Kafkas Traum – Szenen nach seinem Werk Uraufführung im D`Haus

Kafkas Traum oder traumatische Szenen mit hervorragenden Schauspieler*innen

Von Jo Achim Geschke |

Kafkas Traum D Haus

Kafkas Traum, Kafka Pauline Kästner inmitten der Traumfiguren/ Foto © Sandra Then D Haus

Die Bühne ist ein schwarz-weißer Ort, mit schwarzen Bäumen, weißen Wänden und fünf Türen, von denen manche zeitweilig zugemauert scheinen. In einer Ecke steht eine sehr alte Schreibmaschine auf einem Tischchen. Rund um ein einfaches Stahlbett gruppieren sich nach und nach acht Menschen in schwarzen oder weißen Kostümen, mit grauen übergroßen Maskenköpfen. Kafka (Pauline Kästner) irrt durch einen symbolischen Wald mit schwarzen Wegweisern, begleitet von Braut, Mutter, und schließlich vom Vater (hervorragend Rainer Philippi). Die Szenen, die sich auf Kafkas Werk beziehen, enden in einem fast 40-minütigem Monolog, der Schauspielerin Kästner bis an die Grenze fordert.

Bühne und Regie gestaltet der bekannte Regisseur Andreas Kriegenburg, der in Düsseldorf bereits Open Air „Figaros Hochzeit“ oder auch die „Dreigroschenoper“ inszenierte. Kafkas Traum entstand laut Kriegenburg  aus Kafkas Texten  wie etwa „Die Verwandlung“, das „Urteil“ oder auch aus dem berühmten „Brief an den Vater“, aus dem sich der Monolog gegen Ende speist.

Ein Piano wie zu Stummfilmzeiten

Es beginnt mit dem operettenhaften Auftritt der Gesellschaft aus  den Figuren Kafkas Leben und Werk, nur die „Braut“ (Minna Wündrich) ist ganz in Weiß gekleidet. Ein Pianist in eigentümlichem Frack geht an Kafka vorbei zum Flügel, spielt zunächst Ragtime und Boogie, auch Bach-Anklänge, was an die Begleitung der Pianisten zu Stummfilmaufführungen erinnert (Pianist Yaromyr Bozhenko).

Es entwickeln sich phantastische, skurrile und eben auch kafkaeske Szenen wie der Tod der Mutter, oder mit dem kranken Kafka, de sofort vom „Landarzt“ untersucht wird. Das alles erinnert auch in der Choreographie an alte schwarz-weiße Stummfilmzeiten, die etwa 1895 bis 1929 dauerte (Kafka lebte von 1883 bis 1924).  

Immer wieder kommt es zu Begegnungen  mit dem Vater,  und Rainer Philippi zeigt ihn in den unterschiedlichen Szenen als alten Mann, aber auch als wütenden, kraftvollen und den Sohn niederschmetternden Alten.

Traumatische Auseinandersetzung und 40 Minuten Monolog

Schließlich mündet die eher traumatische Auseinandersetzung  in Kafkas Traum in einem fast 40-minütigem  Monolog, der Schauspielerin Kästner bis zur Erschöpfung  fordert und an Molly Blooms nicht enden wollenden Monolog am Ende von Ulysses (1922)  erinnert.  Dabei wird der Vater durch einen angelegten riesigen Cut mit ebenso riesigen Händen gekleidet, dessen Riesenhaftigkeit auch in „Das Urteil“ nachzulesen ist, von Rainer Philippi als wütender Bourgeois  dargestellt, der gegen seinen Sohn wütet, der sich in Gestalt von Pauline Kästner erschöpft auf das Bett legt und, von allen Figuren umringt, sich wie tot zusammenrollt.

Mit Jubel und Standing Ovation wird nicht zuletzt Pauline Kästner für diesen körperlich fordernden Monolog   geehrt, ebenso wie der herausragende Rainer Philippi als Über-Vater. Die  komplexe Inszenierung, die viel Aufmerksamkeit verlangt, wird von einem begeisterten Publikum mit langem Beifall gefeiert.

Termine und Karten unter

https://www.dhaus.de/programm/a-z/kafkas-traum/

Besetzung

Kafka Pauline Kästner

Prokurist / Knecht Alexander Wanat

Mutter Cathleen Baumann

Vater / Knabe Rainer Philippi

Landarzt Jürgen Sarkiss

Georg Raphael Gehrmann

Braut / Gespenst / Rosa Minna Wündrich

Pianist Yaromyr Bozhenko

Regie und Bühne Andreas Kriegenburg

Kostüm Andrea Schraad

Licht Jean-Mario Bessière

Dramaturgie Beret Evensen

Dauer 2 Stunden 45 Minuten — eine Pause