Alex & Stefan on Tour: Beuys, Marilyn, der Bunnyman und Altbier als Bilder aus Licht.
ART IN THE SKY in Düsseldorf: Knapp 1.000 Drohnen über dem Rhein
Von
Alexandra Scholz-Marcovich,
Stefan Scholz
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Marilyn Monroe über Düsseldorf
Marilyn Monroe aus Licht: Knapp 1.000 Drohnen formten über Düsseldorf ein Porträt nach einem Motiv von James Francis Gill. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Für 25 Minuten wurde der Himmel über Düsseldorf zur Galerie. Knapp 1.000 Drohnen zeichneten Kunst und Stadtsymbole über den Rhein. Wir erlebten die Weltpremiere von „ART IN THE SKY“ an Bord der MS Allegra.
Über dem Rhein lag der Lichtschein der Rheinkirmes. Riesenrad, Fahrgeschäfte und hohe Türme spiegelten ihre Farben im Wasser. Von den knapp 1.000 Drohnen war gegen 22 Uhr noch nichts zu sehen.
Zur Weltpremiere von „ART IN THE SKY – Inspiriert von Düsseldorf“ hatte der Produzent AO Multimedia & Drones zahlreiche Medienvertreter auf die MS Allegra vor den Kasematten eingeladen, darunter auch NDOZ. Das Schiff war zu diesem Zeitpunkt bereits gut gefüllt.
Auf einer kleinen Holzbank fanden wir einen Platz mit freiem Blick auf die Oberkasseler Rheinwiesen. Über uns leuchtete grünes Neonlicht. Mücken und Spinnen hatten diesen Platz offenbar mindestens genauso interessant gefunden wie wir.
Blick von der MS Allegra auf die Rheinkirmes
Die MS Allegra war zur Weltpremiere bereits gut gefüllt. Vom Deck aus fiel der Blick über den Rhein auf die beleuchtete Rheinkirmes. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Zur Begrüßung wurde ein Concept Riesling Secco 2023 vom Weingut Eppelmann ausgeschenkt. Antipasti, Käse, Obst und Grillwurst standen während des Abends zur Selbstbedienung bereit. Wir nahmen eine Käseplatte mit an unseren Platz und warteten auf den Beginn der Show.
Die Kunst wartete bereits an Bord
Einige Motive, die später am Himmel erscheinen sollten, waren schon auf dem Schiff zu sehen. An Bord hingen unter anderem eine farbintensive Marilyn-Monroe-Grafik von James Francis Gill und eine Darstellung des Bunnyman.
Marilyn-Monroe-Grafik an Bord
Schon vor Beginn der Drohnenshow war eines der späteren Motive an Bord zu sehen: eine farbintensive Marilyn-Monroe-Grafik von James Francis Gill. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Der Bunnyman an Bord der MS Allegra
Auch der Bunnyman war an Bord ausgestellt, bevor knapp 1.000 Drohnen die Kunstfigur später über dem Rhein formten. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Ein begleitender Prospekt machte deutlich, dass ein Teil der ausgestellten Arbeiten zugleich als limitierte Grafik vermarktet wurde. Die Veranstaltung verband damit Kunstpräsentation, Drohnentechnik und kommerzielle Inszenierung.
Draußen blieb die Rheinkirmes währenddessen ständig präsent. Musik und Fahrgeschäftsgeräusche kamen über den Fluss, die beleuchteten Anlagen bildeten die Kulisse für das, was über den Rheinwiesen entstehen sollte.
Gegen 22.30 Uhr stiegen die ersten Drohnen auf.
Aus Lichtpunkten werden Bilder
Zunächst waren nur einzelne Lichter zu erkennen. Dann ordneten sie sich zu Linien, Flächen und Figuren. Die Bilder entstanden nicht plötzlich, sondern bauten sich Punkt für Punkt auf.
Begleitet wurde die Inszenierung von einer kraftvollen und sehr gut hörbaren Musik. Bildwechsel, Bewegungen und Ton waren präzise aufeinander abgestimmt. Dadurch entwickelte die Show einen eigenen Rhythmus, obwohl sich viele Motive vergleichsweise langsam formten.
Eine Figur mit Hut erinnerte unverkennbar an Joseph Beuys. Kurz darauf erschien mit dem „Fettstuhl“ auch ein Motiv aus seinem Werk. Der Künstler studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und war dort später Professor.
