„Weltraumoper Rückkehr zu den Sternen“ von Bonne Park - Uraufführung

„Rückkehr zu den Sternen, Weltraumoper“ und Aufklärungs-Märchen - Uraufführung

Von Jo Achim Geschke

Weltraumoper DHaus

Weltraumoper von Bonne Park, Mitte vorn Lea Ruckpaul, hinten v.l. Rosa Enskat, Kilian Ponert, Serkan Kaya / Foto © Thomas Rabsch, D Haus.

Tja, sagt der Doktor und Chief „Beverly Nolte“, „Es war eine barbarische Zeit in einer heiteren und hochentwickelten Zivilisation“. Kilian Ponert/ Doktor spricht im Jahr 2023 über uns Heutige hier zu seiner „Freundin“ und Wissenschaftsoffizierin Melitta auf der Brücke des Raumschiffs „Wassong“, und das heißt wie eine der Bühnenbildnerinnen. Nicht die einzige Ironie und Anspielung in dieser „Weltraumoper“, die Bonne Park für das Düsseldorfer Schauspielhaus schrieb und die unter dem Titel „Rückkehr zu den Sternen“ jetzt eine bejubelte Uraufführung bekam.

Es ist eine Oper mit Orchester im Orchestergraben und Dirigenten, mit hervorragenden Musiker:innen, alle sind Studierende der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, die wir am Ende des Textes extra erwähnen. Die Schauspieler:innen singen auf gewohnt hohem Niveau. Allen voran die hervorragende Rosa Enskat als Wissenschaftsoffizierin Melitta, die mit einem kleinen Modell des bekannten und ikonographischen Raumschiffs zu Beginn vor den Vorhang tritt und von den vielen „neuen Welten“ singt, die es zu entdecken gilt.

„Melitta“ steht dann auf der Brücke des Raumschiffs, die Bühne durchaus ein Anklang an „Star Treck“ oder auch die Serie „Raumschiff Orion“ von 1966, als Wasserhähne und Bügeleisen als Steuerinstrumente eingebaut waren, kaum erkenntlich übrigens. Auf der Bühne hier dominiert schlichte Einfachheit. Das Raumschiff „Wassong“ ist unterwegs, um friedlich neue galaktische Kulturen kennen zu lernen.

Alle werden akzeptiert, zeigen die Dialoge, auch Melitta/ Enskat, die keine Gefühle kennt. Oder der sensible und doch rationale Doktor mit den großen – beweglichen! – Ohren (Kilian Ponert). Der Captain Jean Luc Yešilyurt ist zurückhaltend und ausnehmend höflich (Serkan Kaya).

Doch First Officer William T. Ortiz (nach der ersten Dramaturgin Janine Ortiz  im D´Haus!)  bekommt plötzlich Stiche, wir würden heute banal sagen Herzstiche, es tut weh, sagt sie. Lea Ruckpaul spielt diese zentrale Figur des First Officer ernst, mit weltentrückter Zerbrechlichkeit.

Das friedliche Raumschiff wird angegriffen, es gibt Zerstörungen auf der Brücke, und – lassen Sie als eventuelle Opernfans Ironie durchaus zu – golden glitzernde Ballons zerplatzen über der Bühne. Die Schmerzen bei William T. Ortiz nehmen zu, auch wenn der Doktor meint, das könne nicht sein. Plötzlich wird das Raumschiff von einer fremden Macht entführt, rast durch das All und kommt zu einem Eisplaneten.

Die Besatzung lässt sich – durch golden glitzernde Tücher – auf den Planeten beamen. Dort erscheinen die Alien Queen, eine „Eiskönigin“ (Lioba Kippe) und ihr Berater (Thomas Wittmann) inmitten der aufgetürmten Eisschollen.

Im Kampf mit der Raumschiffbesatzung erscheint das riesige „Monster Niesel“, eine Art ein fellbehangener Yeti (Florian Claudius Steffens).

Und nun wird klar: es geht um den First Officer mit den Herzstichen.

Nicht wie im richtigen Leben, leider, einigen sich die Kampfparteien, und setzen sich zum Speisen an eine lange Tafel.

Höhlenwesen in einem Raumschiff

Die Wesen aus dem Raumschiff leben hunderte von Jahren, aber auf dem Eisplaneten ist es anders: Sie leben und genießen bis sie 40 sind, dann entwickeln sie sich genauso zurück und müssen sterben. Auch die zarte William T. Ortiz. Die Bewohner:innen  des Eisplaneten kommunizieren telepathisch. Aber hören nur die traurigen, die schlechten Inhalte. Wo Raumschiffsbesatzung herkommt, gilt das Leben als etwas Wunderbares, meint die Eiskönigin, nicht so auf dem Eisplaneten. Dort ist man beim „geordneten Aussterben“.

Und als „Melitta“/ Rosa Enskat, die ja keine Gefühle kennt, einen „Gefühlsimulator“ bekommt, für Gefühle aus dem 21. Jahrhundert, beginnt sie sofort, die anderen übel zu beschimpfen …

In diesem modernen, philosophische Aufklärungsmärchen klingt das alles durchaus nach unseren Verhältnissen. „Wir sind Höhlenwesen in einem Raumschiff“, heißt es einmal.

Langer, langer Applaus für ein schönes Theater-/ Opern-Märchen inmitten der erschreckenden Zeit der Nachrichten über den Krieg in der Ukraine.

Die Oper wird tänzerisch ausgezeichnet begleitet von Tänzerinnen des „tanzraum benrath“ . Die Musik stammt von Komponist Ben Roessler, mit dem Bonne Park bereits mehrfach zusammen arbeitete. Musikalische Leitung hat  Javier Alvarez Fuentes, Felix Koltun, Giorgi Shekiladze, Bühne Julia Nussbaumer, Jana Wassong, Kostüm Leonie Falke, Choreografie Tanja Emmerich.

Das Orchester aus Studierende der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf:

Violine 1 Gayeong Gal / Yasaman Jafarian

Violine 2 Annika Franke / Yasaman Jafarian

Viola Silvia Vega Estevez / Kaan Bugra Metin

Violoncello Paulo Francke Negreiros / Severin Haslach / Jungin Kim

Kontrabass Adrian Eriksson / Moonjeong Choi

Harfe Sonia Crisante / Alice Vecchio / Yung-Chun Hung

Flöte Hannah Selina Müller / Dayana Sorak

Klarinette Nadia Hashemi / Lucía Cristóbal Melgar

Fagott Ascensión María Fuentes Campos / Justin Cherry

HornRoberta Palladino

Posaune Konrad Waßmann / Tom Weiland

Tuba Robert Gödtke

Vibraphon Zoi Argyriou

Weitere Termine Sa, 12.03. / 19:30 - 21:00, 2. April und 22. April

Karten unter www.dhaus.de