Gedenken an die "Aktion Rheinland"

Gedenken an die "Aktion Rheinland" – Gedenkstele zerstört

Von Jo Achim Geschke

Gedenkstelee Befreiung
Zerstörte Gedenkstele

Zerstörte Gedenkstele zum „Weg der Befreiung“ 1945 der „Aktion Rheinland"/ Fotos © Jo Achim Geschke

Jeanne Andresen ist empört : Die Stele, die an die Widerständler um ihren Großvater Theodor Andresen und 16 andere mutige Männer erinnert, ist am Fürstenwall schwer beschädigt worden. Noch am Freitag hatten Jeanne Andresen, Polizeipräsident Norbert Wesseler, OB Dr. Stephan Keller sowie Claudia Siebner, Enkelin des überlebenden Aloys Odenthal, an den Widerstand gegen die Nazis 1945, an die Rettung der Stadt durch die „Aktion Rheinland“ und die Erschießung von sechs Düsseldorfer Widerständler an der Färberstraße bei einer Kranzniederlegung erinnert.

Auch der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Bastian Fleermann, zeigte sich entsetzt, als er von der Zerstörung der Stele erfuhr.

Am vergangenen Freitag, dem Jahrestag der Befreiung vom Nazi-Terror durch die Aktion Rheinland, wurde an der Färberstraße  der Erschießung gedacht.

OB Dr. Stephan Keller erinnerte daran, dass die Mitglieder der "Aktion Rheinland" dem kampflosen Einmarsch der Amerikaner den Weg bereiteten, da die Nazis bereits die Zerstörung der Stadt befohlen hatten. "Durch das couragierte Handeln der Gruppe wurden etliche Menschleben gerettet. Diesen mutigen Männern ist die Landeshauptstadt Düsseldorf zu tiefstem Dank verpflichtet."

"Obwohl die amerikanischen Truppen bereits am Stadtrand Düsseldorfs standen, war die von den Männern der 'Aktion Rheinland' geplante Übergabe der Stadt angesichts weniger verbliebener Fanatiker hoch gefährlich", betonte Polizeipräsident Norbert Wesseler. "Davon zeugen nicht zuletzt die fünf Mitglieder der Gruppe, die noch in der Nacht zum 17. April hingerichtet wurden."

Das Mahnmal an der Anton-Betz-Straße markiert die historische Richtstätte im damaligen Hof der Schule an der Färberstraße, wo Karl Kleppe, Josef Knab, Theodor Andresen, Hermann Weill und Franz Jürgens erschossen wurden.

Auch zwei Vertreterinnen aus den Familien der Mitglieder der Aktion Rheinland haben der historischen Ereignisse gedacht: Jeanne Andresen, Enkelin des ermordeten Theodor Andresen, und Claudia Siebner, Enkelin des überlebenden Aloys Odenthal. Der Verein "Geschichte am Jürgensplatz e.V." wurde durch seinen Vorsitzenden Michael Dybowski vertreten.

Auf Einladung des Vereins "Geschichte am Jürgensplatz e.V.", der Polizei Düsseldorf und der Stadt Düsseldorf erinnerte zudem das Theaterkollektiv "Pièrre.Vers" mit einem eindrücklichen Kurzfilm an die historischen Ereignisse der "Aktion Rheinland". Der Film basiert auf der performativen Erinnerung "Aktion:Aktion!" des Theaterkollektivs, die im vergangenen Jahr Premiere feierte.

Die Aufnahmen entstanden im Sommer 2020 und wurden für den diesjährigen Gedenktag nun zu einem Kurzfilm aufbereitet. Die Inszenierung verleiht den Zeitzeugen mithilfe von Berichten und historischen Dokumenten eine Stimme.

