Rassismus-Vorwürfe im Schauspielhaus

Rassismus-Vorwürfe im Schauspielhaus, Leitungsteam will Änderungen erreichen

Von Jo Achim Geschke

Schauspielhaus Düsseldorf
Schauspielhaus Düsseldorf

Foto: Schauspielhaus Düsseldorf / Foto © Jo Achim Geschke

Inzwischen gibt es Erklärungen des Ensembles und der Leitung des Schauspielhauses: Ein Schauspieler des Schauspielhauses, Ron Iyamu, hatte in einer WDR Fernsehsendung Rassismus-Vorwürfe gegen Schauspieler*innen des D'Hauses geäußert und sich beklagt, dass die Leitung dies nicht ernst genommen habe. Der betroffene Schauspieler hat dies in einem Fernsehbeitrag zum Tag gegen Rassismus am 18. März geäußert. Er beklagte dabei nicht nur die rassistischen Verhaltensweisen von Kollegen; die Leitung habe davon erfahren und nicht angemessen reagiert, kritisierte er. Intendant Wilfried Schulz hatte sich bereits in der Sendung sehr betroffen gezeigt und sich entschuldigt. Nun soll ein „Code of Conduct“ gemeinsam mit allen erarbeitet werden.

Schulz bedauerte, man habe zu spät reagiert, man müsse bei solchen Vorfällen eben schneller reagieren, das werde auch in Zukunft geschehen. Aber ein „Meldesystem“ wolle er vermeiden. „Wir verurteilen jegliche Form von Rassismus und möchten nicht, dass jemand rassistisch behandelt wird.“, betonten Schulz und Claudia Schmitz (Finanz-Chefin). Zudem wurde bereits 2019 eine Diversity-Beauftragte eingesetzt. Nun soll ein Verhaltenscodex mit den Mitarbeiter*innen erarbeitet werden (Code of Conduct), also Verhaltens-Richtlinien, Handlungsanweisungen für Mitarbeiter*innen, die unerwünschtes Verhalten ausschließen sollen und an die sich alle im Unternehmen halten sollen.

Der Schauspieler ist seit 2019 festes Mitglied des Ensembles. In der Fernsehsendung klagte er, dass ein Regisseur, als er einen Sklaven spielte, ihn auch außerhalb der Bühne „Sklave“ genannt habe. Oder er habe einen Mann gespielt, der einem anderen „mit Migrationshintergrund“ Drogen verkaufen sollte. Ein Kollege habe ihn mit Anspielung auf das Stück nach der Probe mit einem Cutter gedroht, was wohl scherzhaft gemeint war -  aber eben nicht war. Er habe das kommuniziert, auch gegenüber der Leitung, aber keine Reaktionen bekommen.

Nun kann es durchaus sein, dass auch in einem eher intellektuellen Milieu, in dem mit Texten und ihrer Interpretation umgegangen wird, einige Mimen noch immer nicht sensibel genug sind für einen praktizierten Anti-Rassismus und prollig durch die Gegend stapfen. Allerdings ist gerade das Schauspielhaus aber eher ein Ort, an dem gegen Rassismus und gegen Vorurteile mit Aufführungen und Aktionen seit langem gearbeitet wird.

Aber es gibt noch einen zweiten, für ganz Deutschland geltenden Aspekt: Nicht nur zum Tag gegen Rassismus am vorigen Wochenende haben etliche Film- und TV-Schauspieler*innen  außerhalb des D'Hauses auch beklagt, dass People of Colour, die in Bochum oder Köln geboren wurden, immer noch auf  Migrantenrollen oder als Kriminelle  besetzt werden. Änderungen beginnen gerade erst zu greifen, etwa mit Florence Kasumba als schwarze Kommissarin im Tatort mit Maria Furtwängler oder Rollen in Vorabendserien wie den „Sokos“, in denen People of Colour ganz normal ihre normalen Rollen, auch als Chefinnen, spielen.

Inzwischen steht oben auf der Website des Schauspielhauses ein „Offener Brief“ des D'Haus-Ensembles, der sich direkt an den Kollegen Ron Iyamu wendet,  und die Stellungnahme der Leitung des Hauses. Im Brief des Ensembles heißt es: "Du hast in unserer Mitte Rassismus erfahren, wir haben weggesehen und geschwiegen. Das tut uns aufrichtig leid. Wir wollen und werden daran arbeiten, unterstützen deinen Vorschlag zu einer offenen Aussprache und tragen deine Forderungen mit. Wir wünschen dir genug Raum, Zeit und Kraft zur Heilung. Dein Ensemble"

Die Stellungnahme der Schauspielhausleitung in vollem Wortlaut

Ron Iyamu ist seit August 2019 festes Mitglied unseres Ensembles. Er setzt sich seit Jahren aktiv und öffentlich gegen Rassismus ein, zuletzt am 18.03.2021 im Rahmen eines WDR-Interviews. Ron Iyamu berichtet von einer Vielzahl eigener Rassismus-Erfahrungen, die uns sehr betroffen machen und erschüttern. Seine Erfahrungen beziehen sich unter anderem auf die jüngere Vergangenheit und stehen leider auch im Kontext seiner Arbeit am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Uns war nicht bewusst genug, wie weitreichend und tiefgreifend diese Erfahrungen für ihn sind. Wir verurteilen jegliche Form von Rassismus und möchten nicht, dass jemand rassistisch behandelt wird. Wir haben seine persönliche Betroffenheit, das Ausmaß der Verletzungen und vor allen Dingen die Aufarbeitung falsch eingeschätzt. Das tut uns sehr leid! Wir bedauern sehr, dass wir den Vorfällen nicht konsequenter begegnet sind. Das war ein Fehler. Wir bitten um Entschuldigung für die entstandenen Verletzungen und hoffen auf die Fortführung der persönlichen Gespräche.

Rassismus darf in unserer Institution keinen Platz finden. Wir verfolgen und initiieren seit vielen Jahren Programme und Aktionen gegen Rassismus – auf und jenseits der Bühne. Ein wesentlicher Baustein ist in diesem Kontext die Position des Diversity-Beauftragten - eine Position, die wir Mitte 2019 besetzen konnten. Uns wichtig sind auch die Anti-Rassismus-Fortbildungen für Mitarbeiter*innen. Die Ereignisse zeigen uns aber eindeutig, dass wir noch sehr viel mehr an unseren internen Strukturen arbeiten müssen, um Missstände zu erkennen und zu beseitigen – und vor allen Dingen, um den Betroffenen Gesprächsraum und Unterstützung bieten zu können.

Wir werden einen Code of Conduct einführen, mit dem wir unsere Haltung, Werte und unser Handeln innerhalb unserer Institution beschreiben. Diesen werden wir gemeinsam mit unseren Mitarbeiter*innen bis Ende Juni debattieren und verabschieden. Im Zuge des Code of Conduct wird es künftig auch Ansprechpartner*innen geben, an die sich Betroffene unmittelbar wenden können.

Wilfried Schulz, Claudia Schmitz und das Leitungsteam des Düsseldorfer Schauspielhauses