Kapitalmarkt-Dialog September 2026 | NDOZ × Bethmann HAL: Arndt Sauer ordnet Zinsschritte, Inflationsrisiken, KI-Boom und die Rolle von Aktien, Anleihen und Gold ein.

Gratwanderung Geldpolitik: Aktien rücken in den Fokus. Aber welche sind die richtigen?

Blick über den Rhein auf moderne Büro- und Hotelgebäude im Düsseldorfer MedienHafen unter bewölktem Himmel.
Düsseldorf zwischen Wirtschaft und Kapitalmarkt

Steigende Zinsen, geopolitische Risiken und ein robuster KI-Boom prägen die Kapitalmärkte im September. Düsseldorf bleibt dabei der Ausgangspunkt des Kapitalmarkt-Dialogs von NDOZ und Bethmann HAL. / Foto: Julia Taubitz, Unsplash

Zinsen steigen, Öl bleibt teuer, KI treibt die Märkte. Arndt Sauer von Bethmann HAL erklärt im Kapitalmarkt-Dialog, warum Aktien jetzt stärker in den Fokus rücken und worauf Anlegerinnen und Anleger achten sollten.

Mehr als 100 Dollar für ein Fass Rohöl, Rekordpreise beim Benzin: Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise hoch. Die großen Notenbanken haben im September auf die steigende Inflation reagiert: Erst erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen. Dann hob auch die US-Notenbank Fed den Leitzins an. Die Kapitalmärkte hatten zwar mit Zinsschritten gerechnet. Doch gleichzeitig wuchs die Sorge, dass teureres Geld Investitionen und Konjunktur ausbremsen könnte. Das drückt potenziell auf die Börsenkurse. Geldpolitik als Gratwanderung.

Wer sein eigenes Geld klug anlegen möchte, sollte deshalb aktuell genau hinschauen. Der Kapitalmarkt-Dialog von NDOZ und Bethmann HAL mit ihrer Niederlassung in Düsseldorf schafft Orientierung. Geldanlegerinnen und -anleger können von wertvollen Einschätzungen profitieren.

Direktor Arndt Sauer leitet die Niederlassung Düsseldorf der Privatbank Bethmann HAL. Hier ist seine Analyse:

 

Der Rückblick

In den vergangenen Wochen bewegten sich die Kapitalmärkte in einem Spannungsfeld: Einerseits waren Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) ein Motor für Wachstum. Andererseits hielten die Inflationsrisiken an und die geopolitische Unsicherheit nahm zu. Denn der Konflikt zwischen den USA und Iran verschärfte sich erneut und führte zu höheren Rohstoffpreisen. Für die Notenbanken wurde die Lage damit anspruchsvoller. Denn sie müssen die Preisstabilität sichern, ohne die Wirtschaft zu stark zu bremsen. Die Aktienmärkte profitierten von starken Unternehmenszahlen aus dem KI-Sektor und vom anhaltenden Wachstum im Technologiesegment. An den Anleihemärkten standen die längerfristigen Folgen von Inflation, Staatsverschuldung und Geldpolitik im Vordergrund. Der Ölpreis stieg.

Zum Kapitalmarkt-Dialog August 2026: Zwischen Rekordjagd und Risiko: Jetzt lohnt es sich, bei der Geldanlage genau hinzusehen

 

Die aktuelle Lage

Neben den Entwicklungen im Nahen Osten stehen die großen Zentralbanken wie die EZB und die Fed in den USA deshalb besonders im Fokus. Die EZB hat auf die Teuerung im Euroraum reagiert: Sie erhöhte zum zweiten Mal in diesem Jahr den wichtigen Zinssatz für Einlagen von 2,25 auf 2,5 Prozent. Die Fed hob in den USA den Leitzins erstmals seit drei Jahren ebenfalls um einen Viertelpunkt an. Die Zinsspanne liegt hier nun bei 3,75 bis 4,00 Prozent.

Für den Konsum bedeutet teureres Geld: Wer Anschaffungen plant, muss höhere Zinsen für Verbraucherkredite zahlen. Wer sein Geld anlegen möchte – etwa als Fest- oder Tagesgeld – bekommt höhere Zinsen. Das Problem für die Wirtschaft ist allerdings: Unternehmen, die sich für Investitionen Geld leihen wollen, müssen ebenfalls höhere Zinsen zahlen. Ein möglicher Dämpfer für die Konjunktur. Die Börsen reagierten deshalb zunächst mit Kursabschlägen auf die Zinsschritte in Europa und den USA.

Der Ausblick

Entscheidend wird sein, ob sich die Eskalationsspirale zwischen den USA und Iran weiterdreht wie in den vergangenen Wochen. Der weitere Verlauf dürfte Energiepreise, Inflation und Geldpolitik maßgeblich beeinflussen. Zugleich dürfte der KI-Boom ein wichtiger Treiber der Aktienmärkte bleiben. Die aktuellen Unternehmenszahlen zeigen bisher eine hohe Investitionsbereitschaft im Technologiesektor. Sie stützen die Erwartung, dass künstliche Intelligenz weiterhin wesentliche Wachstumsimpulse für Unternehmensgewinne liefern wird. Auf absehbare Zeit müssen den Versprechungen aber auch Ergebnisse folgen. Wer investiert, erwartet Erfolg.