Joseph Beuys als Drohnenmotiv
Joseph Beuys über dem Rhein: Knapp 1.000 Drohnen formten den eng mit Düsseldorf verbundenen Künstler aus Lichtpunkten. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Beuys’ Fettstuhl aus Licht
Nach dem Porträt von Joseph Beuys erschien mit dem „Fettstuhl“ auch eines seiner bekannten Werke als leuchtendes Drohnenmotiv. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Neben der großen Kunst setzte die Show auf Motive, die für Düsseldorferinnen und Düsseldorfer unmittelbar lesbar waren. Ein Radschläger drehte sich über den Rhein, leuchtende Herzen wurden zur Liebeserklärung an DUS und eine Flasche Schlüssel-Alt ploppte am Nachthimmel auf.
Diese Bilder holten die Inszenierung zurück ins Lokale. Zwischen internationaler Pop-Art und bekannten Kunstfiguren tauchten Symbole auf, die eng mit dem Alltag und dem Selbstbild Düsseldorfs verbunden sind.
Schlüssel-Alt über dem Rhein
Ein Düsseldorfer Motiv mit Wiedererkennungswert: Die Drohnen formten eine aufploppende Flasche Schlüssel-Alt über dem Rhein. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Der Düsseldorfer Radschläger aus Licht
Auch der Radschläger durfte nicht fehlen: Das bekannte Düsseldorfer Stadtsymbol entstand aus Hunderten Lichtpunkten über dem Rhein. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Marilyn und der Bunnyman über Düsseldorf
Zu den zentralen Bildern gehörte Marilyn Monroe nach einer Arbeit von James Francis Gill. Ihr Gesicht erschien zunächst aus einzelnen Lichtpunkten, wurde immer deutlicher und stand schließlich wie ein überdimensionales Porträt am Himmel.
Später formten die Drohnen den Bunnyman. Nach Angaben des Produzenten AO Multimedia & Drones handelt es sich um eine gemeinsam mit Johnny Depp entwickelte Arbeit. Die Weltpremiere wurde mit knapp 1.000 hochpräzisen LED-Drohnen realisiert und sollte Düsseldorf als Kunst- und Kulturstadt darstellen.
Dazwischen erschienen Schriftzüge, geometrische Formen und weitere Motive. Manche standen für einige Sekunden beinahe unbeweglich am Himmel, andere drehten sich oder gingen fließend in das nächste Bild über.
Nach einzelnen Szenen wurde an Bord applaudiert. Die Reaktionen blieben jedoch zurückhaltender als bei einem großen Höhenfeuerwerk.
ART IN THE SKY über Düsseldorf
Der Titel der Weltpremiere über Düsseldorf: „ART IN THE SKY“ leuchtete aus Hunderten Drohnen über Rhein, Rheinkniebrücke und Rheinkirmes. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Der Bunnyman über Düsseldorf
Der Bunnyman über Düsseldorf: Die von Johnny Depp gemeinsam mit The Connor Brothers entwickelte Kunstfigur erschien als monumentales Bild aus Lichtpunkten über dem Rhein. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Die Weltpremiere im Video
Wie Joseph Beuys, Marilyn Monroe, der Bunnyman und die Düsseldorfer Altbierflasche aus knapp 1.000 Lichtpunkten entstanden, zeigt unser Reel auf Instagram. Die Aufnahmen geben einen kompakten Eindruck von der Inszenierung über dem Rhein und weisen zugleich auf die zweite Drohnenshow am Freitag hin.
Stefan und ich hatten einen ähnlichen Eindruck: Die Show war schön anzusehen, technisch präzise und hervorragend mit der Musik synchronisiert. Sie wirkte jedoch weniger unmittelbar und weniger spektakulär als ein großes Feuerwerk.
Der Vergleich ist nicht ganz fair. Feuerwerk arbeitet mit Explosionen, plötzlichen Lichtkaskaden und körperlich spürbarem Schall. Eine Drohnenshow entwickelt ihre Wirkung langsamer. Sie erzählt mit Konturen, Bewegungen und wiedererkennbaren Bildern.
Gleichzeitig wissen wir, warum viele Menschen nach Alternativen zum klassischen Feuerwerk suchen. Feuerwerkskörper verursachen Lärm, Feinstaub und Müll. Haustiere können erschrecken, Wildtiere werden gestört.
In Düsseldorf ist diese Diskussion seit dem vergangenen Jahr zudem mit einer konkreten Erinnerung verbunden.
Der Feuerwerksunfall von 2025
Beim Rheinkirmes-Feuerwerk am 18. Juli 2025 wurden 19 Menschen verletzt, vier von ihnen schwer. Nach Angaben der Bezirksregierung handelte es sich um einen Unfall.
Danach stand die Zukunft des traditionellen Feuerwerks zunächst offen. Kirmeschef Andreas-Paul Stieber erklärte damals, seine persönliche Tendenz gehe nach dem Schock eher gegen eine erneute Durchführung. In der öffentlichen Diskussion rückte damit auch die Frage in den Mittelpunkt, ob Drohnenshows künftig eine Alternative sein könnten.
