Premieren im Schauspielhaus von Oktober bis Dezember

Die Möwe von Anton Tschechow und Uraufführung „Ein Übertritt“ von Elfriede Jelinek

Von Jo Achim Geschke |

Die Moewe mit Anna Schudt

Die Möwe, Darstellerin Anna Schudt / Foto © Athos Burez D Haus

Im Oktober bietet das Schauspielhaus wieder sehenswerte Termine wie „Die Möwe“ von Anton Tschechow am 16. Oktober und eine Uraufführung eines neuen Stücks von Elfriede Jellinek, „Ein Übertritt“, am 22. Oktober. Bis in den November hinein gibt es weitere Premieren, deutschsprachige Erstaufführungen sowie „Der Hobbit“ von Greg Banks nach dem Roman von J. R. R. Tolkien in der Regie von Christina Rast, Deutschsprachige Erstaufführung am 21. November im Großen Haus.

Die renommierte Schweizer Regisseurin Barbara Frey zeigt mit Anton Tschechows „Die Möwe“ seine kluge Analyse der enormen Verdrängungsleistung, die eine Gesellschaft zum Stillstand bringen kann, ihre erste Arbeit am Düsseldorfer Schauspielhaus.  Der junge Kostja will eine Kunst, die radikal mit dem Theater- Establishment bricht. Seine Mutter Arkadina, eine gefeierte Schauspielerin, verachtet seine Vision von „neuen Formen“, die vor allem eine Frage nach den Bedingungen ist, unter denen ein Mensch sinnvoll lebt. Die Gruppe, die sich regelmäßig im Landhaus von Arkadinas Bruder versammelt, flüchtet sich in eine furiose, lähmende Melancholie, den eigenen Wohlstand, die eigene Bedeutung nur scheinbar hinterfragend: ein immerwährender Generationenkonflikt – das Privileg zu nutzen, nichts zu tun, ist auch eine Tat.

Mit Sera Ahamefule, Marin Blülle, Guy Clemens, Claudius Körber, Ronald Kukulies, Linda Rohrer, Anna Schudt, Langston Uibel, Thomas Wittmann | Regie Barbara Frey | Bühne Martin Zehetgruber | Bühnenbildmitarbeit Stephanie Wagner | Kostüm Esther Geremus | Dramaturgie Emilia Heinrich

Ein Übertritt von Elfriede Jellinek

 Ein Übertritt, von Elfriede Jelinek zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs verfasst, stellt ausgehend von dem historischen Übertritt von Krieg zu Frieden, von Diktatur zu Demokratie sich der Möglichkeit, Gefahr und akuten Wirklichkeit, von Demokratie zu Diktatur, von Frieden zu Krieg überzutreten. Sprachkritisch-witzig und finster-orakelnd wird die sogenannte Stunde null auf ihre faschistischen Reste geprüft, wird dem Weiterleben des Faschismus als Untoter nachgespürt, erwachen auf der Bühne seine Wieder gänger.

Der maßgebliche und vielfach ausgezeichnete Jelinek-Regisseur Jossi Wieler bringt Ein Übertritt in eingespielter Zusammenarbeit mit Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock zur Uraufführung – pünktlich zum 80. Geburtstag der 1946 geborenen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.

Mit Katja Bürkle, Dominik Dos-Reis, Stefan Hunstein, Ole Lagerpusch | Regie Jossi Wieler | Bühne und Kostüm Anna Viebrock | Bühnenbildmitarbeit Anna Scheffel-Brotankova | Kostümmitarbeit Lasha Iashvili | Musik Friederike Bernhardt | Dramaturgie Victor Schlothauer

„Blutbuch“

Blutbuch ist die mäandernde Suche einer nichtbinären Erzählfigur nach der eigenen Geschichte. Der Versuch, sich von der eigenen Geschichte zu lösen. Der Versuch, die eigene Geschichte aufzulösen: vom Erzählt-Werden durch andere und von der zwingenden Klarheit eines linearen Narrativs zu einer vielfach verzweigten und verästelten Erzählform. Ausgehend von der Beziehung zur Großmutter (bern deutsch: Grossmeer) begibt das Ich sich auf Spurensuche durch die weibliche Familienlinie – und erzählt parallel dazu vom eigenen Aufwachsen, vom eigenen Körper, vom eigenen Begehren und von dessen Verwandlungen.

