Die Düsseldorfer Modedesignerin Tina Miyake zeigt bei Flingern Open, wie aus beschädigter Kleidung etwas Eigenes entstehen kann.

Reparieren statt wegwerfen: Wie Düsseldorf Lieblingsstücke länger leben lässt

Hände reparieren einen hellen Strickpullover mit blauem Garn und einem Stopfei
Kleidung reparieren mit Tina Miyake in Düsseldorf

Reparieren darf sichtbar bleiben: Bei Tina Miyakes Werkstatt werden beschädigte Kleidungsstücke mit Garnen und Stoffen weiterentwickelt. Foto: Tina Miyake

Ein Mottenloch muss nicht das Ende eines Lieblingspullovers sein. In Düsseldorf gibt es längst Orte, an denen repariert statt ersetzt wird – bei Flingern Open zeigt Modedesignerin Tina Miyake, wie daraus sogar etwas Neues entstehen kann.

Ein Loch im Lieblingspullover, ein Riss im Kleid, eine abgewetzte Stelle an einem Stück, das man seit Jahren trägt. Wegwerfen und neu kaufen wäre die einfachste Lösung. Aber in Düsseldorf gibt es längst eine andere Infrastruktur: Repair Cafés, Werkstätten, Secondhand-Läden und Menschen, die Dinge lieber erhalten als ersetzen.

Am Samstag, 7. November, kommt ein weiterer Ort dazu – zumindest für einen Nachmittag. Im Rahmen von „Flingern Open“ lädt die Düsseldorfer Modedesignerin Tina Miyake von 14 bis 18 Uhr zu einer kostenlosen textilen Reparatur-Werkstatt in ihren Showroom an der Ackerstraße 39.

Pullover, Jeans, T-Shirts oder auch Socken dürfen mitgebracht werden. Garne, Nadeln und weiteres Material stellt Miyake zur Verfügung. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Wenn ein Loch nicht verschwinden muss

Interessant ist dabei weniger die Frage, wie sich ein Schaden möglichst unsichtbar verstecken lässt. Miyake versteht die Reparatur auch als Gestaltung.

Ein Mottenloch etwa kann mit unterschiedlichen Garnfarben neu gewebt werden. Die reparierte Stelle bleibt sichtbar – und erzählt anschließend einen Teil der Geschichte des Kleidungsstücks.

Ein Mottenloch, das durch Webtechnik, vielleicht sogar mit unterschiedlichen Garnfarben, gestopft wurde, wertet den Pullover sogar auf. Weil es ihn zu einem Unikat macht.

Tina Miyake über Reparieren als Gestaltung

Foto: Atelier Olschinsky Verena Weiss

Die Idee dahinter ist einfach: Ein Stück, das gern getragen wird, verliert nicht automatisch seinen Wert, nur weil es beschädigt ist. Eine Reparatur kann diesen Wert sogar verändern.

Reparieren gehört in Düsseldorf längst zum Stadtbild

Miyakes Werkstatt steht damit nicht allein.

Die Landeshauptstadt führt auf ihren Nachhaltigkeitsseiten Repair Cafés in zahlreichen Stadtteilen auf. In Flingern hilft etwa das GarageLab regelmäßig beim gemeinsamen Reparieren, in der Zentralbibliothek am Konrad-Adenauer-Platz gibt es ebenfalls ein Repair Café. Weitere Angebote finden sich unter anderem in Benrath, Bilk, Derendorf, Eller, Gerresheim und Kaiserswerth.

Das Prinzip ist überall ähnlich: Defekte Gegenstände werden nicht sofort entsorgt. Stattdessen versuchen Besitzerinnen und Besitzer gemeinsam mit Menschen, die entsprechendes Wissen und Werkzeug mitbringen, ihnen ein längeres Leben zu geben.

Inzwischen hat Düsseldorf solche Angebote sogar in seinen digitalen Stadtplan aufgenommen. Unter dem Bereich Nachhaltigkeit lassen sich neben Repair Cafés auch Secondhand-Angebote, Flohmärkte und andere Orte für ressourcenschonenderen Konsum finden.

Flingern Open: Secondhand trifft Reparatur

Gerade in Flingern passt Miyakes Werkstatt deshalb gut in das Umfeld.

