D´Haus im Juni 2023

Schauspielhaus Premieren und Termine bis Juni 2023 mit Luisa Neubauer, Enissa Amani und neuen Inszenierungen

Von Jo Achim Geschke |

Enissa Amani

Enissa Amani / Foto Von Stefan Müller Germany - Enissa Amani beim 10. globalen Klimastreik von Fridays for Future, CC BY 2.0, commons.wikimedia.org/w/index.php

Luisa Neubauer spricht am Sonntag in der Reihe „Düsseldorfer Reden zur Zukunft der Demokratie“ im Schauspielhaus. Neubauer, bekannt durch ihr neuestes lesenswertes Buch mit ihrer Oma zusammen „Gegen die Ohnmacht“, ist eine der rhetorisch hervorragenden Sprecherinnen von „Friday for Future“. Den Abschluss der Reihe macht die iranisch-deutsche Comedian Enissa Amani. Bis zur Sommerpause des Schauspielhauses warten noch spannende Inszenierungen wie „My private Jesus“, die Open Air „Hochzeit des Figaro“ bis Juni, Gastspiele des Asphalt Festivals, oder das „Ukraine Fest der Begegnung“ auf die Zuschauer.

Enissa Amani, die auch in der Sendung „Die Anstalt“ zu den furchtbaren Entwicklungen im Iran auftrat, spielt bei Auftritten gern ironisch mit den Klischees und Vorurteilen Frauen und „Ausländern“ gegenüber. Sie erhielt (Zitat Schauspielhaus) „den Grimme Online Award für ihre Diskussionssendung »Die beste Instanz« in Antwort auf die viel kritisierte WDR-Talkshow »Die letzte Instanz«. Unerschrocken und robust setzt sich Enissa Amani für Menschenrechte und Demokratie ein, ist dafür aber auch mit Hass und Drohungen konfrontiert. Dass aber Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern etwas, woran wir arbeiten und wofür wir streiten müssen,  dafür steht Enissa Amani.“

Enissa Amani  —  am 11. Juni um 11 Uhr  — Schauspielhaus, Großes Haus  —  In Kooperation mit der Rheinischen Post

Ukraine-Fest der Begegnung 

Am Samstag, dem 17. Juni, veranstaltet das D´Haus gemeinsam mit dem Verein Ridne Slowo und vielen Partner:innen und Initiativen zum zweiten Mal ein ukrainisches Fest auf dem Platz vor dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Um 14 Uhr geht es los mit einer Begrüßung durch Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und die ukrainische Generalkonsulin Iryna Shum. Das Gelände des D’haus-Open-Air wird zur Bühne für ein buntes künstlerisches Programm mit Theaterszenen, Musik und Choreografien. Bei Kaffee und Kuchen laden wir ein zu Begegnung und Austausch. Und für die Kinder gibt es zweisprachige Geschichten im Bilderbuch-Kino, ein sportliches Angebot des Sport-Action-Busses und viele Möglichkeiten zu basteln und zu spielen. Mit der Tanz gruppe Rosynka aus Charkiw, Kindern der ukrainischen Sonntagsschule Ridne Slowo sowie Auszügen aus der D’haus-Inszenierung »Odyssee« und einem musikalischen Programm der ukrainischen Singer-Songwriterin Laura Marti.

Ukraine-Fest der Begegnung   am 17. Juni ab 14 Uhr  —  In Kooperation mit dem Verein Ridne Slowo e. V.  —  Eintritt frei

Unterhaus

Auf der Bühne unter dem Schauspielhaus trifft Diskurs auf Show, Experiment auf Klassiker und Theater auf Pop.  Etwa bei

 Geschichten aus dem Exil — Ein Kultursalon mit internationalen Künstler:innen von und mit Pavlo Arie — Zu Gast sind die bildende und darstellende Künstlerin Svitlana Sokolova und Ensemblemitglied Belendjwa Peter — am 11.6. um 20 Uhr — Der ukrainische Künstler Pavlo Arie, Chefdramaturg des Left Bank Theatre in Kyjiw und Autor der »Odyssee« frei nach Homer im D’haus, lädt monatlich internationale Gäste ins Unterhaus ein. In der Reihe »Geschichten aus dem Exil« stellt er nicht nur Künstler:innen vor, sondern macht mit ihnen Kunst – grenzüberschreitend, einmalig, überraschend. Im Juni trifft er auf Svitlana Sokolova aus Kyjiw, die seit dem Einmarsch der Russen in Berlin lebt. Sie bewegt sich zwischen Dokumentar-, Akt- und Fetischkunst, Kriminal-Drama-Szenen, Gonzo-Journalismus und einer Menge Selbstdarstellung, alles mit einer guten Dosis Humor und Selbstironie. Special Guest ist die:der non binäre Performer:in, Choreograf:in und  Ensembleschauspieler:in  Belendjwa Peter. — Im Anschluss Gespräche und  Getränke.

Super 8: Das große Staffelfinale — Ein Best-of zum Abschied — am 24.6. um 20 Uhr — Zwei Jahre haben die Studierenden des Schauspielstudios am D’haus verbracht. 730 Tage voller Lampenfieber und Theaterzauber. Seit 2021 standen sie regelmäßig mit Monologen, Szenenstudien und Chansons auf der Bühne des Unterhauses. Und bevor ihre gemeinsame Zeit im Sommer endet, wollen es die »Super 8« noch einmal richtig krachen lassen und ihren Abschied im Unterhaus gebührend feiern. An diesem Abend begeben sich die acht Studierenden des Schauspielstudios auf eine letzte gemeinsame Reise, um ihre Düsseldorfer Zeit Revue passieren zu lassen. Und dann wird endgültig »nach Hause telefoniert« – das sollten Sie sich nicht entgehen lassen!

