Was beim EU-Indien-Abkommen schon klar ist – und was noch nicht
Der politische Deal ist ein Signal, aber noch kein Schalter, der morgen den Warenverkehr umstellt. Bevor das Abkommen wirkt, müssen die Texte finalisiert, juristisch geprüft und anschließend ratifiziert werden. Für Unternehmen heißt das: Zölle und Verfahren bleiben vorerst bestehen, zugleich wächst der Druck, sich strategisch vorzubereiten.
Die EU-Seite rechnet mit einem großen Hebel: Geplant ist, Zölle auf 96,6 Prozent der EU-Warenexporte nach Indien abzuschaffen oder zu senken; verbunden mit dem Ziel, EU-Ausfuhren nach Indien bis 2032 zu verdoppeln. Außerdem werden jährliche Einsparungen von rund 4 Milliarden Euro an Zöllen genannt.
Der globale Hintergrund: EU und Indien handeln bereits heute Waren und Dienstleistungen im Wert von über 180 Milliarden Euro pro Jahr.
Warum Düsseldorf jetzt in Indien präsent ist
Die Düsseldorfer Delegation ist nicht zufällig wenige Tage nach der Einigung unterwegs. Die Stadt koppelt das Thema Handel an drei sehr konkrete Düsseldorfer Stärken:
1) Netzwerk & Soft-Landing über das Indien-Kompetenzzentrum (IKD)
Das IKD wurde im Juni 2025 in Düsseldorf gegründet und tritt nun erstmals mit einem eigenen Format in Indien auf. IHK-Präsident Andreas Schmitz beschreibt Indien als „zentralen Wirtschaftspartner für Düsseldorf und die Region“ – und betont den Zeitpunkt: „genau jetzt“ sei der Moment, die Partnerschaft zu vertiefen.
2) Messe-Infrastruktur als Standort-Argument
Auf der Reise gehört die Medical Fair India dazu – als Teil der MEDICA-Messefamilie, die von der Messe Düsseldorf organisiert wird. Messe-Chef Marius Berlemann bringt den Kern auf einen Satz: „Der direkte Austausch vor Ort ist entscheidend, um Märkte zu verstehen.“
Am Rande der Messe besuchte die Delegation auch den Stand von Henkel – ein konkretes Beispiel dafür, wie stark Düsseldorfer Unternehmen in internationalen Industrie- und Gesundheitsmärkten bereits präsent sind.
3) Tech-Kooperationen (NASSCOM, Start-ups, Zukunftsbranchen)
Am 29. Januar stand zudem der Austausch mit NASSCOM in Noida auf dem Programm – mit Themen wie Cybersicherheit, GreenTech und Gesundheitswirtschaft. Es ist die klassische Düsseldorf-Logik: Branchenkompetenz plus Kontakte plus ein klarer Standort-Pitch.
Zur Reise gehört neben Delhi auch Bengaluru – Indiens wichtigster Tech-Knotenpunkt. Die Botschaft: Düsseldorf denkt Indien nicht nur als Absatzmarkt, sondern als Innovations- und Talentpartner.






