Junge Menschen auf der Straße, ein Ausbildungsmarkt mit Lücken auf beiden Seiten und ein Wochenende, das am Sonntag in Kaiserswerth ernst wird.

Düsseldorf diese Woche: Was wichtig war, was bleibt

Von Alexandra Scholz-Marcovich |

Künstler Erwin Wurm und Oberbürgermeister Stephan Keller neben der monumentalen Skulptur „Gate“ vor dem Düsseldorfer Schauspielhaus
Erwin Wurm: „Gate“ in Düsseldorf

Eine neue Skulptur für Düsseldorf: Erwin Wurm (l.) und Oberbürgermeister Stephan Keller bei der Enthüllung von „Gate“ am Gustaf-Gründgens-Platz am 5. November 2026. / Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert

2.500 Menschen demonstrierten, 450 Ausbildungsstellen blieben frei. Düsseldorf hat eine neue Skulptur, und das Wochenende bringt Tschechow, Martinslaternen und einen Gedenkgang in Kaiserswerth.

Am vergangenen Samstag waren zahlreiche Schaufenster an der Königsallee mit Spanplatten geschützt. Die Polizei hielt Wasserwerfer bereit, während rund 2.500 Menschen durch Düsseldorf demonstrierten. Auf ihren Schildern stand vor allem eines: die Sorge um die eigene Zukunft. Wenige Tage später ging es bei uns um eine andere Frage, die junge Menschen beschäftigt: Warum bleiben in Düsseldorf Hunderte Ausbildungsstellen unbesetzt, obwohl gleichzeitig Hunderte Bewerberinnen und Bewerber noch suchen?

Zum Wochenende verändert die Stadt ihr Gesicht. Auf dem Corneliusplatz wird Schlittschuh gelaufen, vor St. Martin leuchten die ersten Laternen. Und am Sonntag führt uns ein Gedenkgang nach Kaiserswerth, wo Schülerinnen und Schüler an frühere jüdische Nachbarinnen und Nachbarn erinnern.

Gen Z auf der Kö: Protest statt Ausschreitungen

Für die Demonstration der Initiative „Gen Z regelt“ am 31. Oktober waren 500 Menschen angemeldet. Tatsächlich kamen nach Polizeiangaben in der Spitze rund 2.500. Jo Achim Geschke hat den Zug für NDOZ begleitet: von den mit Holz verkleideten Schaufenstern über die Polizeifahrzeuge bis zu den selbst gebastelten Transparenten.

„Unsere Zukunft ist gruseliger als jedes Halloween“ war dort zu lesen. Auf einer großen Pappmünze stand „1 € in die Bildung“. Die Forderungen reichten von besseren Schulen über soziale Sicherheit bis zur Ablehnung der Wehrpflicht. Nicht nur junge Menschen gingen mit, sondern auch Eltern, Großeltern und Lehrkräfte.

Die Polizei zog eine grundsätzlich friedliche Bilanz. Zwar gab es einzelne Zwischenfälle mit Pyrotechnik, verletzt wurde nach ihren Angaben aber niemand. Wer sich nur an die verbarrikadierte Königsallee erinnert, verpasst deshalb einen wesentlichen Teil dieses Tages: die Anliegen der Demonstrierenden.

Was bleibt: Angemeldet waren 500 Menschen, gekommen sind 2.500. Diese Differenz ist der eigentliche Befund des Tages, nicht die Spanplatten vor den Schaufenstern.

Mehr bei NDOZ:Gen-Z-Demo in Düsseldorf: verrammelte Kö, friedlicher Protest →

Ausbildungsmarkt: freie Plätze, offene Fragen

Dazu passt eine Nachricht aus der Wirtschaft, auch wenn sie eine ganz andere Geschichte erzählt. In Düsseldorf waren zum Ende des Ausbildungsjahres am 30. September 450 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt. Gleichzeitig suchten 771 registrierte Bewerberinnen und Bewerber ohne bekannte Alternative weiter nach einem Platz. Die Zahl der gemeldeten Stellen ist gegenüber dem Vorjahr gesunken, die Zahl der Interessierten leicht gestiegen.

Ein Widerspruch? Auf den ersten Blick ja. Die Zahlen lassen sich aber nicht einfach gegeneinander aufrechnen: Stellen werden nach Arbeitsort erfasst, Bewerberinnen und Bewerber nach Wohnort. Hinzu kommen Unterschiede zwischen Berufen und Branchen. Unser Beitrag zur Ausbildungsbilanz zeigt, warum eine freie Stelle nicht automatisch zu einem noch suchenden Menschen passt – und warum auch die Statistik selbst Grenzen hat.

