Am 29. März war der Mendelssohn-Saal der Tonhalle Düsseldorf ausverkauft. Die Düsseldorfer Symphoniker spielten, Adam Fischer stand am Pult – doch der Abend des Menschenrechtskonzerts blieb nicht bei der Musik stehen. Der Principal Conductor der Tonhalle Düsseldorf verlieh den Menschenrechtspreis 2026 an die sudanesische Frauenrechtlerin Salwa Elsadik und sprach dem Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly einen Solidaritätspreis zu. Damit wurde aus einem Konzertabend auch ein politisches Signal – mit Wirkung weit über Düsseldorf hinaus. Das Menschenrechtskonzert zeigte an diesem Abend, wie eng Musik, Öffentlichkeit und politische Aufmerksamkeit miteinander verbunden sein können.
Warum der Sudan an diesem Abend im Mittelpunkt stand
Fischer begründete seine Entscheidung mit einem Satz, der hängen bleibt: „Vom Sudan spricht niemand.“ Tatsächlich steht der Bürgerkrieg dort nur selten im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit, obwohl die Vereinten Nationen die Lage als derzeit größte humanitäre Katastrophe weltweit bezeichnen. Während der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Nahostkonflikt die Schlagzeilen bestimmen, bleibt der Sudan oft im Schatten.
Salwa Elsadik arbeitet genau in diesem Schatten. Sie gründete und leitet die Women Advocacy and Development Initiative (WADI), die sich für Frauen und Mädchen im Sudan einsetzt und humanitäre Hilfe an vorderster Front leistet. In ihrer Dankesrede sagte sie: „Frauen zu unterstützen ist keine Wohltätigkeit. Es ist eine Investition in den Frieden.“ Der Satz machte deutlich, worum es an diesem Abend auch ging: um konkrete Menschenrechtsarbeit unter realen Bedingungen.
Das Preisgeld von 10.000 Euro wird vom Freundeskreis der Tonhalle aus zweckgebundenen Spenden finanziert, darunter von der Stadtsparkasse Düsseldorf.
Jacques Tilly erhält Solidaritätspreis der Tonhalle
Der zweite Preis des Abends ging an Jacques Tilly, der in Düsseldorf weit über den Karneval hinaus bekannt ist. Seine politisch-satirischen Mottowagen für den Rosenmontagszug greifen seit Jahren internationale Konflikte und autoritäre Politik auf. Im Dezember 2025 wurde Tilly in Moskau wegen angeblicher Verunglimpfung staatlicher Organe und Verbreitung von Falschinformationen über die russische Armee angeklagt. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm Geldstrafe oder Haft.
Adam Fischer nannte die Anklage einen Angriff nicht nur auf Tilly, sondern auch auf Meinungs- und Kunstfreiheit. Tilly selbst reagierte mit der ihm eigenen Ironie und dankte unter anderem Putin und der russischen Justiz. Nun könne jeder sehen, dass das Regime offenbar „Angst vor närrischen Pappfiguren“ habe. Gerade in Düsseldorf, wo seine Wagen seit Jahrzehnten zum politischen Straßenbild des Rosenmontags gehören, bekam dieser Satz besonderes Gewicht.