Der Kurzfilm ist unter www.youtube.com/stadtduesseldorf zu sehen sowie über den Facebook-Kanal der Stadt Düsseldorf de-de.facebook.com/duesseldorf/

OB Dr. Stephan Keller, Polizeipräsident Norbert Wesseler gemeinsam mit Claudia Siebner und Jeanne Andresen / Foto (c) Stadt Düsseldorf/ Melanie Zanin

Historischer Hintergrund

Die "Aktion Rheinland", eine Widerstandsaktion zur kampflosen Übergabe der Stadt Düsseldorf an die Alliierten, hatte ihren Ursprung in zwei durch Freund- und Bekanntschaften verbundenen Gesprächszirkeln, die sich spätestens unter dem Eindruck des verstärkten Bombenkrieges auf Düsseldorf bildeten.

Seit Anfang Februar 1945 stand Düsseldorf unter alliiertem Artilleriebeschuss, ab dem 3. März 1945 waren die linksrheinischen Stadtteile durch die Amerikaner befreit, das rechtsrheinische Düsseldorf wurde Frontstadt. Die Brücken über den Rhein waren durch die Wehrmacht gesprengt worden.

 Unter den Vorzeichen der heranrückenden Front und der Gefahr einer Verteidigung der Stadt bis zum letzten Mann formierte sich ein fester Kreis aus zehn Personen als Widerstandsgruppe. Aus den Zeitzeugenberichten lässt sich erkennen, dass der Rechtsanwalt Dr. August Wiedenhofen, der Schreinermeister Ernst Klein und der Bäckermeister Josef Lauxtermann am 12. Februar 1945 beschlossen, zum Schutze der Stadt und ihrer Bevölkerung aktiv zu werden.

Sie suchten Gleichgesinnte aus den Gesprächskreisen. Der Bauunternehmer Theodor Andresen, der Tapezierer und Anstreicher Karl Kleppe, der Ingenieur und Kaufmann Josef Knab, der Rechtsreferendar Dr. Karl Müller, der Architekt Aloys Odenthal, der Student Hermann Weill und der ehemalige Gehilfe bei der Polizeiverwaltung, Theodor Winkens, waren bereit, sich der Aktion anzuschließen.

In den folgenden Wochen reifte der Plan zur kampflosen Übergabe der Stadt an die vorrückenden amerikanischen Truppen. Zur Durchführung benötigte die Gruppe Kontakt zu einer der bewaffneten und mit der Verteidigung beauftragten Kräfte im Stadtgebiet. Über Bekannte erwies sich schließlich der Oberstleutnant und Kommandant der Schutzpolizei, Franz Jürgens, als vertrauenswürdiger Partner. Im April erfolgte die Kontaktaufnahme der Gruppe zu Jürgens, der bereit war, ihre Aktion zu unterstützen.

Am 16. April 1945, in einer Besprechung mit Jürgens, entschloss sich die Gruppe angesichts der rechtsrheinisch nahen US-Truppen sofort zu handeln. Sie nahmen den Polizeipräsidenten, SS-Brigadeführer August Korreng, fest. Während Aloys Odenthal und Dr. August Wiedenhofen sich auf den gefährlichen Weg durch die deutschen Linien zu den amerikanischen Truppen bei Mettmann machten, wurde die Aktion innerhalb des Polizeipräsidiums von loyalen Polizisten verraten.

Theodor Andresen, Franz Jürgens, Karl Kleppe, Josef Knab und Hermann Weill wurden verhaftet und in Standgerichten, die selbst der Unrechtsjustiz des Nationalsozialismus kaum noch genügten, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Derweil waren Wiedenhofen und Odenthal erfolgreich. Sie erreichten die amerikanischen Linien. Nachdem der örtliche Truppenkommandant ihrem Anliegen, die Stadt Düsseldorf kampflos einzunehmen, zunächst eine Absage erteilt hatte, konnten sie höherrangige US-Militärs am nächsten Morgen überzeugen. Gegen 15 Uhr am 17. April 1945 begann, von Wiedenhofen und Odenthal auf den ersten Panzern geleitet, der Einmarsch in die Stadt in Richtung des Polizeipräsidiums. Gegen 17 Uhr war Düsseldorf befreit.