Insgesamt werden die Märkte von zwei gegenläufigen Kräften geprägt: dem robusten KI-getriebenen Wachstum und dem komplexen geo- sowie geldpolitischen Umfeld. Ob die grundsätzlich positive Stimmung bis Jahresende anhält, hängt vor allem von Inflation, US-Dollar, Zentralbanken und der Lage im Nahen Osten ab.

Die Strategie

Die Märkte sehen sich weiterhin Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus und um die Nachhaltigkeit des KI-Booms gegenüber. Die globale Wirtschaft hat sich jedoch als widerstandsfähig erwiesen. Investitionen in Künstliche Intelligenz bleiben ein wesentlicher Wachstumstreiber in den USA. Darüber hinaus erwarten wir in den wichtigen Wirtschaftsregionen weiteres Wachstum.

Mit Blick auf einzelne Anlageklassen bedeutet das:

Aktien: Das robuste makroökonomische Umfeld und eine starke Berichtssaison sprechen aus unserer Sicht für eine höhere Aktienquote. Daher haben wir unsere Aktien-Allokation von „neutral“ auf „übergewichtet“ erhöht. Gleichzeitig haben wir Schwellenländer auf „übergewichtet“ hochgestuft und Industrieländer auf „untergewichtet“ reduziert. Auf Sektorebene haben wir die Gewichtung von Informationstechnologie (IT) auf „übergewichtet“ erhöht und Basiskonsumgüter auf „untergewichtet“ gesenkt.

Anleihen: Steigende Renditen prägten die Anleihemärkte. Anhaltender Inflationsdruck, hohe Haushaltsdefizite und eine erhöhte Emissionstätigkeit belasteten die Nachfrage. Höhere Renditen verteuern die Finanzierung für Staaten und Unternehmen und können ab einem bestimmten Niveau auch Aktien belasten. Diese Schwelle sehen wir jedoch noch nicht erreicht. Mittelfristig erwarten wir nachlassenden Inflationsdruck und sinkende Renditen. Wir bevorzugen hochwertige Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen.

Gold: Der Preis für das Edelmetall gab aufgrund steigender Leitzinsen zeitweise nach. Mittelfristig profitiert Gold aber von geopolitischen Unsicherheiten und Konjunkturrisiken. Trotz höherer Zinsen bleibt das Edelmetall also ein attraktiver Diversifikator und wichtiger Stabilitätsanker im Portfolio.

Das Interview

Frage: Bethmann HAL rückt Aktien stärker in den Fokus. Worauf sollten Anleger und Anlegerinnen dabei achten?

Arndt Sauer: „Aktuell gewinnt es an Bedeutung, im Aktienportfolio die richtigen Regionen, Sektoren und Unternehmen gezielt auszuwählen. Wer sich global orientiert, kann sehen: Die Konjunktur ist robust, die Unternehmensgewinne sind solide, und der KI-Investitionszyklus hält an. Das spricht für einen konstruktiven Ausblick. Wir bevorzugen also Aktien, insbesondere in Schwellenländern und im Technologiesektor.“

Frage: Aktien sind aber nicht alles. Was ist mit Anleihen und alternativen Investments wie Gold?

Arndt Sauer: „Wir ergänzen Aktien durch hochwertige Unternehmensanleihen und Gold. Stark steigende US-Renditen und die Marktspekulationen im Vorfeld der US-Leitzinsanhebung haben den Preis für die Feinunze Gold zwar zwischenzeitlich belastet. Aber Privatanleger und institutionelle Investoren kauften Gold und stützten zuletzt den Preis. Gold wirft zwar keine Zinsen ab. Aber es gilt traditionell als sicherer Hafen und bleibt eine gute Beimischung.“

 

Über die Bethmann HAL

Die Privatbankmarke Bethmann HAL ist Teil der ABN AMRO Deutschland und zählt zu den drei größten Anbietern von Wealth Management in Deutschland. Sie vereint die jahrhundertelangen Privatbankkulturen der Vorgängerinstitute Bethmann Bank und Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) und deren herausragende Expertise bei der Betreuung großer und komplexer Vermögen. Neben einem umfassenden Angebot in der Vermögensverwaltung bietet Bethmann HAL ein Wertpapier-Beratungsgeschäft, Zugang zu Private Assets wie Private Equity und Immobilien sowie einen Wealth Planning-Ansatz, der die individuelle Vermögungssituation nach Kundenpräferenzen und über alle Asset-Klassen und Generationen hin optimiert. Eine besondere Expertise besteht im Bereich E&E (Entrepreneur & Enterprise): Die ganzheitliche Betreuung von mittelständischen Unternehmern sowohl mit Blick auf ihre familiäre als auch auf ihre unternehmerische Vermögenslage durch integrierte Teams aus dem Wealth Management und Corporate Banking der ABN AMRO ist in dieser Form ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Markt. Bethmann HAL verfügt über Assets under Management (AuM) von mehr als 70 Mrd. Euro und ist an 17 Standorten in Deutschland präsent.

 

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