Statistik zur sozialen Lage in Düsseldorf bis 2019

Alles besser? Von wegen – der etwas andere Blick auf die neue Soziale Realität

Von Jo Achim Geschke

Terrasse derer noblen Gastronomie auf dem Dach des Dreischeiben-Hauses. / Foto © Jo Achim Geschke
Der etwas andere Blick auf die neue Soziale Realität

Terrasse derer noblen Gastronomie auf dem Dach des Dreischeiben-Hauses. / Foto © Jo Achim Geschke

Wenn die Stadtverwaltung verlauten lässt, fast alles ist besser – dann ist das ein Grund, näher hinzuschauen. Nee, ist nicht alles besser. Düsseldorf ist eine bei Einkommen, Rente und Wohlstand geteilte Stadt. Menschen müssen dorthin ausweichen, wo ein früherer CDU-OB „nicht übern Zaun hängen“ wollte – ins Umland. Der Ring Deutscher Makler (RDM) hat neulich ja schon klar gemacht, dass da hinten übern Zaun die Mieten stark steigen, bis zum Bergischen Land und dem Niederrhein. Die Zahlen, die jetzt das Amt für Statistik der Stadt vorlegte, legen nahe: Düsseldorf ist eine Stadt der gut Verdienenden geworden. Für Menschen, die gut verdienen und Schwarz und Grün wählen.

Der RDMzeigte auf, dass die Mieten im weiteren Umland um 10 bis zu 22 % gestiegen sind. Grund ist die hohe Nachfrage, denn in Düsseldorf gibt es zu wenig bezahlbare Wohnungen für jene, die hier arbeiten.

Die städtischen Statistiker haben nun dankeswerter Weise einen neuen „Monitoringbericht zur sozialen Lage 2014 bis 2019“ vorgelegt, der jetzt im Ausschuss für Soziales und Gesundheit (AGS) präsentiert wurde.  Darin werden Einkommen, Renten und Sozialleistungen wie etwa Arbeitslosengeld II, oder Wohngeldbezüge untersucht und aufgelistet. Es sind viele Zahlen – aber sie lohnen sich.

Wie seit Jahren leben in mehr als der Hälfte – jetzt 54 % - der Haushalte nur eine Person, sogenannte Singlehaushalte. Das können ältere Witwen ebenso sein wie junge Studierende. In 3,6 % der Haushalt leben allein Erziehende mit Kind/ Kindern. Insgesamt leben in Düsseldorf 642.923 Menschen (plus 3600 in einem Jahr) in 359 933 Haushalten. Davon sind – das ist wichtig für die Familienpolitik – nur 13,4 % Paare mit Kind.

Die vielzitierte Politik der Einfamilienhäuser für angeblich junge Familien ist damit eine Politik für eine sehr kleine Gruppe von Menschen, die aber sehr viel Ressourcen (Grundfläche, Energie pro Kopf) verbraucht.

Arbeit

Insgesamt arbeiten in Düsseldorf 255.710 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs, das ist ein Zuwachs zum Jahr davor von 5587 Menschen.  Siehe das Thema Wohnen … Davon arbeiten 189.446 in Vollzeit.

Auffallend ist, das 3181 Renter:innen in sozialversicherungspflichtigen Jobs arbeiten – ob sie Spaß dran haben, oder zu wenig Geld und weiter arbeiten müssen – wohl eher letzteres. Es sind übrigens knapp 300 Rentner:innen mehr als ein Jahr zuvor. wie seit Jahren ist der Anteil der Frauen bei den Teilzeitbeschäftigten sehr hoch mit 71 %.

Interessant ist die Aufschlüsselung der „geringfügig Beschäftigten“: Es sind 55.336 Menschen, aber ausschließlich „geringfügig“ sind 32.167 – das heißt, es haben 23.169 Menschen einen angemeldeten Zweitjob, um genug für ihr Leben zu verdienen.

Einkommen – Ein Viertel hat zwischen 900 und 1500 €

Die Einkommensschere klafft weiter: Mehr als ein Viertel der privaten Haushalte hat ein Einkommen zwischen 900 und 1500 € – Netto.

Allerdings gibt es in Düsseldorf, der Stadt der Unternehmens- und Steuerberater:innen und der Ministeriumsbeamt:innen, auch mehr als ein Viertel der Haushalte, die 4000 € und mehr als Einkommen haben. Und das sind sicherlich nicht nur die Oberstudienräte … Der Anteil der Haushalte mit überdurchschnittlich hohen Monats-Nettoeinkommen (4.000 € und mehr) ist im Zeitraum 2014 bis 2019 um 7 % gestiegen.

Der Kaufkraftindex der Stadt liegt bei 118 Punkten, also um 18 Punkte über dem Durchschnitt Deutschlands, das ist schon ganz ordentlich. In Frankfurt liegt der Kaufkraftindex bei 114,4….

Das verfügbare Einkommen ist das, was ein Mensch für Ausgaben beim Konsum ausgeben kann. Das liegt in Düsseldorf bei 25.817 € Pro Kopf.

Rente: 46 % haben bis 1000 € Rente

Die durchschnittlich ausgezahlte Rente beträgt in Düsseldorf 1182 € für Männer und 1014 € für Frauen.

Große Unterschiede gibt es aber auch hier wie beim Einkommen: Mit unter oder bis 500 € Rente monatlich müssen 22.982 Düsseldorfer:innen auskommen, 500 bis 1000 € Rente haben 31.138 Menschen in der Landeshauptstadt. Rechnet man das in Prozenten zusammen, erhalten 46 % der Düsseldorfer Rentner:innen weniger als 500 bis 1000 € monatlich…

Etwa 6 % der Rentner:innen haben mehr als 2000 € monatlich.

Knapp 10.000 ältere Menschen erhalten Grundsicherung im Alter, darunter mehr als die Hälfte (5227) Frauen.

8700 Haushalte in Düsseldorf erhalten Wohngeld.

Auskunft über die wirtschaftliche Situation der Haushalte gibt auch die Zahl derjenigen, die einen Düsselpass haben und damit Vergünstigungen erhalten (müssen): Es sind 67.500 Menschen, das sind 2000 mehr als im Jahr davor.

Der Bericht zur sozialen Lage der Stadt enthält zudem Aufschlüsselungen zu Arbeitslosenzahlen und auch zu Beschäftigten in den Stadtbezirken und Stadtteilen. Stützt sich dabei aber auf die Zahlen des Arbeitsamtes.

Monitoring zur sozialen Lage in Düsseldorf 2014 bis 2019

 Hintergrund

Das Amt für Statistik und Wahlen hat im Rahmen der "Kommunalen Sozialberichterstattung der Landeshauptstadt Düsseldorf" und in Kooperation mit dem Amt für Soziales den Bericht "Monitoring zur sozialen Lage in Düsseldorf 2014 bis 2019" veröffentlicht. Dieser Bericht wird im zweijährigen Turnus fortgeschrieben und bildet eine wichtige Informationsgrundlage für die kommunale Sozialpolitik in Düsseldorf. Da sich der Bericht auf den Betrachtungszeitraum bis Jahresende 2019 bezieht, lassen sich die sozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht ablesen.