Bei „Flingern Open“ öffnen am 7. November zahlreiche unabhängige Geschäfte und Ateliers länger und verbinden Shopping mit Musik und Aktionen im Viertel.

Der Gedanke des Weiterverwendens taucht dabei an mehreren Stellen auf. Auf der Hermannstraße bietet etwa koko selected Secondhand-Kleidung an. Wenige Häuser weiter arbeitet die Goldschmiedin von ERDEN nicht nur an eigenen Schmuckstücken, sondern bietet auch Reparaturen an.

Zwischen Secondhand, lokalem Handwerk und Reparatur entsteht so zumindest für diesen Tag ein Gegenbild zum schnellen Kaufen und Austauschen.

Alte Kimonostoffe bekommen ein zweites Leben

Bei Tina Miyake gehört dieser Umgang mit vorhandenen Materialien schon lange zur eigenen Arbeit.

Die deutsch-japanische Designerin verbindet Strick mit Elementen alter japanischer Kimonos. Laut manufakTOUR Düsseldorf eröffnete sie bereits 2002 ihren Showroom an der Ackerstraße.

Für die Reparatur-Werkstatt hält sie unter anderem Reste solcher Kimonostoffe bereit. Sie können als Flicken eingesetzt werden. Manche dieser Stoffe sind nach Angaben der Designerin mehr als 100 Jahre alt.

Miyake importiert sie aus Japan. Unterschiedliche Materialien, Muster und Drucktechniken machen aus den Resten keine neutralen Reparaturstücke, sondern sichtbare Bestandteile des neuen Kleidungsstücks.

Damit werden gleich zwei Dinge weiterverwendet: das beschädigte Kleidungsstück – und ein Stoff, dessen ursprüngliche Funktion längst beendet ist.

Vom Theater zur Mode in Flingern

Miyakes Arbeit ist auch deshalb interessant, weil sie zwischen verschiedenen Disziplinen liegt. Nach Angaben des Düsseldorfer Nachhaltigkeitsprojekts „Buy good stuff“ begann ihre berufliche Geschichte im Bühnen- und Kostümbild, bevor sie ihre eigenen Modeideen entwickelte.

Heute entstehen im Atelier an der Ackerstraße Einzelstücke aus Strick, Naturfasern und alten Kimonostoffen.

Das Reparieren am 7. November ist deshalb keine völlig neue Idee, die für einen Nachhaltigkeits-Workshop erfunden wurde. Es passt zu einer Arbeitsweise, bei der Material nicht automatisch ausgedient hat, nur weil sein erster Lebenszyklus vorbei ist.

Was zur Reparatur-Werkstatt mitgebracht werden kann

Pullover, Jeans, T-Shirts und Socken nennt Miyake ausdrücklich als Beispiele.

Wer ein komplizierteres Stück reparieren lassen möchte, kann der Designerin schon vorher ein Foto schicken. So lassen sich passende Materialien vorbereiten. Fotos bitte an info@tinamiyake.de.

 

Kurz & knapp

  • Was: Textile Reparatur-Werkstatt mit Tina Miyake
  • Wann: Samstag, 7. November 2026, 14–18 Uhr
  • Wo: Showroom Tina Miyake, Ackerstraße 39, Düsseldorf-Flingern
  • Teilnahme: kostenlos
  • Anmeldung: nicht erforderlich
  • Material: wird gestellt
  • Vorab-Foto:info@tinamiyake.de
  • Rahmen: Flingern Open

Wer danach noch weiter durch das Viertel zieht, begegnet dem Gedanken des Wiederverwendens möglicherweise gleich wieder: zwischen Secondhand, lokalen Ateliers und Reparaturangeboten.

Quellen: Presseinformation Tina Miyake / Alexandra Wehrmann vom 23. Oktober 2026; Landeshauptstadt Düsseldorf; COSH!; manufakTOUR Düsseldorf; Buy good stuff.

NDOZ · Weiterlesen

Mehr nachhaltig durch Düsseldorf

Weitere ausgewählte Termine sowie Märkte für Secondhand, Vintage und besondere Fundstücke in Düsseldorf.