Was bleibt: 450 freie Stellen und 771 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber ergeben keine einfache Rechnung. Wer die Lücke schließen will, muss erst wissen, wo genau sie verläuft.

Mehr bei NDOZ:Ausbildungsmarkt Düsseldorf 2026: 450 Stellen frei, 771 Bewerber unversorgt →

Vier Meter Kunst vor dem Schauspielhaus

Düsseldorf hat seit Donnerstag ein neues Kunstwerk im öffentlichen Raum. Der österreichische Künstler Erwin Wurm hat der Stadt seine rund vier Meter hohe Skulptur „Gate“ geschenkt. Das Werk aus lackiertem Aluminium wurde am 5. November auf dem Gustaf-Gründgens-Platz von Wurm und Oberbürgermeister Stephan Keller enthüllt. Dort soll es dauerhaft stehen.

„Gate“ entstand 2021 und gehört zur Werkserie „In the Skin“. Die Skulptur erinnert an ein Tor und zugleich an einen menschlichen Körper. Wer künftig über den Platz vor dem Schauspielhaus geht, kann Wurms Kunst ohne Eintrittskarte begegnen. Mehr zur Schenkung bei der Stadt Düsseldorf →

Kaiserswerth: Erinnerung vor der eigenen Haustür

Am Montag, 9. November, jähren sich die nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938 zum 88. Mal. In Düsseldorf beginnt das öffentliche Gedenken bereits am Sonntag. Um 15 Uhr startet am Klemensplatz in Kaiserswerth ein Rundgang zu früheren Wohnorten jüdischer Bewohnerinnen und Bewohner. Veranstalter ist der Arbeitskreis „Gedenken 9. November“.

Schülerinnen und Schüler von vier Kaiserswerther Schulen haben sich mit ihren Lebensgeschichten und den Ereignissen vom November 1938 beschäftigt. Sie machen die Ergebnisse unter anderem in Schaufenstern sichtbar. Die Installationen sollen bis Ende November zu sehen sein. Auch Judy Baumgarten reist mit ihrem Mann aus den USA an. Ihre Vorfahren aus der Familie Bornheim lebten über Generationen am Kaiserswerther Markt 8. Sie wird am Gedenkgang teilnehmen.

Um 17 Uhr findet ein ökumenischer Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche Kaiserswerth, Fliednerstraße 12, statt. Am Montag um 10.15 Uhr erinnert eine Kranzniederlegung am Standort der ehemaligen Synagoge an der Kasernenstraße an die Opfer. NDOZ begleitet den Gedenkgang am Sonntag. Wie Schülerinnen und Schüler Geschichte an den früheren Wohnorten sichtbar machen, zeigen wir anschließend in einem eigenen Beitrag.

Was bleibt: Die Schaufenster sind bis Ende November zu sehen. Wer am Sonntag nicht mitgehen kann, findet die Lebensgeschichten auch danach noch an den Orten, an denen sie begonnen haben.

Informationen:Gedenkveranstaltungen der Stadt Düsseldorf →

Erst die Laternen, dann der Weihnachtsmarkt

In den Stadtteilen hat die Martinszeit längst begonnen, die ersten Umzüge sind gelaufen. Der große Martinszug durch die Altstadt folgt am Dienstag, 10. November: Start ist um 17 Uhr am Stiftsplatz, anschließend wird die Mantelteilung am Marktplatz und am Burgplatz dargestellt.

Parallel richtet sich die Stadt auf den Winter ein. Auf dem Corneliusplatz beginnt am Freitag, 6. November, die Saison von „Kö on Ice“. Der eigentliche Düsseldorfer Weihnachtsmarkt öffnet erst am 19. November. Das Riesenrad am Burgplatz dreht sich schon länger; die einzelnen Weihnachtswelten und Öffnungszeiten haben wir in unserem Weihnachtsmarkt-Guide → zusammengestellt. Zwischen Laternen, Eisbahn und Riesenrad ist Düsseldorf damit schon ziemlich weit im November angekommen.

