Bühne und Regie gestaltet der bekannte Regisseur Andreas Kriegenburg, der in Düsseldorf bereits Open Air „Figaros Hochzeit“ oder auch die „Dreigroschenoper“ inszenierte. Kafkas Traum entstand laut Kriegenburg aus Kafkas Texten wie etwa „Die Verwandlung“, das „Urteil“ oder auch aus dem berühmten „Brief an den Vater“, aus dem sich der Monolog gegen Ende speist.
Ein Piano wie zu Stummfilmzeiten
Es beginnt mit dem operettenhaften Auftritt der Gesellschaft aus den Figuren Kafkas Leben und Werk, nur die „Braut“ (Minna Wündrich) ist ganz in Weiß gekleidet. Ein Pianist in eigentümlichem Frack geht an Kafka vorbei zum Flügel, spielt zunächst Ragtime und Boogie, auch Bach-Anklänge, was an die Begleitung der Pianisten zu Stummfilmaufführungen erinnert (Pianist Yaromyr Bozhenko).
Es entwickeln sich phantastische, skurrile und eben auch kafkaeske Szenen wie der Tod der Mutter, oder mit dem kranken Kafka, de sofort vom „Landarzt“ untersucht wird. Das alles erinnert auch in der Choreographie an alte schwarz-weiße Stummfilmzeiten, die etwa 1895 bis 1929 dauerte (Kafka lebte von 1883 bis 1924).
Immer wieder kommt es zu Begegnungen mit dem Vater, und Rainer Philippi zeigt ihn in den unterschiedlichen Szenen als alten Mann, aber auch als wütenden, kraftvollen und den Sohn niederschmetternden Alten.
Traumatische Auseinandersetzung und 40 Minuten Monolog
Schließlich mündet die eher traumatische Auseinandersetzung in Kafkas Traum in einem fast 40-minütigem Monolog, der Schauspielerin Kästner bis zur Erschöpfung fordert und an Molly Blooms nicht enden wollenden Monolog am Ende von Ulysses (1922) erinnert. Dabei wird der Vater durch einen angelegten riesigen Cut mit ebenso riesigen Händen gekleidet, dessen Riesenhaftigkeit auch in „Das Urteil“ nachzulesen ist, von Rainer Philippi als wütender Bourgeois dargestellt, der gegen seinen Sohn wütet, der sich in Gestalt von Pauline Kästner erschöpft auf das Bett legt und, von allen Figuren umringt, sich wie tot zusammenrollt.
Mit Jubel und Standing Ovation wird nicht zuletzt Pauline Kästner für diesen körperlich fordernden Monolog geehrt, ebenso wie der herausragende Rainer Philippi als Über-Vater. Die komplexe Inszenierung, die viel Aufmerksamkeit verlangt, wird von einem begeisterten Publikum mit langem Beifall gefeiert.
Termine und Karten unter
https://www.dhaus.de/programm/a-z/kafkas-traum/
Besetzung
Kafka Pauline Kästner
Prokurist / Knecht Alexander Wanat
Mutter Cathleen Baumann
Vater / Knabe Rainer Philippi
Landarzt Jürgen Sarkiss
Georg Raphael Gehrmann
Braut / Gespenst / Rosa Minna Wündrich
Pianist Yaromyr Bozhenko
Regie und Bühne Andreas Kriegenburg
Kostüm Andrea Schraad
Licht Jean-Mario Bessière
Dramaturgie Beret Evensen
Dauer 2 Stunden 45 Minuten — eine Pause



