Kapitalmarkt-Dialog August 2026 | NDOZ × Bethmann HAL: Rekordstände an den Börsen treffen auf geopolitische Risiken und neue Inflationssorgen.

Zwischen Rekordjagd und Risiko: Jetzt lohnt es sich, bei der Geldanlage genau hinzusehen

Steigende Börsenkurve vor der Düsseldorfer Skyline zwischen sonnigem und stürmischem Himmel  Bildunterschrift
Kapitalmarkt zwischen Rekordjagd und Risiko

Rekordstände an den Börsen treffen auf geopolitische Risiken und neue Inflationssorgen. / KI-generierte Illustration - NDOZ

Der DAX jagt von Rekord zu Rekord. Doch Iran-Krieg, Inflationsrisiken und hohe KI-Bewertungen machen die Geldanlage anspruchsvoller. Arndt Sauer erklärt, worauf es jetzt ankommt.

Unternehmen und Börsen trotzen Krieg und Krisen. Zwei jüngste Beispiele aus Deutschland:

  • Die Wirtschaft ist im Frühjahr das dritte Quartal in Folge gewachsen.
  • Die Börsenrallye geht mit Rückenwind durch Unternehmensgewinne weiter.

Zuversicht herrscht an den Finanzmärkten weltweit. Doch der Iran-Krieg bleibt ein Risiko für Investorinnen und Investoren.

Zwischen Rekordjagd und Risiko: Der Kapitalmarkt-Dialog von NDOZ und Bethmann HAL mit ihrer Niederlassung in Düsseldorf schafft Orientierung. Wer sein Geld klug anlegen möchte, kann von wertvollen Einschätzungen profitieren.

Hier die Analyse von Arndt Sauer, Direktor und Leiter der Niederlassung Düsseldorf der Bethmann HAL:

 

Der Rückblick

Im Juli schlug vor allem die erneute Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran auf die Märkte durch. Das Rahmenabkommen der beiden Kriegsparteien brachte nicht den erhofften Durchbruch, die Spannungen nahmen wieder zu. Angriffe auf die Schifffahrt in der für den Handel mit Erdöl und Flüssigerdgas wichtigen Straße von Hormus ließen die Energiepreise wieder steigen. Der Preis für die Ölsorte Brent kletterte erneut über 90 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Gleichzeitig machten gestörte Lieferketten die Energieimporte teurer – und erhöhten damit das Risiko für einen erneuten Anstieg der Inflation.

Zum Kapitalmarkt-Dialog Juli 2026: Die Risiken streuen, wenn die Lage unsicher ist

 

Die aktuelle Lage

Besser als nichts: 0,2 Prozent legte das Bruttoinlandsprodukt im Zeitraum April bis Juni laut Statistischem Bundesamt gegenüber dem Vorquartal zu. In den beiden vorangegangenen Vierteljahren hatte das Wachstum jeweils 0,3 und 0,4 Prozent betragen. Damit hat die deutsche Wirtschaft unter dem Strich Widerstandskraft bewiesen. Der Deutsche Aktienindex (DAX) sprang Anfang August erstmals in seiner Geschichte über 26.000 Punkte. Angetrieben von der New Yorker Wallstreet und von Unternehmensgewinnen im 2. Quartal, ging die Rekordjagd munter weiter: Mitte August übertraf das wichtigste deutsche Börsenbarometer zeitweilig auch die Marke von 26.500 Punkten.

In der anhaltenden Kursrallye spiegelte sich nicht zuletzt die Hoffnung der Kapitalmärkte, dass die Auseinandersetzung im Nahen Osten endlich endet, die Energiepreise sinken und sich die Konjunktur durchgreifend erholt.

Der Ausblick

Doch noch ist es nicht so weit. Das Umfeld bleibt anspruchsvoll. Drei Themen stehen dabei im Vordergrund:

  • Der Krieg am Persischen Golf bleibt der größte Risikofaktor. Signale der Entspannung wechseln sich laufend mit erneuten Rückschlägen ab.
  • Inflation und Geldpolitik bleiben entscheidend. Schwächere US-Inflationsdaten haben die Erwartungen an weitere kurzfristige Zinserhöhungen reduziert. Doch steigende Energiepreise und mögliche Zweitrundeneffekte könnten die Teuerung erneut antreiben.
  • Künstliche Intelligenz (KI) bleibt das große Thema am Kapitalmarkt. Investitionen in KI-Infrastruktur, Energiewende und Verteidigung sind die wichtigen Wachstumstreiber.

Die Strategie

Anlegerinnen und Anleger sollten aufmerksam bleiben. Es gilt, gleichzeitig makroökonomische Faktoren, Unternehmensgewinne und die Rentabilität der Investitionen in künstliche Intelligenz zu bewerten. Für die einzelnen Anlageklassen bedeutet das:

Aktien: Sie haben sich in diesem Jahr solide entwickelt. Besonders der Informationstechnologie-Sektor und das Halbleiter-Segment profitierten von hohen Investitionen. Doch mit den Kursen steigen die Bewertungen. Wir rechnen im Sommer mit höherer Volatilität und haben unsere Positionen in Aktien sowie im IT-Sektor auf neutral reduziert.

