Bereits zum vierten Mal: Düsseldorf demonstriert für die Prüfung rechtsextremer Parteien.

4. PRÜF-Demo in Düsseldorf: 2.800 Menschen fordern Prüfung rechtsextremer Parteien

Hunderte Menschen versammeln sich auf der Landtagswiese vor dem NRW-Landtag bei der 4. PRÜF-Demo am 11. April 2026 in Düsseldorf
4. PRÜF-Demo Düsseldorf – Landtagswiese April 2026

Rund 2.800 Menschen versammelten sich am 11. April 2026 auf der Landtagswiese vor dem NRW-Landtag. / Foto: Klaus von Jackelmann, NDOZ

Die Schilder wurden witziger, die Demo sichtbarer – und diesmal schien sogar die Sonne. Nach Angaben der Veranstalter versammelten sich am 11. April rund 2.800 Menschen auf der Landtagswiese. Bundesweit seien es 24.300 in elf Städten gewesen. Die nächste Aktion in Düsseldorf steht bereits fest.

Sonne statt Regenschirme: Auf der Landtagswiese in Düsseldorf hat sich die PRÜF-Demo am Samstag so groß und präsent gezeigt wie in den Wochen zuvor – nur diesmal bei Frühlingswetter. Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 2.800 Menschen zusammen, um eine Prüfung rechtsextremer Parteien durch das Bundesverfassungsgericht zu fordern. Es war bereits die vierte PRÜF-Demonstration in der Landeshauptstadt – die erste fand im Januar 2026 mit rund 3.000 Teilnehmenden statt. Für NDOZ war Klaus von Jackelmann erneut vor Ort.

Was ist PRÜF – und was fordern die Demonstrierenden?

PRÜF steht für „Prüfung Rettet Übrigens Freiheit". Die Bewegung wurde im November 2025 in Hamburg von Satiriker Nico Semsrott gegründet. Die Forderung ist klar: Alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht formal überprüft werden. Der politische Weg dafür führt über den Bundesrat – und NRW spielt dabei eine Schlüsselrolle. Im April überschritten die PRÜF-Petitionen bundesweit die Marke von 100.000 Unterschriften.

Kreativ, generationsübergreifend, entschlossen

Wer an diesem Samstag über die Landtagswiese lief, sah schnell: Diese Demonstration setzte erneut stark auf Bilder, Humor und klare Botschaften. Zu sehen waren unter anderem ein aufblasbares Einhorn, ein Hund mit „AfD Verbot Jetzt“-Schild auf dem Rücken, eine Kot-Emoji-Mütze unter dem Transparent „PRÜF heute – Schütz Morgen“ und zahlreiche handgemachte Plakate. Auch Familien mit Kinderwagen, junge Menschen und Seniorinnen waren sichtbar vertreten. Der Protest wirkte vielfältig, friedlich und gut organisiert.

    Auf der Bühne führte Schauspielerin Regina Leenders durch das Programm. Queerer Sänger LEOPOLD, Kabarettistin Katinka Buddenkotte, Comedian Malte Küppers und Max Schmolte gestalteten den Nachmittag mit. „Omas gegen Rechts“ erinnerten zudem an ein historisches Datum: Am 11. April 1933 fand in Düsseldorf die Bücherverbrennung statt. Nach Angaben der Initiative wurden vor Ort Spenden gesammelt, um Technik, Bühne und Organisation der Demonstrationen zu finanzieren. Die Polizei war mit einem Schallpegelmessgerät an den Lautsprechern im Einsatz – routinemäßig, ohne Zwischenfälle.

      Bundesweit: 24.300 Menschen in elf Städten

      Düsseldorf war an diesem Samstag nicht allein. Laut Pressemitteilung der Initiative demonstrierten am 11. April insgesamt rund 24.300 Menschen in elf deutschen Landeshauptstädten. Die größten Kundgebungen fanden in Hamburg (6.000), München (4.500) und Stuttgart (3.000) statt. In Magdeburg fand die PRÜF-Demo parallel zum Landesparteitag der AfD statt, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem gilt. Das Saarland startete mit Saarbrücken seine erste PRÜF-Demonstration überhaupt.

      „Humor ist ein wichtiges Ventil in diesen Zeiten, die viele im Dauerkrisenmodus erleben. Wir wollen mit neuen Protestformen Mut machen und zeigen: Eine Bundesrats-Mehrheit für einen PRÜF-Antrag vor dem Bundesverfassungsgericht ist eindeutig erreichbar", erklärte Nico Semsrott.

        Hintergrund: Was bedeutet „Prüfung" juristisch?

        Ein Parteiverbot kann in Deutschland ausschließlich das Bundesverfassungsgericht aussprechen – und nur dann, wenn ein formaler Antrag gestellt wird. Maßstab ist Artikel 21 des Grundgesetzes: Entscheidend ist, ob eine Partei darauf ausgerichtet ist, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen. In der Rechtsprechung spielt auch die Frage der sogenannten „Potentialität" eine Rolle – also ob konkrete Anhaltspunkte bestehen, dass eine Partei ihre verfassungsfeindlichen Ziele tatsächlich verfolgen könnte. Als abgestufte Möglichkeit existiert außerdem der Ausschluss von staatlicher Parteienfinanzierung. PRÜF fordert nicht automatisch ein Verbot – sondern zunächst die formale Prüfung durch das höchste deutsche Gericht.

        Quelle: Deutsches Institut für Menschenrechte, Analyse Dr. jur. Hendrik Cremer

        Nächster Termin: 9. Mai – diesmal als Lauf-Demo

        Die Düsseldorfer PRÜF-Demos finden monatlich statt – jeweils am zweiten Samstag. Die fünfte Demo ist für den 9. Mai 2026 um 14 Uhr angekündigt – und sie wird anders sein als die bisherigen: Statt einer stationären Kundgebung auf der Landtagswiese ist eine Lauf-Demo durch die Stadt geplant.