Für 2026 entschieden sich die Veranstalter schließlich für beide Formate: zwei Drohnenshows und das traditionelle Höhenfeuerwerk.
Für das Feuerwerk wurde ein neues Sicherheitskonzept entwickelt. Die Abschussanlagen sollen in Muldencontainern mit über zwei Meter hohen Seitenwänden stehen und zusätzlich mit Sand fixiert werden. Damit sollen Querschläger verhindert werden.
Vor diesem Hintergrund bekommt „ART IN THE SKY“ eine zusätzliche Bedeutung. Die Drohnenshow ist nicht bloß ein weiteres Unterhaltungsangebot. Sie zeigt, wie ein großes Ereignis über einer Stadt auch ohne Explosionen erzählt werden kann.
Vielleicht erst der Anfang
Unser Eindruck nach dieser Weltpremiere: Solche Drohnenshows stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung.
Schon heute können Hunderte Drohnen gemeinsam Figuren, Schriftzüge, Porträts und dreidimensional wirkende Objekte formen. Sie lassen sich präzise mit Musik verbinden und können Motive erzählen, die in einem Feuerwerk nicht möglich wären.
Doch das kreative Feld ist noch deutlich größer.
Wenn die Formationen künftig dichter werden, Übergänge fließender und die erzählten Geschichten komplexer, kann aus der technischen Attraktion eine eigene Form des öffentlichen Spektakels entstehen. Der Himmel wird dabei nicht nur zur Projektionsfläche, sondern zu einem Raum, in dem Bewegung, Kunst, Musik und Stadtgeschichte zusammenkommen.
Wir glauben deshalb, dass Abende wie dieser weniger einen fertigen Endpunkt zeigen als einen Anfang. Die Technik verspricht für die kommenden Jahre noch mehr Kreativität, räumliche Tiefe und Überraschung.
Vielleicht wird eine Drohnenshow der Zukunft nicht mehr mit einem Feuerwerk verglichen werden müssen. Vielleicht entwickelt sie eine vollkommen eigene Bildsprache und eine neue Form des Spektakulären.
Am Freitag erzählt die Show eine andere Geschichte
Am Freitag, 24. Juli 2026, folgt die zweite Produktion von AO Multimedia & Drones. Sie trägt den Titel „Düsseldorf feiert“ und beginnt um 22.15 Uhr.
Nach Angaben des Produzenten wurde die Show vollständig neu entwickelt. Sie soll mit neuen Animationen die Geschichte Düsseldorfs, seiner Menschen, Wahrzeichen und Lebensfreude erzählen. Anschließend folgt das traditionelle Höhenfeuerwerk.
Die nächste Drohnenshow am Freitag
„See you again on Friday“: Mit diesem Schriftzug kündigte die Inszenierung die nächste Drohnenshow am Freitag, 24. Juli, an. „Düsseldorf feiert“ beginnt um 22.15 Uhr, anschließend folgt das Höhenfeuerwerk. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ
Da ein besonders großer Andrang erwartet wird, empfiehlt die Stadt die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auf den Rheinbrücken und rund um den Luegplatz werden die Besucherströme nach der Show gezielt gelenkt.
Das Bild, das uns am längsten blieb, entstand nicht hoch über Düsseldorf.
Nach ungefähr 25 Minuten kehrten die Drohnen langsam zu ihrem Startplatz auf den Rheinwiesen zurück. Sie verschwanden nicht einfach im Dunkeln. In rosafarbenem Licht senkten sie sich geordnet zum Boden. Die Musik wurde ruhiger, die Bewegungen weicher.
Rosafarbener Abschied der Drohnen
Zum Finale kehrten die Drohnen in rosafarbenem Licht langsam zu ihrem Startplatz zurück. Die Landung wirkte wie ein leise choreografierter Abschiedstanz. / Foto: Alexandra Scholz-Marcovich, NDOZ
Von unserem Platz auf dem Schiff aus wirkte die Landung wie ein kleiner, präzise choreografierter Abschiedstanz.
Kurz nach 23 Uhr verließen wir die MS Allegra. Trotz Rheinkirmes und gut gefülltem Schiff kamen wir ohne Stau nach Hause.
Vielleicht lag in diesem letzten Bild bereits ein Hinweis auf das Potenzial der Technik: Das Spektakuläre muss nicht immer laut sein.
Manchmal reichen knapp 1.000 rosafarbene Lichtpunkte, die ganz langsam wieder zur Erde zurückkehren.
Alex & Stefan bei ART IN THE SKY
Alexandra Scholz-Marcovich und Stefan Scholz waren für NDOZ auf Einladung bei der Weltpremiere von „ART IN THE SKY“ an Bord der MS Allegra. / Foto: Stefan Scholz, NDOZ