Anleihen: Wir haben unsere Position in Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating (IG) zulasten von Staatsanleihen weiter ausgebaut. IG-Anleihen haben eine gute Bonität. Wir halten sie im Segment hochwertiger Anleihen für besonders attraktiv. Dafür sprechen ein solides makroökonomisches Umfeld, überwiegend starke Unternehmensbilanzen sowie höhere Renditen bei vergleichbarem Risikoprofil. Unternehmensanleihen erscheinen auch im Vergleich zu Staatsanleihen weiterhin attraktiver.

Gold: Zwar entwickelte sich Gold im Juli per Saldo seitwärts. Doch der Ausblick bleibt positiv, angesichts fortlaufend erhöhter Inflationsrisiken und einer tendenziell steigenden Geldmenge in den USA. Insgesamt bleibt das Edelmetall ein wichtiger Baustein zur Diversifikation des Portfolios. Es kann das Risiko-Rendite-Profil stabilisieren.

Das Interview

Unter der Marke Bethmann HAL hat die ABN Amro Bank das Wealth Management, also die Betreuung großer und komplexer Vermögen, der Vorgängerinstitute Bethmann Bank und Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) zusammengeführt. Im Zuge der HAL-Integration hat Direktor Arndt Sauer die Leitung der Niederlassung Düsseldorf übernommen. Der gebürtige Sprockhöveler startete seine berufliche Laufbahn mit einer Bankkaufmann-Lehre in Essen und einem berufsbegleitenden Studium. Anschließend sammelte er langjährige Erfahrungen als Kundenberater bei verschiedenen Bankhäusern, etwa in Köln und Düsseldorf. Vom Jahr 2022 an war Arndt Sauer Leiter der HAL-Niederlassung in der Landeshauptstadt. Nun führt er dort das Team der Bethmann HAL.

Frage: Wie lautet Ihr Fazit mit Blick auf die aktuelle Lage?

Arndt Sauer: „Die jüngste Eskalation des Iran-Konflikts hat die Risiken wieder erhöht. Sie hat jedoch unsere grundsätzliche wirtschaftliche Einschätzung nicht verändert. Wir erwarten weiterhin eine Einigung zwischen den USA und Iran. Investitionen in KI, Energiewende und Verteidigung stützen das globale Wachstum. Mit Blick auf die Kursentwicklung und mögliche Schwankungen haben wir unsere Aktien- und IT-Positionen auf neutral reduziert. Gleichzeitig erhöhen wir die Gewichtung von Unternehmensanleihen mit guter Bonität zulasten von Staatsanleihen, da sie aktuell ein attraktiveres Risiko-Rendite-Profil bieten. Unsere Goldposition behalten wir zur Diversifikation des Portfolios bei.“

Frage: Was sollten Geldanleger und -anlegerinnen jetzt beachten?

Arndt Sauer: „Trotz des Iran-Kriegs zeigt sich die Weltwirtschaft robust. Eine unmittelbare Rezession ist nicht absehbar. Dennoch: Wir haben es mit geopolitischen Risiken und einer unsicheren Preisentwicklung zu tun. Außerdem stellt sich mittlerweile auch die Frage, ob manches KI-Papier nicht schon zu hoch gehandelt wird. Es lohnt sich also, genau hinzusehen. Ein ausgewogener, diversifizierter und risikobewusster Ansatz bleibt bei der Geldanlage angemessen.“

 

Über die Bethmann HAL

Die Privatbankmarke Bethmann HAL ist Teil der ABN AMRO Deutschland und zählt zu den drei größten Anbietern von Wealth Management in Deutschland. Sie vereint die jahrhundertelangen Privatbankkulturen der Vorgängerinstitute Bethmann Bank und Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) und deren herausragende Expertise bei der Betreuung großer und komplexer Vermögen. Neben einem umfassenden Angebot in der Vermögensverwaltung bietet Bethmann HAL ein Wertpapier-Beratungsgeschäft, Zugang zu Private Assets wie Private Equity und Immobilien sowie einen Wealth Planning-Ansatz, der die individuelle Vermögungssituation nach Kundenpräferenzen und über alle Asset-Klassen und Generationen hin optimiert. Eine besondere Expertise besteht im Bereich E&E (Entrepreneur & Enterprise): Die ganzheitliche Betreuung von mittelständischen Unternehmern sowohl mit Blick auf ihre familiäre als auch auf ihre unternehmerische Vermögenslage durch integrierte Teams aus dem Wealth Management und Corporate Banking der ABN AMRO ist in dieser Form ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Markt. Bethmann HAL verfügt über Assets under Management (AuM) von mehr als 70 Mrd. Euro und ist an 17 Standorten in Deutschland präsent.