3.561 Bewerberinnen und Bewerber, 3.229 betriebliche Ausbildungsstellen. Die Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte.

Ausbildungsmarkt Düsseldorf 2026: 450 Stellen frei, 771 Bewerber unversorgt

Sechs Personen bei der Präsentation der Ausbildungsbilanz 2026 in der Klinik am Kaiserteich, darunter die Auszubildende Ceren Gül
Ausbildungsbilanz Düsseldorf 2026

Präsentierten die Ausbildungsbilanz 2026 in der Klinik am Kaiserteich (v. l. n. r.): Dr. Jürgen Holtkamp (IHK Düsseldorf), Birgitta Kubsch-von Harten (Agentur für Arbeit Düsseldorf), Oliver A. Kanthak (Freie Berufe NRW), Ceren Gül (Auszubildende), Prof. Dr. Dr. Jörg Handschel (Klinikgründer) und Dr. Christian Henke (HWK Düsseldorf). Foto: Agentur für Arbeit Düsseldorf.

In Düsseldorf blieben Ende September 450 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt. Gleichzeitig waren 771 Bewerber noch unversorgt. Die Ausbildungsbilanz zeigt einen Markt mit widersprüchlichen Entwicklungen.

450 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen waren in Düsseldorf am 30. September 2026 noch unbesetzt. Zur gleichen Zeit suchten 771 registrierte Bewerberinnen und Bewerber ohne eine bekannte Alternative weiter nach einem Ausbildungsplatz.

Das ist einer der Widersprüche der Düsseldorfer Ausbildungsbilanz 2026, die die Agentur für Arbeit gemeinsam mit der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer sowie den Freien Berufen NRW am 30. Oktober in der Klinik am Kaiserteich vorgestellt hat.

Auf 100 betriebliche Stellen kommen 110 Bewerber

Der Düsseldorfer Ausbildungsmarkt hat sich gedreht. Jahrelang gab es in der Landeshauptstadt mehr gemeldete Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber. 2025 kippte dieses Verhältnis nach Angaben der Agentur für Arbeit erstmals. 2026 setzt sich die Entwicklung fort.

3.561 Menschen waren im Berichtsjahr 2025/2026 bei der Berufsberatung als Bewerberinnen und Bewerber registriert, 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Ihnen standen 3.229 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen gegenüber, 153 weniger als im Vorjahr und damit ein Minus von 4,5 Prozent. Auf 100 betriebliche Stellen kamen rechnerisch 110 Bewerber.

Zählt man die außerbetrieblichen Plätze hinzu, kommt die Statistik auf 3.337 gemeldete Ausbildungsstellen insgesamt. Die 108 außerbetrieblichen Plätze gehören zu öffentlich geförderten Ausbildungsangeboten.

450 Plätze blieben frei, ein Rekord ist das nicht

450 betriebliche Ausbildungsstellen waren zum Ende des Berichtsjahres noch unbesetzt. Das sind 45,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ein Blick auf die Zeitreihe relativiert den Anstieg. Im Berichtsjahr 2023/2024 blieben in Düsseldorf 529 Stellen unbesetzt, 2024/2025 waren es 310. Gegenüber dem Vorjahr fällt der Anstieg deutlich aus. Verglichen mit 2023/2024 liegt die Zahl dagegen um 14,9 Prozent niedriger.

Am häufigsten unbesetzt blieben Stellen für zahnmedizinische Fachangestellte mit 38 Plätzen, gefolgt von medizinischen Fachangestellten mit 27, der Hotellerie mit 24 und dem Büromanagement mit 22 Plätzen.

Zum Stichtag 30. September waren gleichzeitig 771 registrierte Bewerberinnen und Bewerber unversorgt, 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Weitere 363 suchten weiter, obwohl sie bereits eine Alternative hatten. Zusammen waren 1.134 Menschen noch auf Ausbildungssuche.

Mehr als die Hälfte der Azubis wohnt außerhalb Düsseldorfs

Hier wird die Rechnung komplizierter, als sie auf den ersten Blick aussieht.

Von den Menschen, die ihre Ausbildung in Düsseldorf absolvieren, wohnen 54,5 Prozent außerhalb der Stadt. Umgekehrt absolvieren 24,5 Prozent der Düsseldorfer Auszubildenden ihre Ausbildung im Umland. Düsseldorf hat damit nach Angaben der Agentur für Arbeit eine der höchsten Einpendlerquoten in Nordrhein-Westfalen.