Außerdem Unterhaus-Inszenierungen:

Reigen — nach Arthur Schnitzler in einer Bearbeitung von Anton Schreiber — am 8.6. um 20 Uhr — Schnitzlers »Reigen« zählt zweifellos zu den berüchtigten Theatertexten der Moderne. 1920 ist »Reigen« eine theatrale Provokation und bricht Tabus: Es geht um Einsamkeit, Sex und Sehnsucht. In einem fieberhaften Szenenreigen vereinen sich Schnitzlers Figuren im Geschlechtsakt, um sich wieder zu verlieren. Rund 100 Jahre später ist die Welt eine andere. Im Unterhaus wagt Anton Schreiber, Regieassistent am D’haus, den Versuch eines zeitgemäßen Updates.

Muinda — Ein Solo-Musical von und mit Belendjwa Peter — Musik: Marco Girardin und Belendjwa Peter — in englischer Sprache — am 18.6. um 20 Uhr — Muinda ist in der kongolesischen Sprache Lingala das Wort für Licht. Für das Licht der Sterne und der Sonne, das uns auch in dunkelsten Stunden überleben lässt. Muinda ist Hoffnung und Leichtigkeit. Das Solo-Musical »Muinda« erzählt auf berührende und intime Weise aus dem Leben einer neurodivergenten, nonbinären, Schwarzen Person auf den Straßen Londons und Manchesters.

Zu Gast im „Central“

Impulse Theater Festival

Das Impulse Theater Festival ist seit mehr als 30 Jahren die wichtigste Plattform für die Freien Darstellenden Künste im deutschsprachigen Raum. 2023 findet es vom 8. bis 18. Juni in Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr statt. Es zeigt die herausragenden Produktionen der vergangenen Saison an verschiedenen Spielorten in Düsseldorf. Zwei davon sind im Central zu sehen.

Magda Toffler. Versuch über das Schweigen von Boris Nikitin — am 10.6. im Central — »Magda  Toffler. Versuch über das Schweigen« ist ein Stück Ahnenforschung, das ebenso sehr vom Ringen um die eigene Identität handelt wie von den fatalen Folgen der Sprachlosigkeit angesichts der Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Die Großmutter von Boris Nikitin entstammte einer jüdischen Familie, hat dieses Geheimnis aber bis zu ihrem Tod für sich behalten. Der Enkel begibt sich in einem Monolog auf die Suche nach dem Ursprung des Schweigens.

Szenario von Jan Philipp Stange & Company — am 15. und 17.6. im Central — »Szenario« bringt eine Reflexion über die Arbeitszusammenhänge in einem neoliberalen, kapitalistischen System auf die Bühne – und ist dabei mindestens so schön anzusehen wie ein Weihnachtsmärchen. Der Förderantrag – das wichtigste  Genre der zeitgenössischen Kunst – wird dabei zur absurden Textvorlage für ein Musical. Vier Waldarbeiter:innen singen in verschneiter Landschaft über »Aktivitäten zur Zielerreichung«, den »Kosten- und Finanzierungsplan« und ihre persönlichen Kämpfe mit Arbeit, Armut und Selbstverwirklichung. — Informationen und Tickets: https://www.impulsefestival.de/

Zu Gast im Schauspielhaus : Asphalt Festival 2023

Vom 16. Juni bis 2. Juli 2023 präsentiert das Asphalt Festival erneut Schauspiel, Musik, Tanz, Literatur und Kunst in Düsseldorf. Fast 50 Vorstellungen an fünf verschiedenen Spielorten umfasst das Programm.

Am 1. und 2. Juli ist das Festival mit Verrückt nach Trost von Thorsten Lensing im Schauspielhaus zu Gast. Kultregisseur Thorsten Lensing machte bisher mit erfolgreichen Romanbearbeitungen von sich reden, wie David Foster Wallace’ »Unendlicher Spaß«, das zum Berliner Theatertreffen eingeladen und bei asphalt 2021 zu Gast war. Nun hat Lensing zum ersten Mal ein eigenes Stück für das Theater geschrieben, genauer gesagt für die Schauspieler:innen Sebastian Blomberg, André Jung, Ursina Lardi und Devid Striesow, mit denen er teilweise schon seit 20 Jahren zusammenarbeitet. Das Ensemble verkörpert Menschen von der Kindheit bis ins hohe Alter ebenso grandios wie Tierrollen. An diesem Theaterabend, der einem »Schauspielfeuerwerk« (ORF) gleicht, begegnen uns hungrige Babys auf riesigen Parkplätzen, verletzte Stabhochspringerinnen, sprechende  Oktopusse, todessehnsüchtige Taucher, Menschen, die ihren eigenen Körper nicht spüren, Kühe am Schlachttag, Pflegeroboter und Sterbende, die in einem Altenheim auf den Tod warten. Sie alle sind getrieben von der Angst, ihren Weg verloren zu haben, und der großen Sehnsucht nach dem Gefühl, richtig am Leben zu sein: ein Fest der Schauspielkunst voll herzzerreißender Komik. — Informationen und Tickets: https://www.asphalt-festival.de/programm-2023/

Spielplan, weitere Informationen und Kartenbestellung unter www.dhaus.de