Das in Bern entstandene Solostück von Lucia Kotikova wurde 2025 zum Schweizer Theatertreffen eingeladen und brachte ihr die Aus zeichnung als Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2024 von Theater heute ein.

Von und mit Lucia Kotikova | nach einer Fassung und Inszenierung von Sebastian Schug | unter Verwendung der Ausstattung (Bühne und Kostüm) von Nico Zielke | Dramaturgie Julia Fahle

Suzie Miller, Inter Alia

Die Juristin und Dramatikerin Suzie Miller hat ihr neues Stück Inter Alia genannt, was übersetzt „unter anderem“ heißt – unter anderem ist die angesehene Richterin Jessica Parks auch Mutter, Ehefrau, Freundin und Karaoke-Liebhaberin. All diesen Rollen versucht sie gerecht zu werden. Ihre Welt erlebt eine Erschütterung, als ihr Sohn Harry der Vergewaltigung einer Mitschülerin beschuldigt wird. Jessica steht vor einem Dilemma: Folgt sie ihrem Instinkt als Mutter, die ihr Kind um jeden Preis schützen will, oder steht sie zu ihren Überzeugungen als Juristin und Feministin? Wie in Prima Facie steht eine Frau im Zentrum, deren berufliche und private Welt in einer Ausnahmesituation kollidieren. Regisseurin Anna Stiepani bringt diese Untersuchung von moderner Mutterschaft und Männlichkeits bildern zur deutschsprachigen Erstaufführung.

Mit Meike Droste, Philipp Hauß, Theo Thun | Regie Anna Stiepani | Bühne und Kostüm Thurid Peine | Dramaturgie Anika Steinhoff 

Der Hobbit 

Der Hobbit von Greg Banks nach dem Roman von J. R. R. Tolkien in der Regie von Christina Rast, Deutschsprachige Erstaufführung am 21. November im Großen Haus. Die Schweizer Regisseurin Christina Rast inszeniert im Team mit ihrer Schwester, der Bühnenbildnerin Franziska Rast, und der Videokünstlerin Julia Laggner zum ersten Mal das Kinder- und Familienstück im Düsseldorfer Schauspielhaus. Sie ist bekannt für ihre großen, bildstarken Familieninszenierungen wie Momo am Schauspiel Frankfurt und Bei den wilden Kerlen am Thalia Theater Hamburg

 Der Komiker

Der Komiker von Canberk Köktürk in der Regie von Bassam Ghazi, Uraufführung am 27. November im Kleinen Haus. Canberk Köktürk, preisgekrönter Comedy-Autor und Verfasser der Satire-Ermittlung Fascholand, entwickelt in seinem Auftragswerk für das Düsseldorfer Schauspielhaus die Geschichte einer Komikerkarriere als tragikomischen Stand-up-Abend.

 Hamlet - Director’s Cut von Felix Krakau

Hamlet – Director’s Cut von Felix Krakau nach William Shakespeare in der Regie von Felix Krakau, Uraufführung am 4. Dezember im Central. Junges Schauspiel, ab 14 Jahren. Mit Schiller fing es an, mit Goethe ging es weiter und nun führt Regisseur und Autor Felix Krakau seine Klassikerüberschreibungen am Jungen Schauspiel Düsseldorf mit einer Vorlage von William Shakespeare fort. Hamlet – Director’s Cut wirft einen heutigen Blick auf Shakespeares Text und schaut lustvoll-besorgt auf die Welt, in der wir morgen aufwachen werden.

 Stereophonic von David Adjmi und Will Butler, Premiere in der Regie von Jakab Tarnóczi am 11. Dezember im Großen Haus. Das vielfach ausgezeichnete Broadway-Stück ist angelehnt an die Entstehung des legendären Albums Rumours der britischen Rockband Fleetwood Mac. Stereophonic spielt in einem hyperrealistischen Tonstudio-Setting, in dem jeder Ton live gespielt wird.

 Ich mach ja doch, was ich will mit André Kaczmarczyk

Ich mach ja doch, was ich will von Doug Wright, Premiere am 31. Dezember im Kleinen Haus in der Regie von André Kaczmarczyk. André Kaczmarczyk erzählt und singt gemeinsam mit dem Pianisten Matts Johan Leenders ein Stück Zeitgeschichte anhand der höchst faszinierenden und schillernden Persönlichkeit Charlotte von Mahlsdorf und schlüpft dafür im Verlauf des Abends in über vierzig Rollen. Im Anschluss Silvesterfeier im Schauspielhaus-Foyer.

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