Was sich am Wochenende lohnt

Der Wochenrückblick soll kein zweiter Veranstaltungskalender werden. Aber für Freitag bis Sonntag haben wir diesmal gleich mehrere Termine herausgesucht – vom Theaterabend bis zum Familienprogramm. Die ausführlichen Angaben stehen in unseren laufend aktualisierten Übersichten.

Freitag, 6. November: „Die Möwe“ im Schauspielhaus. Um 19.30 Uhr steht Anton Tschechows Stück in der Inszenierung von Barbara Frey auf dem Spielplan des Großen Hauses. Jo Achim Geschke beschreibt in seiner NDOZ-Kritik → einen ruhigen, in Moll gehaltenen Theaterabend mit ausgezeichneten Darstellerinnen und Darstellern. Wer hingehen möchte, findet Vorstellung und Tickets → beim D’haus.

Freitag und Samstag: fünf Jahre KAP1. Die Zentralbibliothek, das Literaturbüro NRW und das FFT feiern gemeinsam. Am Freitag wird um 17 Uhr die Fotoausstellung „Menschen im KAP1“ eröffnet; um 18.30 Uhr geht es in einer Diskussion um das Haus als Ort für die Stadtgesellschaft. Am Samstag folgt von 11 bis 18 Uhr ein großes Familienprogramm. Das Jubiläumsprogramm → bietet auch Führungen und Performances.

Samstag: Reparieren bei Tina Miyake. Bereits vergangene Woche haben wir das Atelier in Flingern vorgestellt. Jetzt ist der Termin da: Am 7. November zeigt die Designerin von 14 bis 18 Uhr an der Ackerstraße 39, wie Löcher und Risse mit Garn und alten Kimonostoffen zu sichtbaren Reparaturen werden. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. Unser Beitrag mit den praktischen Informationen →.

Samstag und Sonntag: Martinslaternen in Bilk. Im Forum St. Martin, Neusser Straße 88, sind am Samstag von 11 bis 18 Uhr und Sonntag von 12 bis 18 Uhr Laternen zu sehen. Am Samstag werden von 14.30 bis 15.30 Uhr gemeinsam Martinslieder gesungen. Termine der Kirchengemeinde →.

Sonntag: 70 Jahre Clara-Schumann-Musikschule. Um 18.30 Uhr treten in der Tonhalle drei Jugendorchester einzeln und gemeinsam auf. Das Programm reicht von Verdi und Sibelius bis zu Filmmusik von Joe Hisaishi. Das Jubiläumskonzert ist laut Online-Ticketshop der Tonhalle → derzeit ausverkauft.

Und am Sonntag? Wer statt eines Konzerts lieber stöbert, findet im NDOZ-Flohmarkt-Kompass → die aktuellen Trödeltermine. Alle weiteren Ausstellungen, Konzerte und Stadtkultur-Termine stehen in Tipps & Termine →.

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Kultur, Wirtschaft und Flohmärkte: laufend aktualisiert und direkt aus Düsseldorf.

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Rheinturm Düsseldorf als Motiv der NDOZ-Serie Wirtschaftstermine Wirtschaft Wirtschaftstermine Messen, Kongresse, Networking und Karriere.
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Was wir weiter beobachten

9. November: Nach dem Gedenkgang in Kaiserswerth folgen die Kranzniederlegung und die zentrale Gedenkstunde. Über den Rundgang am Sonntag planen wir einen eigenen Bericht.

9. bis 15. November: Die Stadt verstärkt die Kontrollen auf den knapp 1.500 Parkplätzen für Menschen mit Behinderung. Gegen unberechtigt parkende Fahrzeuge wird vorgegangen. Informationen der Stadt →

10. November: Der große Martinszug zieht durch die Altstadt. Mit dem Weihnachtsmarktstart am 19. November folgt schon der nächste große Termin im Düsseldorfer Kalender.

Zum Schluss

Eine Demonstration, bei der vor allem die Zukunft der Jüngeren zur Sprache kam. Ein Ausbildungsmarkt, auf dem offene Stellen nicht automatisch offene Fragen lösen. Dazu ein Wochenende mit Theater, Laternen und einem Gedenkgang, der die Geschichte jüdischer Familien an ihre früheren Wohnorte zurückbringt.

Es sind unterschiedliche Geschichten. Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die ganze Stadt.

Düsseldorf diese Woche · ArchivDie Ausgabe vom 30. Oktober →

Düsseldorf diese Woche. Was wichtig war, was bleibt. Jeden Freitag bei NDOZ.