Das ist für die Deutung der Ausbildungsbilanz nicht nebensächlich. Denn die Statistik der Bundesagentur zählt Ausbildungsstellen nach dem Arbeitsort, Bewerberinnen und Bewerber dagegen nach dem Wohnort. Die 3.229 Stellen liegen also in Düsseldorf, während die 3.561 Bewerber in Düsseldorf wohnen. Verglichen werden zwei unterschiedlich abgegrenzte Gruppen.

Hinzu kommt, dass weder alle Betriebe ihre Ausbildungsstellen noch alle Ausbildungsinteressierten ihre Suche bei der Arbeitsagentur melden. Die Bundesagentur weist in ihren methodischen Erläuterungen ausdrücklich darauf hin, dass die Meldequoten beider Seiten voneinander abweichen. Der direkte Vergleich kann deshalb zu Fehlinterpretationen führen.

Die Agentur für Arbeit kommt in ihrer Bilanz zu einer zurückhaltenderen Bewertung, als die Zahlen zunächst vermuten lassen. Sie bezeichnet den Düsseldorfer Ausbildungsmarkt als vergleichsweise ausgeglichen.

Die Pendlerzahlen erklären also die Grenzen des statistischen Vergleichs. Warum einzelne Stellen unbesetzt bleiben, obwohl Menschen eine Ausbildung suchen, lässt sich daraus allein nicht beantworten.

IHK meldet ein Minus, das Handwerk erwartet ein Plus

Zwischen den Wirtschaftsbereichen zeigen sich deutliche Unterschiede.

Die Industrie- und Handelskammer Düsseldorf meldet bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen einen Rückgang um 10,4 Prozent. Dr. Jürgen Holtkamp, Bereichsleiter Ausbildungsberatung der IHK, spricht von einem „deutlichen Warnsignal“. Weniger Ausbildung heute verschärfe den Fachkräftemangel von morgen. Holtkamp fordert von der Politik weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit für die Betriebe.

Im Handwerk sieht es anders aus. Dr. Christian Henke von der Handwerkskammer Düsseldorf rechnet für 2026 erneut mit einem leichten Plus bei den neuen Ausbildungsverträgen. Zuwächse gebe es unter anderem bei Dachdeckern, Anlagenmechanikern, Elektronikern und Augenoptikern. Auch das lange unter Druck stehende Bäckerhandwerk liege wieder im Plus.

Beide Einschätzungen beziehen sich auf Ausbildungsverträge und nicht auf die bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen. Zudem sind die Zuständigkeitsgebiete der Kammern nicht mit dem Düsseldorfer Stadtgebiet gleichzusetzen.

Für das Kalenderjahr 2025 weist die Ausbildungsbilanz insgesamt 4.242 abgeschlossene Ausbildungsverträge in Düsseldorf aus, 108 weniger als im Vorjahr.

Ausbildung wird auch für Studierende interessanter

Eine weitere Entwicklung fällt in den Zahlen auf. Ausbildung ist längst nicht mehr nur eine Option direkt nach der Schule.

418 der registrierten Ausbildungsinteressierten besuchten eine Hochschule oder Akademie, als sie sich bei der Berufsberatung meldeten. Das sind 11,7 Prozent aller Bewerberinnen und Bewerber und 15,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Ob und wie viele davon tatsächlich ihr Studium für eine Ausbildung aufgeben, geht aus diesen Zahlen nicht hervor.

Auch bei den über 24-Jährigen stieg das Interesse an einer Berufsausbildung, um 8,0 Prozent.

Birgitta Kubsch-von Harten, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Düsseldorf, sieht in der anhaltenden Nachfrage eine Chance für die Betriebe. An Ausbildungsinteressierten mangele es in Düsseldorf nicht. Wichtig sei es, jungen Menschen über Praktika und Einstiegsqualifizierungen den Zugang zu eröffnen.

Für Düsseldorfer Unternehmen ergibt sich damit ein widersprüchliches Bild. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen sinkt, das Interesse an einer Ausbildung bleibt hoch und Hunderte Plätze bleiben trotzdem frei.

Die Ausbildungsbilanz 2026 zeigt vor allem, wie schwierig es geworden ist, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Die Zahlen allein erklären noch nicht, woran eine Vermittlung im Einzelfall scheitert.


Quelle: Agentur für Arbeit Düsseldorf, Ausbildungsbilanz 2026, Factsheet und Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Der Ausbildungsmarkt Düsseldorf, Berichtsjahr 2025/2026. Ergänzend: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Düsseldorf vom 2. November 2026.

Hinweis zur Statistik: Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen im Berichtsjahr 2025/26 bundesweit überzeichnet ist. Grund sind Probleme bei der Übermittlung von Stellenangeboten durch einen großen Arbeitgeber im Einzelhandel. Wie stark einzelne Regionen betroffen sind, lässt sich nicht genau beziffern.

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