Das Museum Ludwig widmet der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama seine bislang umfangreichste Retrospektive — ein Pflichttermin für alle, die Kunst nicht nur betrachten, sondern erfahren wollen.

Yayoi Kusama im Museum Ludwig Köln: Warum Düsseldorfer jetzt nach Köln fahren sollten

Besucher im Infinity Mirrored Room von Yayoi Kusama, Museum Ludwig Köln 2026 — gelb-schwarze Punktmuster überziehen Wände, Boden und Decke
Kusama Infinity Mirrored Room Museum Ludwig Köln 2026

Yayoi Kusama, Infinity Mirrored Room — The Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Will Eternally Cover the Universe, 2025. Mixed Media. Sammlung der Künstlerin. © YAYOI KUSAMA. Courtesy Ota Fine Arts. Installationsansicht Museum Ludwig Köln, 2026. / Foto: Klaus von Jackelmann, NDOZ

Über 300 Werke, Spiegelräume und Bronzeblumen vor dem Kölner Dom: Die Kusama-Retrospektive im Museum Ludwig ist ein starker Kulturtrip – auch ab Düsseldorf.

Wer in Düsseldorf lebt und in diesem Frühjahr einen guten Grund für einen Abstecher nach Köln sucht, findet ihn im Museum Ludwig. Das Haus zeigt anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums bis zum 2. August 2026 eine umfassende Retrospektive der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama. Über 300 Arbeiten, von frühen Zeichnungen bis zu aktuellen Installationen, machen deutlich, wie konsequent diese Künstlerin seit Jahrzehnten an ihrer eigenen Bildwelt arbeitet. Klaus von Jackelmann ist für NDOZ hingefahren. Seine Bilder zeigen, warum sich der Weg lohnt.

Wer noch nicht dort war, sollte das jetzt ändern.

 

Wer ist Yayoi Kusama?

Der Name ist vielen bekannt, das Werk weniger. Kusama, 1929 im japanischen Matsumoto geboren, gilt heute als eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Ihre Polka Dots, die gelb-schwarzen Kürbisskulpturen, die verspiegelten Infinity Rooms — das alles hat millionenfach Instagram geflutet. Aber dahinter steckt eine Biografie, die weit über Ästhetik hinausgeht.

Mit etwa zehn Jahren entwickelte Kusama erste Halluzinationen: Punkte und Netzstrukturen, die ihren Körper und ihre Umgebung zu überziehen schienen. Sie begann zu zeichnen, um diese Erfahrungen zu bändigen. Kunst als Überlebensstrategie — das ist keine Metapher bei ihr, sondern dokumentierte Tatsache.

Ende der 1950er Jahre ging sie nach New York. Sie lebte in prekären Verhältnissen, arbeitete obsessiv, wurde Teil der Avantgarde und machte mit nackten Happenings auf der Brooklyn Bridge gegen den Vietnamkrieg Schlagzeilen. Nach der Rückkehr nach Japan 1973, psychischen Zusammenbrüchen und einem Leben in einer Klinik in Tokio: das Atelier. Täglich, bis heute. Kusama ist 96 Jahre alt und malt noch immer.

Was das Museum Ludwig zeigt

Das Museum Ludwig feiert 2026 seinen 50. Geburtstag. Für die Jubiläumsschau haben sich die Verantwortlichen für eine außergewöhnlich ambitionierte Retrospektive entschieden: über 300 Arbeiten, von einer Zeichnung aus dem Jahr 1934 bis zu aktuellen Installationen. Malerei, Skulptur, Zeichnung, Mode, Performance, Literatur — Kusamas Schaffen lässt sich kaum in eine Schublade pressen, und die Ausstellung versucht das auch gar nicht.

Besonders ist, was eigens für Köln konzipiert wurde: Ein neuer Infinity Mirror Room füllt den größten Saal des Hauses — ein von innen verspiegelter Raum, der das Gefühl von Unendlichkeit nicht beschreibt, sondern erzeugt. Das Environment I'm Here but Nothing versetzt Besucher in einen Schwarzlicht-Wohnraum, in dem Haushaltsgegenstände mit tausenden fluoreszierenden Punkten überzogen sind. Und auf der Dachterrasse stehen bunt bemalte Bronzeblumen vor dem Kölner Dom. Diesen Anblick gibt es nur hier, nur bis zum 2. August.

Zu sehen ist auch Kusamas erste große Installation von 1963, Aggregation: One Thousand Boats Show, die in Europa selten gezeigt wird. Dazu frühe Gemälde aus den New Yorker Jahren, die Infinity Net-Serien mit ihren hypnotisch sich wiederholenden Netzstrukturen, und aktuelle Arbeiten aus der Serie Every Day I Pray for Love, an der Kusama bis heute täglich arbeitet.

30 Minuten Fahrt, die sich lohnen

Köln ist nicht Düsseldorf — das wissen beide Städte. Aber das Museum Ludwig liegt direkt am Kölner Hauptbahnhof, keine zehn Minuten Fußweg. Mit dem ICE ab Düsseldorf Hbf ist man in rund 20 Minuten dort, mit dem RE in etwa 40 Minuten — Züge fahren im Zehn-Minuten-Takt. Der Andrang ist erheblich, Tickets mit Zeitfenster sollten vorab gebucht werden.

Ein Infinity Room lässt sich nicht auf dem Bildschirm erleben. Man muss dort stehen.

 

Praktische Infos

Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln. Während der Kusama-Ausstellung geöffnet Di–Do 10–18 Uhr, Fr–So 10–20 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr; montags geschlossen, außer an Feiertagen. Für die Kusama-Ausstellung empfiehlt das Museum ausdrücklich Tickets mit Zeitfenster aus dem Onlineshop unter shop.museum-ludwig.de, um den Einlass zu sichern. Die Ausstellung läuft bis 2. August 2026.