Fall ist deshalb politisch relevant, weil er eine Grundsatzfrage sehr konkret macht: Wie religiös geprägt darf öffentliches Recht noch sein, wenn die Gesellschaft selbst längst vielfältiger geworden ist? DA! nutzt „Das Leben des Brian“ nicht nur als Filmklassiker, sondern als Testfall für ein säkulares Verständnis von Freiheit. Ob man diese Stoßrichtung teilt oder nicht – die Debatte um Karfreitag und staatlich verordnete Stille ist damit in Düsseldorf wieder eröffnet.
Über DA!
Der Düsseldorfer Aufklärungsdienst e. V. setzt sich für Aufklärung, Säkularität und Religionskritik im öffentlichen Diskurs ein. Der Verein organisiert Veranstaltungen, Diskussionen und kulturelle Formate rund um weltanschauliche Freiheit und gesellschaftliche Debatten.
Mehr Informationen gibt es unter: www.aufklaerungsdienst.de



